Maraike Biglmaier posiert für Deutschland (Quelle: imago/Claudio Gaertner)
Bild: imago/Claudio Gaertner

Interview | Maraike Biglmaier über ihre Sportart - "Angelique Kerber will von mir eine Beach-Tennis-Einweisung"

Die Berlinerin Maraike Biglmaier war die Weltranglistenerste im Beach Tennis, auch bei der am Mittwoch startenden Europameisterschaft tritt sie an. Im Interview erklärt sie ihre Sportart - und erzählt, woher sie Tennis-Star Angelique Kerber kennt.

rbb: Frau Biglmaier, wie muss sich jemand, der noch nie davon gehört hat, Beach Tennis vorstellen?

Maraike Biglmaier: Beach Tennis ist eine Mischung aus Beachvolleyball, Badminton und Tennis. Die Tennis-Regeln wurden weitgehend übernommen, alles wird aus der Luft, also Volley gespielt, was dem Tennis ähnlich ist. Auch Aufschlag und Schmetterball sind sehr ähnlich. Von der Atmosphäre her und vom Platz ist es wie beim Beachvolleyball nur mit einem niedrigeren Netz. Und Badminton deshalb, da es dort um Reaktion geht.

Was macht diesen Sport aus Ihrer Sicht so besonders?

Die Kombination aus den verschiedenen Elementen von Sportarten, zusammen mit der unfassbar tollen Strandatmosphäre, die man ja auch vom Beachvolleyball schon kennt und die einfach gute Laune macht. Der Sport an sich bietet einfach eine wahnsinnige Athletik und ist etwas für Jung und Alt. (...) Es ist technisch nicht so anspruchsvoll und schnell erlernbar, also auch für Quereinsteiger super geeignet.

Wie sind Sie persönlich zum Beachtennis gekommen? Wie ist Ihre Karriere verlaufen?

Das war eigentlich durch Zufall. Ich hatte mit 19 Jahren eine ziemlich heftige Verletzung, gerade als ich nach meinem Abi mit Tennis voll durchstarten wollte. Das hat mich glatte zwei Jahre gekostet. Daraufhin habe ich dann angefangen zu studieren und bin dann auch das erste Mal mit Beach Tennis in Berührung gekommen - in Österreich war das. Damals hatte ich ein Problem in der Leistenregion und im unteren Rücken, dadurch hatte ich auch Schwierigkeiten mit Sprüngen. (…) Der Untergrund - der tiefe Sand - federn das jedoch ganz anders ab und deshalb habe ich bis heute auch noch keine Probleme gehabt.

Wie verbreitet ist die Sportart und welchen Stand hat sie in Deutschland?

Global ist die Sportart seit zehn Jahren von der ITF vertreten. Beach Tennis ist dem untergliedert seit 2008. Mittlerweile sind es über 50 bis 60 Länder, die internationale Turniere austragen. Die Spieleranzahl geht extrem nach oben, zwischenzeitlich war es die schnellst wachsende Sportart weltweit. (…) In Deutschland tun wir wirklich einiges dafür, dass die Sportart größer wird und haben jetzt auch 30 bis 40 nationale Turniere.

Sie fahren morgen zur Europameisterschaft in Jurmala, Lettland. Treten Sie im Einzel oder Doppel an?

Im Beach Tennis verhält es sich genau anders herum als beim Tennis. Da ist das Doppel die Königsdisziplin, gefolgt vom Mix, aber Einzel ist eigentlich keine offizielle Disziplin, es wird eher angeboten als Zuschauerbonus. (…) Klassisch gesehen ist es eine Sportart für zwei gegen zwei. Bei der Europameisterschaft spiele ich mit meiner deutschen Partnerin für die deutsche Nationalmannschaft im Doppel. Dann habe ich noch einen deutschen Partner für den Mix-Modus. (…) Bei der normalen Weltmeisterschaft darf ich auch mit meiner eigentlichen brasilianischen Partnerin spielen.

Ist es Ihr Ziel Europameisterin zu werden?

Mein Wunsch ist es natürlich, Europameisterin zu werden, aber man muss da auch realistisch sein. Dadurch, dass die Top-Teams aus Italien, Frankreich und Russland immer zusammenspielen, sprich untereinander, und ich international gesehen immer mit einer Ausländerin zusammenspiele, ist es doch recht unrealistisch, dass ich da jetzt mit meiner deutschen Partnerin den Titel gewinne. Eine kleine Außenseiterchance besteht natürlich immer. (…) Wir hoffen auf ein gutes Abschneiden.

Ich habe gelesen, dass Sie mit Angelique Kerber befreundet sind. Wie ist Ihre Beziehung zu ihr?

Angelique Kerber spielt in Wimbledon.
Tennis-Profi Angelique Kerber | Bild: imago/Gepa

Befreundet klingt immer lustig. Man muss es so sagen: dass wir uns während unserer Kindheit und Jugend häufig gesehen haben. Wir haben uns mit sieben oder acht Jahren kennengelernt und uns dann quasi ein Jahrzehnt lang fast auf jedem Turnier getroffen und haben uns immer gut verstanden. Damals gab es noch kein Facebook und da ist der Kontakt auch mal abgebrochen, vor allem, als ich dann mal kein Tennis gespielt habe. Und dann haben wir uns aber wieder gesehen und sofort gut verstanden und sind auch jetzt ab und zu im Kontakt. Sie will auch unbedingt mal eine Beach-Tennis-Einweisung von mir bekommen, dazu ist es aufgrund unserer Zeitpläne leider noch nicht gekommen. Aber wir wollen es noch in diesem Jahr in Angriff nehmen.

Sie waren beide schon die Nummer eins Ihres Sports. Sind Sie so etwas wie die Angelique Kerber des deutschen Beach Tennis?

Im übertragenen Vergleich kann man das bestimmt so sehen. Ich sag mal so: In Deutschland gibt es noch recht wenige Beach-Tennis-Spieler, die das so fokussiert betreiben wie ich. Das hängt einfach auch damit zusammen, dass man noch nicht so viel Geld mit dem Sport verdienen kann und voll auf die Profitour gehen kann. Insofern ist der Eins-zu-eins-Vergleich natürlich schwierig. Aber ich sage mal so: Wir standen beide auf der Nummer eins der Welt und da hat man natürlich immer eine gewisse Vorbildfunktion auch für den Nachwuchs.

Wo kann man Beachtennis in Berlin spielen oder lernen?

Das "BeachMitte" ist unsere Sommer-Location, da spielen wir regelmäßig auch in offenen Trainingsgruppen. Da kann man einfach mal dazukommen und gucken, ob das vom Niveau her passt, auch als Anfänger. Es gibt viele, die sich relativ schnell rein- und mitspielen können. An der Humboldt-Uni und an der Freien Uni biete ich außerdem auch Hochschulkurse an.

Das Gespräch führte Marcus Binder.

Sendung: Radioeins, 11.07.2018, 6.40 Uhr

Beitrag von Marcus Binder

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Habe das Interview mit Freude gelesen. Schön das auch über kleine Sportarten von euch berichtet wird.

  2. 3.

    Mir hat das Interview sehr gut gefallen. Erstens wegen der Fakten zum Beach Tennis, zweitens wegen Frau Biglmaier, die für Ihren Sport brennt und das nicht nur in Berlin und drittens wegen der gut gestellten Fragen.

  3. 1.

    Was für ein aufschlussreiches und interessantes Interview! Danke für die gute Recherche, Herr Binder.

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