Kristina Vogel bei den Sixdays 2018 im Berliner Velodrom (Quelle: imago/Matthias Koch)
Video: Brandenburg aktuell | 30.06.2018 | Phillip Manske | Bild: imago/Matthias Koch

Schwer verletzte Olympiasiegerin - Bahnrad-Kollegen spenden ihre Preisgelder für Vogel

Seit Tagen liegt Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel im künstlichen Koma. Beim Training zum Großen Preis von Deutschland in Cottbus hatte sie sich schwer verletzt. Das Event kam in diesem Jahr ohne Spektakel aus, Konkurrenten und Fans spendeten Tausende Euro.

Beim Großen Preis von Deutschland in Cottbus war am Freitag und Samstag der tragische Unfall von Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel noch immer allgegenwärtig. Am Dienstag war die Weltmeisterin im Training bei voller Geschwindigkeit mit einem niederländischen Juniorenfahrer kollidiert. Vogel zog sich unter anderem schwere Verletzungen an der Wirbelsäule zu und liegt im künstlichen Koma.

Der Zusammenhalt unter den Sportlern ist groß

Auf neongelben Armbinden, T-Shirts oder Kappen steht #staystrongkristina. Kaum jemand auf der Radrennbahn in Cottbus trägt diese Botschaft nicht. "Ich bin begeistert, dass so viele mitmachen. Das ist für viele vielleicht auch ein Stück weit Verarbeitung. Es waren ja noch mehr auf der Bahn, als es passiert ist", erzählt Maximilian Levy.

Der 31-Jährige selbst war auf der Gegengeraden, kümmerte sich um die erste Versorgung von Vogel, stand ihr bei. "Es gibt ein Gefühl von Zusammenhalt und ich hoffe, dass das auch bei Kristina ankommt, dass die ganze Radsportwelt zusammenhält, obwohl wir sonst Gegner sind oder Einzelsportler. Das gibt uns natürlich eine positive Energie", so der Cottbuser, der auch die gleichnamige Crowdfounding-Aktion für seine Teamkollegin organisiert hat.

Levy: "Es geht darum, die Angst zu überwinden"

"Alle die hier waren, haben ihre Anteilnahme erklärt. Alle Fahrer haben sich bereiterklärt, ihr Preisgeld zu spenden", ergänzt Bundestrainer Detlef Uibel. Es ist ein Zeichen. Ein Symbol für den Zusammenhalt, den die Radsportwelt gerade jetzt besonders braucht.

Auch die Wettkämpfe auf der Betonpiste von Cottbus sind Teil der Verarbeitung. Denn bei jedem Rennen fährt auch bei Maximilian Levy die Angst mit. "Es geht darum, diese Angst zu überwinden. Der Sturz oder so eine Situation hätte jeden von uns eine Minute später treffen können. Es gilt, das aus dem Kopf zu bekommen und immer wieder über die Stelle rüberzufahren. Ich konnte das auch als Ventil nutzen, um ein bisschen von der angespannten Energie loszulassen."

Der Bahnradfahrer Stephan Habets aus den Niederlanden trägt beim 28. Großen Preis von Deutschland im Sprint eine gelbe Binde mit der Aufschrift #staystrongkristina. (Quelle: dpa/Thomas Juschus)

Bundestrainer Detlef Uibel: "Es ist ein Tunnel, in dem man sich befindet"

Der Schock sitzt bei Levy und allen anderen Betroffenen noch immer tief. Die Stimmung in Cottbus ist bedrückt. Jegliche Form der Unterhaltung hat der Veranstalter in diesem Jahr abgesagt, auch die traditionelle Blaskapelle fehlt. "Es ist alles ein bisschen dezent gehalten und das ist glaube ich auch richtig so", beschreibt Levy die Stimmung in Cottbus.

Wenn Bundestrainer Detlef Uibel erzählt, dass ihn die Arbeit beim Wettkampf ein wenig ablenkt, merkt man ihm an, dass er mit den Gedanken bei der verletzten Kristina Vogel ist. "Sobald man für sich allein ist, kommen die Erinnerungen und Gedanken immer wieder hoch. Es ist nach wie vor ein Tunnel, in dem man sich befindet."

Levy lädt Team zu sich nach Hause ein - niemand soll allein bleiben

Fragen, Gedanken, Emotionen. Jeder verarbeitet das Erlebte auf seine Weise. Der 31-jährige Levy lud das gesamte Team spontan zu sich nach Hause ein. "In so einer Situation ist nichts normal. Ich hatte den Eindruck, dass es wichtig ist, dass keiner an dem Abend alleine ist. Die logischste Lösung war, sie mit zu mir zu nehmen. Wir haben uns jeder aus seiner Sicht die Situation geschildert. Das war schon wichtig."

Stark sein für Kristina - das müssen sie auch in Zukunft. Am Sonntag waren bereits mehr als 30.000 Euro an Spenden für die verunglückte Sportlerin zusammengekommen. Das Geld soll für Reha-Maßnahmen verwendet werden. Doch es bleiben noch andere Fragen. "Wann kann sie besucht werden? Wann kann man zu ihr hinfahren? Diese Momente werden natürlich alles wieder aufwühlen. Ich gehe davon aus, dass es Wochen bis Monate dauert, bis man das verarbeitet hat", sagt der aufgewühlte Bundestrainer Detlef Uibel.

Sendung: Brandenburg aktuell, 30.06.2018, 19:30 Uhr

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