Die Spieler des BFC Dynamo jubeln über den Berliner Pokalsieg (Quelle: dpa/Strache)
Audio: Inforadio | 21.05.2018 | Niklaus Hillmann | Bild: dpa/Strache

2:1 gegen Berliner SC - BFC Dynamo gewinnt Berliner Pokalfinale

Titel Nummer 6: Der BFC Dynamo ist erneut Berliner Pokalsieger. Der Favorit besiegte den Underdog Berliner SC, der sich hervorragend präsentierte. Mann des Spiels Dynamo-Stürmer Dadashov, der nach langer Verletzung ein Traum-Comeback feierte.

"Dami" prangte  große auf der Brust der Trikots der Spieler des Berliner SC. Viel war im Vorfeld des Landespokalfinals zwischen Regionalligist BFC Dynamo und dem Berliner SC berichtet worden, über die herzzerreißende Geschichte des BSC-Kickers Damatang "Dami" Camara, der im März beim Training zusammenbrach und starb. Für ihn spielten sie dieses Finale, für ihn wollten sie es gewinnen. "Wir wollen uns nicht verstecken", hatte Berliner-SC-Coach Wolfgang Sandhowe vor dem Finale die Richtung vorgegeben. Doch im größten Spiel ihrer Karriere merkte man den Spielern des Sechstligisten vor über 6.400 Zuschauern im Jahnsportpark die Nervosität deutlich an.  

Der BFC spielbestimmend und mit einem "ausgerechnet"-Moment

Der BFC Dynamo übernahm von Beginn an die Spielinitiative, war entschlossener und ballsicherer. Doch wie so häufig im Fußball hatte dann der absolute Außenseiter die erste gefährliche Aktion der Partie. Stürmer Omid Saberdest wurde mit einem Pass in die Tiefe geschickt. Bei Dynamo-Torwart Bernhard Hendl sah man die Alarmglocken schrillen. Konsequenterweise sprintete der 25-Jährige aus seinem Kasten und konnte gerade noch vor dem abschlussbereiten Angreifer klären. In der Folge erspielte sich der BFC dann aber wie erwartet ein Spielanteils- aber auch ein Chancen-Übergewicht.

In der neunten Minute scheiterte BFC-Offensivmann Matthias Steinborn noch am starken BSC-Keeper Mateusz Mika. In der 16. Minute war es dann aber soweit: Von der rechten Seite segelt eine Flanke durch den West-Berliner Strafraum und landete bei Rufat Dadashov, der mit ein wenig Glück zum 1:0 einschiebt. Als der Aserbaidschaner traf, werden viele Sport-Kommentatoren in Deutschland gezuckt und ein dringendes Bedürfnis verspürt haben. Denn es ist einer dieser "ausgerechnet er"-Momente: Der Regionalliga-Torschützenkönig der abgelaufenen Saison spielte erstmals nach sechswöchiger Verletzungspause, wurde behutsam von Coach René Rydlewicz wieder an das Team herangeführt. Die Freude des 26-Jährigen über diesen Treffer war bis in die hinterste Reihe des Jahnsportparks zu spüren.

Der unbändige Glaube an das Wunder

Es war aber nicht nur Dadashovs Gesicht, in dem sich nach dem Treffer interessante Dinge abspielten. Auch auf der anderen Seite tat sich etwas. Die Spieler des Berliner SC, trotz klar sichtbarer Unterlegenheit, machten weder in ihrer Gestik noch in ihrer Mimik jegliche Anstalten, sich hängen zu lassen.

Sie liefen weiter, sie kämpften weiter und: sie erspielten sich weiter Chancen. Timo Höfler beispielsweise schlenzte nach knapp einer halben Stunde am Tor vorbei. Als der Schiedsrichter zur Halbzeit pfiff, konnte der "kleine" Sechtligist erhobenen Hauptes Richtung Kabine schreiten.

Die erste halbe Stunde der zweiten Halbzeit ist verhältnismäßig schnell erzählt: Der BFC Dynamo machte im eigenen Wohnzimmer ernst. Nach gut einer Stunde hätte es bereits zwei, drei, vier oder sogar fünf zu null stehen können. BSC-Keeper Mika, das Aluminium und das Glück des Underdogs hielt die Jungs von der Hubertusallee im Spiel. Das einzige Problem der Schwarz-Gelben vom BSC: In der 64. Minute bahnte sich der zweite und letzte "ausgerechnet er"-Moment dieser Partie an. Nach einem Dynamo-Freistoß aus dem Halbfeld schraubte sich der Spieler mit der Nummer 17 in die Höhe und wuchtete das Spielgerät in die Maschen: Rufat Dadashov erzielte auch den zweiten Treffer des Tages.

Spiel wird zur "Dada-Show"

Der Berliner SC warf noch einmal alles nach vorne, und traf dann sogar in der Nachspielzeit durch einen verwandelten Elfmeter von Kapitän Louis Arnst zum 2:1. Die Schlussphase wurde dann hektisch. Zunächst flog ein BSC-Stürmer Sarbedest vom Platz, in der sechsten Minute der Nachspielzeit bebte noch einmal der Dynamo-Querbalken, als BSCs Ulucay nach einer Ecke den Kopfball nur ein paar Zentimeter zu hoch platzierte. Doch es sollte nicht reichen. Die BFC-Fans stürmten im Anschluss friedlich den Platz, die Freude war grenzenlos.

Der Berliner SC stand nach dem Schlusspfiff dann doch nur Spalier für den verdienten Titelverteidiger BFC Dynamo. Zwar konnten sie den Pokal für ihren Mitspieler "Dami" nicht gewinnen, die Leistung kann sich aber definitiv  sehen lassen. "Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft", sagte Coach Sandhowe zur Leistung seines Underdogs. "Mit ein bisschen Glück können wir noch Unentschieden spielen, aber des BFC hat verdient gewonnen." Das größte Spiel in der Vereinsgeschichte ging dann ohne das perfekte Märchen-Finale zu Ende.

Sendung: rbb aktuell, 21.05.2018, 21:45 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren