Julia Dorny lässt ihren Emotionen freien Lauf
Anja Dorny
Video: rbb UM6 | 16.04.2018 | Simon Wenzel | Bild: Anja Dorny

Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Julia Dorny ist Europameisterin - Eine Berlinerin lässt den Tiger raus

Mixed Martial Arts ist die Leidenschaft von Julia Dorny. Die Berlinerin betreibt den Sport erst seit vier Jahren und ist bereits Europameisterin. Im November will sie nach der WM-Krone greifen - und sich danach einen Traum verwirklichen.

Julia Dorny weint. Mit einem Blumenstrauß in der Hand und der Deutschlandfahne um die Schultern kann die 28-Jährige ihre Tränen bei der Siegerehrung nicht zurückhalten. Endlich hat sie es geschafft – ganz nach oben auf das Podium.

Bei der Europameisterschaft im Mixed Martial Arts (MMA) hat sich die Berlinerin den Titel im Federgewicht gesichert. Nach Bronze 2015 und Silber 2016 ist der Medaillensatz nun komplett. "Dieses Jahr hat es endlich mit der Goldenen geklappt, da bin ich natürlich sehr froh drüber. Ich konnte meine Tränen nicht verdrücken", erzählt sie am Sonntag, zwei Tage nach ihrem großen Triumph.

Wettkampf über mehrere Tage

Hinter Julia Dorny liegt eine anstrengende Woche. Denn anders als in Kämpfen in einer Fight Night dauert der Wettkampf mehrere Tage: eine Niederlage und alles ist vorbei. "Man spürt, wie von Tag zu Tag die Anspannung steigt", sagt sie. Vor allem der Kopf spielt im Duell Frau gegen Frau eine wichtige Rolle. "Wenn der Name aufgerufen wird und man geht in den Ring, denkt man nur: Jetzt muss es einfach klappen. Lass den Tiger raus", beschreibt die Berlinerin ihre Gedanken.

Umso größer war ihre Erleichterung, als sich ihr Traum vom Titel endlich erfüllt hat. "Es war ein toller Moment und ich hoffe, dass ich noch ganz lange davon zehren kann."

Der Traum vom Profi-Sport lebt

Viel Energie kann Julia Dorny in den kommenden Monaten auch gebrauchen – denn die Berlinerin hat noch Großes vor.  Im November will sie bei der Weltmeisterschaft in Bahrain wieder jubeln. Nach Bronze 2015 und 2017 und Silber 2016 gibt es für dieses Jahr nur ein Ziel: Gold.

Bei der WM könnte sich die ehrgeizige Sportlerin gleich zwei Träume erfüllen. "Nächstes Jahr möchte ich gerne Profi-Kämpfe machen", verrät Julia. Aber nur wenn sie Weltmeisterin wird, kommt der nächste Schritt für sie in Frage. Ganz oder gar nicht – das ist ihre Devise.

Julia Dorny beim Training (Quelle: Anja Dorny)Voller Fokus im Training. | Bild: Anja Dorny

"Ich will einfach nur ein Eis essen"

Wenn man mit Julia Dorny über MMA spricht, merkt man schnell: Es ist ihr Sport. Sie brennt für Mixed Martial Arts - persönliche Entbehrungen inklusive. "Ich musste im Vorfeld eine ziemlich strikte Diät machen", erzählt sie von der EM-Vorbereitung. Da sind es manchmal die kleinen Dinge, die eine knallharte Kämpferin zur Verzweiflung bringen.

"Manchmal denkt man sich: Ich will einfach nur ein Eis essen", sagt sie und lacht. Neben MMA betreibt sie auch noch Judo und Sumo sehr erfolgreich – ihr Geld verdient sie als Journalistin. Wie sie das macht? "Ich glaube, das geht, indem ich einfach diesen Sport lebe. Mein Umfeld hat sehr viel Verständnis und gibt mir den Raum, um den Sport zu leben."

Julia Dorny mit Densign White, dem Präsidenten der IMMAF, und Oner Owara, dem Präsidenten von mynextmatch
Europameisterin Julia Dorny mit dem Präsidenten der IMMAF, Densign White, und dem Präsidenten von mynextmatch, Oner Owara. | | Bild: Anja Dorny

Coole Sportart sucht deutsche Helden

Vor allem in den USA ist MMA populär. In der UFC, der größten Organisation der Sportart, verdienen die Profis bis zu drei Millionen. Hierzulande ist der Sport noch immer wenig beachtet, hat aber schon an Aufmerksamkeit gewonnen. "In Deutschland wandelt sich das Bild. Es wurde jetzt auch erkannt, dass es ein ziemlich komplexer und cooler Sport ist. Natürlich kann man dabei auch mal einen Cut oder ein blaues Auge haben – aber das passiert beim Boxen auch", sagt Julia Dorny.

Was noch fehlt, um ihrem Sport zum großen Durchbruch zu verhelfen, weiß sie auch. "Wir brauchen auf jeden Fall deutsche Helden in unserer Sportart – wie  Steffi Graf und Boris Becker im Tennis oder Thomas Müller im Fußball."

Als Europameisterin mit Ambitionen auf den WM-Titel und eine Profi-Karriere könnte die Berlinerin zu dieser Heldin werden. "Mir wurde schon öfter gesagt, dass ich das Aushängeschild für den femininen MMA-Sport bin. Das würde ich auch gerne sein und dafür alles geben."

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