Steffen Baumgart
imago/Eibner
Audio: Inforadio | 26.06.2018 | Steffen Baumgart | Bild: imago/Eibner

Interview | Ex-Fußballprofi Steffen Baumgart - "Ich hatte in jeder Mannschaft was zu sagen"

Steffen Baumgart ist Fußballfans in Berlin und Brandenburg bestens bekannt - auch, weil er immer gesagt hat, was er denkt. Früher Profi beim 1. FC Union und Energie Cottbus, ist er mittlerweile Trainer in Paderborn. Im Interview erzählt er, warum es nicht ohne Fußball geht.

rbb|24: Sie sind Fußballprofi gewesen, unter anderem bei Union Berlin und Energie Cottbus. Erinnern Sie sich an die Anfangszeiten?

Steffen Baumgart: Ich habe mit sieben Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Ich wusste schon damals, dass ich Trainer werden wollte. Meine ganze Familie kommt aus dem Trainerbereich. Der Weg als Trainer war mir immer schon vorgeebnet.

Ist das nicht eigentlich ungewöhnlich?

Ja, das ist ungewöhnlich. Ich habe eher geglaubt, dass ich das Talent zum Spieler nicht habe. Ich hätte nie gedacht, dass ich so eine Karriere als Fußballer mal hinlege. Damals hatte ich ein Angebot von Hansa Rostock. Ich habe immer gesagt, ich brauche ein Bundesligaspiel, damit ich Trainer werden kann.

Steffen Baumgart jubelt
Steffen Baumgart jubelt beim Spiel der Traditionsmannschaften von Union Berlin und Energie Cottbus. | Bild: imago/Matthias Koch

Sie waren Kapitän beim 1. FC Union Berlin. Wie sehr hat diese Rolle zu Ihnen gepasst?

Wenn wir von heutigen Führungsspielern reden, bilde ich mir ein, einer gewesen zu sein – und zwar egal, ob ich die Binde getragen habe oder nicht. Ich hatte in jeder Mannschaft was zu sagen – schon allein deshalb, weil ich laut bin. Ich bin nicht der, der sich irgendwas erzählen lässt. Ich habe eine Meinung und die äußere ich auch. Ich glaube, einen Kapitän zeichnet nicht nur aus, dass er eine Binde trägt, sondern wie er handelt.

Sie waren Torjäger. Was für eine Art Stürmer waren Sie?

Also ein Torjäger ist was anderes. Ich habe zwar eins, zwei Tore gemacht und hatte auch mal eine Zeit, wo ich besser getroffen habe – aber ein Torjäger war ich in Wirklichkeit nie. Ich habe zu viele Dinger versemmelt, hatte auch nie die Ruhe vor dem Tor, manchmal mit dem Kopf durch die Wand, zu hektisch oder ich war schneller als der Ball. Aber ich hatte Eigenschaften, die du nicht lernen konntest. Zu meinen Stärken zählte die Athletik, der Einsatzwille, dieses nie aufgeben – und ich hatte nie Angst, auf den Platz zu gehen.

Steffen Baumgart gibt im Trikot von Energie Cottbus Anweisungen.
Steffen Baumgart trug vier Jahre lang das Trikot von Energie Cottbus - und 2007 auch lange Haare. "Ich gehe nicht gerne zum Friseur", erzählte der Ex-Kicker. | Bild: imago/Eisele

Energie Cottbus war auch eine Ihrer Stationen als Fußballer. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Es war einfach eine schöne Zeit. Nach dem Abstieg von Union Berlin ging es mit Energie Cottbus um den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Im ersten Jahr waren wir kurz vor der Insolvenz, kurz vorm Abstieg. Das nächste Jahr war dann ähnlich wie jetzt die Situation bei Paderborn: eigentlich abgestiegen, dann dringeblieben und aufgestiegen. Es war eine richtig schöne und intensive Zeit. Wir waren damals viele Vollidioten auf einem Haufen, wie wir früher gesagt hätten, aber wir wussten immer, dass wir uns aufeinander verlassen konnten.

Sie haben im April 2017 den SC Paderborn übernommen. Wohlgemerkt im Abstiegskampf der 3. Liga zu Saisonende – also in einer harten Phase. Haben Sie sich da nicht Gedanken gemacht, was ist, wenn das schief geht?

Ja, aber im Nachhinein ist das Schwachsinn. Ich glaube, wenn du gut arbeitest und in der Lage bist, jeden besser zu machen, wird auch die Mannschaft besser. Darüber hatte ich aber nicht nachgedacht. Ich habe wie alle darüber nachgedacht, ob es jetzt der richtige Schritt ist. Da hat meine Frau ganz klar gesagt: Du kannst jetzt weiter die Spülmaschine einräumen oder du machst das, was du liebst. Dann kennt man ja die Geschichte, jetzt sind wir in der 2. Liga. Wir hatten eigentlich einen Dreijahresplan. Jetzt sind wir zwei Jahre zu früh da – aber wir hoffen, dass wir uns trotzdem durchsetzen.

Wenn wir auf die kommende Saison schauen, dürfte das Aufeinandertreffen mit Ihrem Ex-Club Union besonders sein. Was aber vielleicht nicht jeder weiß: Es gibt da noch einen anderen Club…

Ich freue mich auf den HSV. Wenn es einen Verein gibt, für den ich wirklich mitfiebere und das auch jahrelang getan habe, war es der HSV. Das ist mein Kindheitsverein gewesen, seit 1980 leide ich da mit.

Wie können Sie denn abseits des Fußballs am besten entspannen?

Ich glaube, es gibt gar nichts ohne Fußball. Ich habe jetzt noch drei Spiele für Köpenick-Oberspree gemacht, das hat mir Spaß gemacht. Danach gibt es einen Kasten Bier oder einen Grillabend, wo man noch über einiges reden kann. Das sind die Sachen, wo ich vielleicht entspanne. Ich war auch gerade mit meiner Familie drei Tage in Prag. Aber auch da gibt es dann immer wieder Fußball. Ich glaube nicht, dass ich jemand bin, der sagt: „Ich muss mal vom Fußball abschalten.“ Das gibt es nicht.

Das Gespräch führte Stephanie Baczyk.

Sendung: Inforadio, 26.06.2018, 10.45 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren