Rathenow-Trainer Ingo Kahlisch in Aktion (Quelle: imago/Sebastian Wells)
Audio: Inforadio, 26.07.2018, Jakob Rüger | Bild: imago/Sebastian Wells

Regionalliga Nordost startet in die neue Saison - "Es ist krank, wieviel Geld in der Regionalliga ausgegeben wird"

Acht Mannschaften aus Berlin und Brandenburg spielen in der Regionalliga. Für den Meister geht es in dieser Saison direkt in die 3. Liga - ohne Aufstiegsspiele. Das ist Grund für einige Vereine, jetzt viel Geld zu investieren. Aber es gibt auch noch die echten Amateure. Von Dennis Wiese

Wenn auf einen Fußballtrainer die Bezeichnung "Urgestein" zutrifft, dann auf Ingo Kahlisch. Seit fast 30 Jahren betreut der gebürtige Potsdamer die Kicker von Optik Rathenow. Nach zwei Spielzeiten in der Oberliga ist der "Ewige Ingo" mit seinen Havelländern nun wieder in die Regionalliga Nordost aufgestiegen. Die Bedingungen haben sich verändert, viel Geld ist im Spiel, weil der Meister der Regaionalliga Nordost diesmal direkt in die 3. Liga hoch geht. Kahlisch und seine Mannschaft, bestehend aus Schülern, Studenten und Berufstätigen, werden um den Klassenerhalt kämpfen – mit dem kleinsten Etat der Liga, aber mit viel Leidenschaft: "Wir sind die letzten Amateure. Es ist doch krank, wieviel auch schon in der Regionalliga ausgegeben wird."

Zu den Teams, die besonders viel Geld in das Unternehmen Aufstieg stecken, gehört der 1. FC Lokomotive Leipzig, der sein Budget auf zwei Millionen Euro aufgestockt hat und künftig unter Profi-Bedingungen arbeitet. Auch Wacker Nordhausen, im Vorjahr abgeschlagener Tabellen-Zweiter hinter Energie Cottbus, will mit großen Investitionen oben angreifen.  

Babelsberg-Trainer Civa: "Da können wir nicht mithalten"

Die Chance zum direkten Aufstieg in dieser Saison sei reizvoll, aber riskant, sagt Almedin Civa, Trainer des SV Babelsberg 03. "Es besteht die Gefahr, dass manche Vereine das Geld kopflos raushauen und über den Verhältnissen leben. Da können wir nicht mitmachen." Ein fünfter Platz wie in der Vorsaison wird für die Potsdamer schwer zu erreichen sein. Beim Wettrüsten im Fußball-Nordosten strebt Babelsberg einen Mittelfeldplatz an.  

Der FSV Union Fürstenwalde ist der dritte Brandenburger Verein in der Liga. Der neue Tainer André Meyer war einst Co-Trainer in der Nachwuchsabteilung von Hertha BSC, bis 2016 dann Coach und Jugendleiter beim 1. FC Union. Gleich drei Talente aus Unions A-Jugend spielen künftig in Fürstenwalde. Das Ziel für die junge Mannschaft heißt Klassenverbleib.  

Der amtierender Landespokalsieger will auch in der Liga jubeln: Der BFC Dynamo (Quelle:imago/Sebastian Wells)
Will auch in der Liga jubeln: Pokalsieger BFC Dynamo | Bild: imago/Sebastian Wells

Mission Zukunft bei Viktoria, Mission Aufstieg beim BFC

Für Schlagzeilen sorgte in der spielfreien Zeit der FC Viktoria Berlin. Der Verein aus dem Stadion Lichterfelde wird mit einem chinesischen Milliarden-Investor in Verbindung gebracht. Von einem zweiten RB Leipzig ist die Rede. Bestätigt hat Sportdirektor Rocco Teichmann den Deal nicht. Teichmann äußerte sich gegenüber dem rbb aber zu den sportlichen Plänen: Die jungen, hungrigen Spieler sollten sich weiterentwickeln. Viktoria hat neun Kicker der Vorsaison abgegeben, viele Talente geholt, von Zweitliga-Aufsteiger Paderborn kam Mittelfeldspieler Aykut Soyak. Sportdirektor Teichmann bastelt weiter am Kader: "Unsere junge Mannschaft braucht Zeit. Mal gucken, was in dieser Saison schon für uns möglich ist. Klarer Titelfavorit ist für mich Wacker Nordhausen."

Geht es nach René Rydlewicz, heißt der Titelfavorit BFC Dynamo. Der frühere Bundesligaprofi geht in seine dritte Saison als Dynamo-Trainer: "Wir wollen wieder gut und attraktiv spielen. Wir haben letztes Jahr mit die meisten Tore geschossen. Das wollen wir wieder schaffen, aber gerne weniger kassieren". 70 erzielten Toren standen 50 kassierte Treffer gegenüber. "Am Ende wollen wir Erster werden."

Mit dem Chemnitzer FC und Rot-Weiß Erfurt sind zwei Traditionsvereine in die Regionalliga abgestiegen: "Mehr Fans, attraktive Stadien – davon profitiert die ganze Liga", sagt Dynamo-Trainer Rydlewicz.

Muss sich auch bei Herthas Amateuren beweisen: Palko Dardai
Muss sich auch bei Herthas Amateuren beweisen: Palko Dardai | Bild: imago/Laci Perenyi

Der Berliner AK, Hertha II und die VSG Altglienicke

Der Berliner AK will nach dem starken dritten Platz der Vorsaison wieder oben mitspielen. Trainer ist künftig Ersan Parlatan, der von Ligakonkurrent Viktoria Berlin kommt. Im Poststadion wird Parlatan künftig auf das bisherige Hertha-Talent Shawn Kauter setzen können.  Aus Chemnitz kamen mit Marcus Mlynikowski und Jan Koch Spieler mit Drittliga-Erfahrung.

Die Profimannschaft von Hertha BSC setzt auf Talente. Traditionell sammeln die Nachwuchskicker Spielpraxis in der U23 - also beim Regionalligisten Hertha BSC II. Jonathan Klismann, Maurice Covic, Palko Dardai, sowie Neu-Profi Muhammed Kiprit – die Regionalliga Nordost wird die Spielwiese sein, auf der sich die Nachwuchskräfte beweisen sollen.

Für die VSG Altglienicke mit dem Berlin-Brandenburger Fußball-Idol Thorsten Mattuschka heißt es nur: Drinbleiben. Schon im Mai gelang den Südost-Berlinern nur der Klassenerhalt, weil nach dem Cottbuser Aufstieg ein weiteres Team der Region viertklassig bleiben musste.

Viel Geld, große Ambitionen und, zumindest mit Optik Rathenow noch echte Amateure – die neue Saison der Regionalliga Nordost wird sicher für viele Schlagzeilen sorgen.  

Sendung: Inforadio, 26.07.2018, 11.15 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

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1 Kommentar

  1. 1.

    "Für den Meister geht es künftig direkt in die 3. Liga - ohne Aufstiegsspiele"
    Falsch, nur diese Spielzeit, die nächsten beiden nicht. Deswegen wird dieses Jahr auch so viel reingepumpt.

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