Maximilian Zimmer vom FC Energie Cottbus auf dem Weg zum 2:0 gegen den SC Weiche Flensburg 08 (Quelle: imago/Michael Hundt/Matthias Koch)
Video: rbb | SC Weiche Flensburg - FC Energie Cottbus | Bild: imago/Michael Hundt/Matthias Koch

Knapper 3:2-Hinspielsieg gegen SC Weiche Flensburg - FC Energie verspielt deutlich bessere Ausgangslage

Energie Cottbus stand bereits mit einem Bein in der dritten Liga: Im Aufstiegshinspiel führen die Lausitzer gegen den SC Weiche Flensburg lange Zeit mit 3:0, ehe eine schlampige zweite Hälfte den Gegner für das Rückspiel am Leben lässt.  

Die 4.000 mitgereisten Cottbuser Fans standen schon vor Anpfiff des Aufstiegshinspiels zwischen Weiche Flensburg und Energie Cottbus als Sieger fest. Die Anhänger aus der Lausitz bereiteten ihrem Team einen atemberaubenden Empfang und verwandelten einen Auswärtskick zum Heimspiel. "Wir hol'n die Meisterschaft, wir schießen Flensburg ab, und den Landespokal hol'n wir noch einmal." Die Atmosphäre im Gästeblock durchweg zuversichtlich.

Den ersten Zweikampf des Abends lieferte sich das Team von Claus-Dieter Wollitz allerdings nicht mit dem Gegner, sondern mit dem Verkehr. Der Cottbuser Mannschaftsbus stand kurz vor dem Kieler Holstein-Stadion im Stau fest. Ein böses Omen? "Wir sind voll fokussiert", sagte Energie-Coach Claus-Dieter Wollitz Minuten vor der Partie.

Kurze Abtastphase und dann Vollgas-Fußball

Im Gegensatz zum Skandal-Landespokalfinale gegen den SV Babelsberg 03 (1:0) vergangene Woche, hielt der exzentrische Übungsleiter diesmal Wort und ging "mit voller Kapelle" in die Partie. Die Cottbuser Offensiv-Wirbler um Streli Mamba, Kevin Weidlich, Fabio Viteritti und Maximilian Zimmer rotierten allesamt wieder in die Startelf.

Eines wurde - mit dem Blick in die Gesichter beider Teams - schon nach wenigen Minuten deutlich: Auf dem Platz und auch auf der Bank wusste jeder um die Bedeutung dieses Duells. Die Anfangsminuten waren daher vor allem von dem Bedürfnis nach Sicherheit geprägt. Die Cottbuser im 4-1-4-1 System standen hinten kompakt und fingen dann nach fünf Minuten an, ihre Ball- und Kombinationssicherheit  für Offensivaktionen zu nutzen. Der bewegliche Fabio Viteritti  konnte sich beispielsweise auf der linken Seite durchsetzen, während  in der Mitte Energie-Stürmer Streli Mamba gefühlt von null auf 100 in vier Sekunden beschleunigte. Der Viteritti-Pass in die Mitte kam dann aber doch einen Tick zu spät, so dass die Flensburger die Situation kurz vor dem einschussbereiten Mamba noch klären konnten.

Drei Tore für die dritte Liga

Es war jetzt deutlich zu merken: die Lausitzer hatten Blut geleckt. Nur knapp zehn Minuten später eine ähnliche Situation, nur seitenverkehrt. Auf der rechten Seite wurde Kevin Weidlich ins Laufduell geschickt und in der Mitte sahen die Flensburger Verteidiger erneut nur noch Streli Mambas Hacken. Auch Weidlich hatte unübersehbare Schnelligkeitsvorteile gegenüber der Flensburger Viererkette und nutzte diese, um punktgenau und dieses Mal auch perfekt getimed in die Mitte zu flanken. Streli Mamba bedankte sich dann gebührend und haute den Ball volley rein.

Oft wird im Fußball von den sagenumwobenen "Brustlösern" gesprochen. Wenn man nach Beispielen für dieses Phänomen hätte suchen wollen, man wäre beim 1:0 fündig geworden. Der Meister der Regionalliga Nordost spielte im Anschluss wie entfesselt -  und vor allem effektiv. Als Maximilian Zimmer kurz vor der Halbstunden-Marke das 2:0 erzielte, hatten sich die Gäste die Führung redlich verdient. Wieder war Kevin Weidlich auf der rechten Seite einfach nicht zu stoppen, passte an den 16-m-Raum auf Streli Mamba, der dann gewollt oder ungewollt mal schnell Kunst produzierte. Per Hacke ging die Kugel perfekt in den Lauf von Zimmer, der lässig am heimischen Keeper Florian Kirschke vorbeiging und ins leere Tor einschob. Die Gästetribüne bebte und es fing in Kiel ganz dezent und ganz langsam an, für Energie Cottbus nach dritter Liga zu riechen.

Der Geruch wurde dann spätestens in der 38. Minute wesentlich intensiver. Nach einem dummen Handspiel des  Flensburgers Safo-Mensah, legte sich Maximilian Zimmer aus rund 20 Metern das Spielgerät zurecht. Dann atmete er einmal tief durch, machte drei kurze Schritte und schlenzte das Leder links oben ins Eck. Nach diesem Traumtor gab es dann auch für Coach Pele Wollitz kein Halten mehr. Der 52-Jährige tat es geschwindigkeitstechnisch seinen Offensiv-Jungs gleich und raste über den Rasen direkt in die Arme des Torschützen. Viel besser hätte eine erste Hälfte im bislang wichtigsten Spiel der Saison nicht laufen können.

Energie fühlt sich zu sicher und wird bestraft

Der zweite Durchgang  verlief dann irgendwie merkwürdig. Die im ersten Abschnitt überraschend schwachen Gastgeber wollten sich im größten Spiel der Vereinshistorie nicht abschießen und demütigen lassen. Der Meister der Regionalliga Nord spielte auf einmal nach vorne, traf nach einer Unsicherheit von Energie-Torwart Avdo Spahic nur die Latte (47.). Die Cottbuser überließen jetzt den Nordlichtern den Ball und das Feld, wirklich gefährlich wurde es aber nur selten. Gut zwanzig Minuten vor dem Ende wurde die Passivität der Lausitzer dann bestraft, als Verteidiger Christian Jürgensen eine Nachlässigkeit in der Cottbuser Hintermannschaft durch Matuwila und Stein ausnutzte und zum 1:3 einnetzte.

Gegentreffer in der Nachspielzeit und Nettigkeiten nach Abpfiff

Ärgerlich, aber aufgrund der komfortablen Führung bis dato unproblematisch. Dass Energie dann aber anfing, schlampig mit den eigenen Torchancen umzugehen, brachte Coach Wollitz an der Seitenlinie immer wieder an den Rand eines Wutausbruchs. Dass Flensburg in der Nachspielzeit tatsächlich noch das 2:3 durch Rene Guder gelang, wirkte sich nicht sonderlich positiv auf Wollitz‘ Adrenalinspiegel aus. Nach Abpfiff dann ein schon fast gewohntes Bild: Im Cottbuser Fanblock wurde gezündelt, während Coach Wollitz und ein Flensburger Jugendtrainer Kopf-an-Kopf Nettigkeiten untereinander austauschten. "Eigentlich hatte man gedacht, die Tür ist nach dem 3:0 sehr weit auf für uns", sagte der Übungsleiter der Lausitzer. "Aber mit dem 3:2 wird es jetzt am Sonntag wieder spannend."

Die Cottbuser werden an die erste Hälfte anknüpfen, um am Sonntag das Spiel problemlos nachhause zu schaukeln. Denn eines wurde heute deutlich: Energie ist, wenn sich die Mannschaft fokussiert, das klar bessere Team.

Public Viewing in Cottbus (Quelle: rbb/Holger Kessler)Mehrere hundert FCE-Fans verfolgten das Spiel beim Public Viewing in Cottbus.

Sendung: rbb aktuell, 24.05.2018, 21.45 Uhr

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Eine Frage an den Schreiberling hier. Was soll dieser blöde Satz "Nach Abpfiff dann ein schon fast gewohntes Bild: Im Cottbuser Fanblock wurde gezündelt..."?
    Warum will man hier wieder ein falsches Bild der Cottbusser Fans vermitteln? Ja, es stimmt, dass ein paar Vollhonks nach dem Abpfiff ihren zu kleinen Willi in der Hose mit Pyrozeugs kompensieren wollten. Das sollte man nicht gutheißen, aber entspricht auch keinesfalls dem "gewohnten Bild". Aber es ist immer wieder erschreckend und auch traurig, wie hier wieder medial verallgemeinernd gegen den FCE und seine Fans geschossen wird.

  2. 5.

    Das sollte doch wohl reichen. Der einzige Minivorteil den Flensburg hat ist, dass die keinen Druck haben. Hut ab vor den Energie-Fans, das ist mächtig gewaltig.

  3. 4.

    Komm, das ist schon ein Unterschied. Denke doch auch mal an die älteren, die mit Computer und sozialen Medien nix am Hut haben.

  4. 3.

    Ein wirklich gelungener Spielbericht. Es macht Spaß, solche Beiträge zu lesen.

  5. 1.

    Sehr schwach @RBB das ihr unfähig wart das Spiel im tv zu übertragen.

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