ARD Doping-Experte Hajo Seppelt (Quelle: imago/Schwörer Pressefoto)
Audio: Radio Eins | 15.05.2018 | Holger Klein interviewt Hajo Seppelt | Bild: imago/Schwörer Pressefoto

Zugleich Vernehmung angekündigt - Russland lässt ARD-Dopingexperten Seppelt einreisen

Die russische Regierung hat das Einreiseverbot für den ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt zur Fußball-Weltmeisterschaft aufgehoben. Der 55-Jährige zeigt sich erleichtert, er lässt aber offen, ob er tatsächlich nach Russland reisen wird. 

Russland lässt den ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt nun doch zur Fußball Weltmeisterschaft. Die russische Justiz will ihn aber nach der Einreise vernehmen.

Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Dienstag via Twitter mitgeteilt, dass der Journalist "zumindest einreisen darf". Der SPD-Politiker bezeichnete dies jedoch nur als einen "Zwischenerfolg". Unklar ist offenbar, ob Seppelt aus Russland über die WM berichten darf. "Setzen wir uns weiter für freie Berichterstattung ein", schrieb Maas weiter.

Seppelt noch nicht entschieden

Seppelt selbst zeigte sich nach der der Entscheidung im Interview mit  Radioeins am Dienstag erleichtert. "Ich begrüße es, dass diese Geschichte nun vorbei ist. Es ist für Russland ein Desaster gewesen, dass die Diskussion um Pressefreiheit, um Doping im russischen Sport, durch solche Entscheidungen wieder so eine Bedetung bekommen hat."

Der 55-Jährige ließ offen, ob er tatsächlich zur Weltmeisterschaft nach Russland einreist. "Wir werden das intern beraten müssen." Er sei "kein Sportfan", sondern Berichterstatter, sagte Seppelt weiter. "Ich fahre dann zu Sportevents, wenn es journalistisch relevant ist. Da ich ein Visum beantragt habe, können Sie erkennen, dass wir es für relevant gehalten haben, nach Russland zu reisen. Doping und Fußball, auch zum Thema Doping im russischen Fußball: Da gibt es Hinweise, denen wir nachgehen wollen."

Ein Argument, das gegen die Einreise spricht: "Ich habe gehört, dass Russland mich vernehmen möchte."  Eine emotionale Komponente habe die Diskussion für ihn nicht.

Seppelt immer noch "unerwünschte Person"

Russlands Justiz hat angekündigt, den Berliner Journalisten zu den laufenden russischen Ermittlungen gegen den Doping-Kronzeugen Grigori Rodschenkow zu vernehmen. Russland habe Deutschland um Rechtshilfe ersucht, um Seppelt zu dessen Enthüllungen über angebliches Doping befragen zu können, erklärte die Sprecherin des Staatlichen Ermittlungskomitees in Moskau, Swetlana Petrenko. Die deutsche Seite habe immer darauf verwiesen, dass der Journalist von seinem Recht auf Zeugnisverweigerung Gebrauch mache.

"Sollte Seppelt jetzt das Gebiet der Russischen Föderation betreten, wird das Staatliche Ermittlungskomitee erneut Mittel ergreifen, um ihn zu befragen", sagte die Sprecherin der Agentur Interfax zufolge.

Die russische Botschaft in Berlin teilte mit, Seppelt sei per Gerichtsbeschluss zur unerwünschten Person erklärt worden. "Diese Reise zur WM wird eine Ausnahme sein", die durch die Akkreditierung der FIFA bedingt sei, sagte Botschaftssprecher Denis Mikerin laut
Agentur Tass. Seppelt könne bei der WM ungehindert journalistisch arbeiten, sagte Mikerin demnach.

Auch der Fußball-Weltverband FIFA bestätigte, "dass das Visum von Herrn Seppelt für die WM genehmigt" worden sei. "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten des Journalisten und wiederholen, dass FIFA, LOC und Gastgeber Russland für alle akkreditierten Medienvertreter die bestmöglichen Arbeitsbedingungen bieten wird", hieß es in einer
Stellungnahme. "Wie mehrfach erwähnt, steht die Pressefreiheit im Einklang mit der FIFA-Menschenrechtspolitik im Vordergrund."

Bundesregierung hatte Einreiseverbot zuvor kritisiert

Der Journalist hatte mit seinem Film "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" die Aufdeckung des russischen Dopingskandals ins Rollen gebracht.

Die Bundesregierung hatte die russische Entscheidung am Montag scharf kritisiert. "Wir halten diese Maßnahme der russischen Behörden, Herrn Seppelt das Visum für ungültig zu erklären, für falsch", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die freie Berichterstattung über eines der größten Sportereignisse weltweit müsse gewährleistet werden. "Wir sind der Überzeugung, es stünde Russland als Gastgeber schlecht an, wenn es so offensichtlich die Presse- und Meinungsfreiheit vor den Augen der Welt beschnitte."

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft an diesem Freitag den russischen Präsidenten Wladimir Putin in dessen Sommerresidenz in Sotschi am Schwarzen Meer.

Sendung: Radioeins, 15.05.2018, 15 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

1 Kommentar

  1. 1.

    Ich bin gespannt ob Hr. Seppelt nun zur WM 18 fliegt oder nicht.

Das könnte Sie auch interessieren