Ralf Koscharé, Rennsekretär Trabrennbahn Mariendorf (Quelle: Heiko Lingk)
Heiko Lingk
Video: rbb aktuell | 05.08.2018 | Dennis Wiese | Bild: Heiko Lingk

Interview | Ralf Koscharé, Rennsekretär Trabrennbahn Mariendorf - Mister Deutsches Traber Derby

Seit 30 Jahren arbeitet Ralf Koscharé auf der Trabrennbahn Mariendorf. Er hat Wettscheine verkauft, war Zeitnehmer und Kommentator. Heute stellt er die Rennen zusammen. Vor dem Deutschen Traber Derby bedeutet das: Keine Atempause.

rbb|24: Sie kennen jeden Winkel der Trabrennbahn Mariendorf. Wo ist es am schönsten?

Im sogenannten "Zielturm". Früher stand da wirklich mal ein Turm, heute ist es ein Raum im fünften Obergeschoss der Tribüne. Von dort überblickt man die gesamte Anlage: Pferde, Bäume, das ganze Treiben. Außerdem läuft da oben alles zusammen: Der Kommentator sitzt dort, viele Offizielle – das ist das Herzstück. Und sorgt immer wieder für Gänsehaut.

Sie haben auch lange dort oben gesessen und die Rennen für die Zuschauer kommentiert.

Das stimmt. Ende der 80er ging das los. Als Student habe ich erst Wettscheine verkauft. Und ich habe dann in einem Raum neben dem eigentlichen Sprecher geübt– noch ohne Mikrofon, aber wenig später haben sie mich dann mal rangelassen. Das war am Anfang etwas holprig, aber dann wurde es immer besser. Gut zehn Jahre lang habe ich das gemacht.

Sie haben sogar das BWL-Studium geschmissen, um auf der Trabrennbahn zu arbeiten. Bereuen Sie das?

Auf keinen Fall. Damals gab es in Mariendorf zwei feste Renntage: Mittwochs und sonntags. Nach der Wende waren wir auch für die Trabrennbahn Karlshorst zuständig. Da kamen auch noch einmal zwei Renntage pro Woche dazu. Und das ist ein Vollzeitjob. Für das Studium war dann keine Zeit mehr.

Mittlerweile sind Sie seit fast 20 Jahren Rennsekretär. Was machen Sie genau?

Ich stelle die Rennen zusammen. Allein in der Derby-Woche haben wir rund 90 davon. Es gibt Pferde, die haben überhaupt keine Erfahrung, andere haben schon das Derby gewonnen. Die kann ich natürlich nicht gegeneinander antreten lassen - Ich muss vieles abwägen: Wie viele Preisgelder haben die Pferde schon eingefahren? Kommen sie mit einem Amateurfahrer oder einem Berufsfahrer? Die Rennen sollen am Ende natürlich möglichst spannend sein.

Das heißt: Sie haben viel Ahnung und viel Verantwortung. Wetten Sie auf die Pferde?

Das darf ich gar nicht. Ich bin in einer Rolle, in der ich die Rennen mitentscheiden kann.

Hat man Ihnen schon unmoralische Angebote gemacht, um Rennansetzungen zu beeinflussen?

Nein, nicht in Richtung Manipulation. Manchmal sind es ganz normale Bitten: Wenn ein Pferd bei zwei Rennen starten könnte, spricht man sich mit dem Besitzer oder Fahrer natürlich ab, dann darf man auch schon einmal Wünsche bei mir äußern. Dafür kann ich beim nächsten Mal auch mal ein Pferd in einem Rennen platzieren, in dem es mir besonders gut passt.

Robin Bakker, der Traber Derby-Sieger der vergangenen drei Jahre (Quelle:imago/Marius Schwarz)Zuletzt drei Mal nacheinander Sieger in Mariendorf: Der Niederländer Robin Bakker

Am Sonntag steigt zum 123. Mal das "Deutsche Traber Derby". Dotiert mit mehr als 215.000 Euro. Was macht den Mythos aus?

Seit 1913 gibt es dieses Rennen in Mariendorf, das ist so sehr mit der Stadt verankert. Meine Großeltern sind schon mit Hut und Zigarre hingegangen. Wenn man so will, ist das Derby die leuchtende Ikone des Pferdesports. Jeder, der es einmal erlebt hat, wird auch wiederkommen. Leider sind das nicht mehr so viele Leute wie früher.

Wieviel Arbeit bedeutet eine Derbywoche für Sie?

In den Wochen vor der Woche bin ich teils rund um die Uhr im Einsatz. Manr arbeitet mit Tieren und Menschen - da muss man sehr geduldig sein und kann nicht um 17 Uhr das Büro abschließen. Für einige Rennen waren die Nennungen, also die Anmeldungen der Pferde schon vor gut anderthalb Jahren.  

An welches Derby erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

An mein allererstes 1988. Damals hat der Berliner Fahrer Gottlieb Jaus mit einem Berliner Pferd von einem Berliner Eigentümer gewonnen. Sie glauben nicht, was das für eine Stimmung war: Ein Geschrei, ein Anfeuern. Da hat man gemerkt, wie sich die Berliner für den Pferdesport begeistern können.

Einen solchen reinen Berliner Sieg gab es seitdem leider nicht mehr. In diesem Jahr ist auch kein Berliner beim Traber Derby dabei.  

Sendung: rbb aktuell, 05.08.2018, 21.45 Uhr

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