Der Berliner Moritz Wagner (Nummer 13), Forward des NCAA-College-Basketballteams Michigan Wolverines, feiert den Halbfinalsieg im Big-Ten-Conference-Turnier über Michigan State am 4. März 2018 in New York City (Quelle: imago / Duncan Williams).
Audio: rbb Sport | 22.06.2018 | Martina Buttler | Bild: imago sportfotodienst

Erster Berliner Basketballer in der NBA - Wagner schwebt auf lila Wolken

Früher Prenzlauer Berg, bald Venice Beach: Moritz Wagner hat es in die glitzerndste Basketballliga der Welt geschafft. Die Los Angeles Lakers wählten den 21-Jährigen am Freitag in der ersten Runde des NBA Drafts. Seinen Ex-Trainer bei Alba überrascht das nicht. Von Sebastian Schneider

Da stand er nun und kämpfte mit den Tränen: Seine 2,11 Meter voll ausgefahren, eine riesige lilafarbene Kappe auf dem Kopf, das gewohnte Million-Dollar-Grinsen ausnahmsweise ausgeknipst. Es war die Nacht auf Freitag und Moritz Wagner aus Berlin Prenzlauer Berg hatte es in die NBA geschafft. "Ich bin sprachlos", sagte er und dann einen Moment lang nichts mehr.

Die Los Angeles Lakers haben den 21-Jährigen ausgewählt, bei der jährlichen Talentziehung, dem sogenannten Draft. Wagner hat es gleich in der ersten von mehreren Runden gepackt, an 25. Stelle - das bedeutet, dass ihm ein Vertrag garantiert ist.

Der Basketballer Wagner ist mit bemerkenswertem Selbstvertrauen ausgerüstet, aber diese Nacht in New York City hat ihn wieder zum kleinen Jungen gemacht. Einem, der nachts aufstand, um NBA-Spiele zu gucken und seine Idole anzuhimmeln. "Das Parkett mit Dirk Nowitzki zu teilen? Ich muss lächeln, wenn ich darüber nachdenke. Das wäre das Beste, Mann", hatte er noch vor den Drafts gesagt - und nun dürfte dieser Traum wahr werden.

Magic Johnson persönlich ruft an

Die Lakers sind ja nicht irgendein Team, sondern immer noch das berühmteste der Welt. Der Showtime-Express von Legenden wie Kareem Abdul-Jabbar, Shaq, Kobe Bryant und Magic Johnson wirkt bis heute nach. Letzterer leitet heute die Geschicke der "Franchise", wie man Profiklubs in diesem riesigen Geschäft treffend nennt.

Johnson also, etwas fülliger aber ansonsten immer noch unverkennbar, hob am späten Abend einen Telefonhörer ab und berichtete dem NBA-Mensch am anderen Ende, für wen er sich entschieden habe: Moritz Wagner von der University of Michigan.

Keine Angst - nicht mal vor Sasa Obradovic

Dort, im kleinen Uni-Städtchen Ann Arbour, hat der Berliner die vergangenen drei Jahre gespielt - sehr erfolgreich. Er entwickelte sich vom schmächtigen Teenager zum wehrhaften Wandschrank, er wurde erwachsen. Zuletzt schaffte es Wagner mit den Wolverines ins Finale der landesweiten College-Liga NCAA, als einer der besten Spieler seines Teams. Typen wie er sind im modernen Basketball begehrt: Groß, dabei beweglich, mit einem präzisen Wurf und dem nötigen Blick für den richtigen Pass versehen. 

Die Grundlagen dafür hat er in seiner Heimat gelernt, bei Alba Berlin. Sein ehemaliger Trainer Sasa Obradovic hatte rbb|24 noch kurz vor dem Draft gesagt, er bete für "seinen Jungen". Wagner hat alle Jugendteams durchlaufen und schaffte es bis zu den Profis - als erster in der Vereinsgeschichte. Dann traf er auf Obradovic, einen Mann, der schon Veteranen Albträume beschert hat, wenn sie nicht machten, was er sagte. Mit ihm legt sich keiner an.

Wagner aber, damals der Jüngste im Team, ließ sich nicht einschüchtern. "Was mir auffiel war, dass er niemals Angst hatte. Es kümmerte ihn nicht, in welchem Ton ich mit ihm redete, er war immer selbstbewusst, aber ließ sich trotzdem etwas sagen", erzählt Obradovic. "Sein hoher IQ auf dem Feld, seine Fähigkeit, verschiedene Positionen zu spielen - das konnte man schon damals sehen." Jetzt habe Wagner auch den nötigen Körper, um es bis zum NBA-Star zu schaffen - momentan wird er mit 109 Kilo geführt.

Sasa Obradovic, serbischer Basketballtrainer des russischen Erstligisten Lokomotive Kuban Krasnodar, früher bei Alba Berlin (Quelle: Lokomotive Krasnodar / Fedor Aebor).
Viele sind vor Sasa Obradovics Ansprache zurückgewichen, Moritz Wagner nicht. Die beiden verbindet noch heute ein gutes Verhältnis. | Bild: Lokomotive Krasnodar / Fedor Aebor

"Glauben, dass er unser Team von Anfang an unterstützen kann"

In L.A. erwartet den Power Forward nun jede Menge Maloche, denn seit Jahren haben die Lakers nichts mehr getaugt. Mit 35 Siegen und 47 Niederlagen verpasste der Klub zuletzt wieder die Playoffs, zu wenig für die Ansprüche von Magic Johnson und dem Trainer Luke Walton. "Wir glauben, dass er unser Team von Anfang an unterstützen kann", sagte Walton über Wagner. 

Der hat versprochen, sich jeden Tag voll reinzuhängen. Manchmal könne er etwas emotional werden, hatten Experten in der Draftnacht über ihn gesagt, als sei das eine Schwäche. Wenn sie es so sehen, werden sie Wagner bremsen müssen. Die Fans in Michigan haben ihn für dieses Feuer verehrt. "Der schnelle Stil der Lakers könnte gut zu Moritz passen. Und: Weil sie so bekannt sind, wird sein Spiel oft im Fernsehen zu sehen sein. Das darf man nicht unterschätzen", sagte Sasa Obradovic am Freitagmorgen. Es sei ein großartiger Erfolg. 

Der zweite Wagner wartet schon

Als sein Name bei der Show in Brooklyn ausgerufen wurde, sank Moritz Wagner kurz zusammen. Sein Bruder Franz war bei ihm, der in dieser Saison bei Alba debütiert hat, das nächste große Ding, raunen die Talentspäher schon. Wagner umarmte ihn, seine Eltern, Freunde, seinen College-Trainer, dem er vieles verdankt.

"Es gibt eine Menge Leute, die mir geholfen haben hier zu sein", sagte er dann vorne auf der Bühne und öffnete seine Anzugjacke. Auf der rechten Seite war das Emblem der University of Michigan eingenäht. Und auf der linken das von Alba Berlin.

Sendung: Inforadio, 22.06.18, 6 Uhr

Beitrag von Sebastian Schneider, rbb|24

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1 Kommentar

  1. 1.

    Herzlichen Glückwunsch, Moritz!
    Mann, was für ein Ding - ich freue mich für den sympathischen Kerl, aber auch für diese indirekte Auszeichnung für Alba Berlin. In der kommenden Saison werde ich mit Spannung die Geschicke der Lakers verfolgen.

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