Ein Werbeplakat für das DFB-Pokalspiel BFC Dynamo gegen den 1. FC Köln steht am S-Bahnhof Frankfurter Allee in Berlin (Quelle: rbb/Vanessa Witzki)
Video: rbb UM6 | 16.08.2018 | Max Zobel | Bild: rbb/Vanessa Witzki

Im DFB-Pokal gegen den 1. FC Köln - BFC Dynamo feiert Premiere im Berliner Olympiastadion

Eigentlich kommt das Spiel zur Unzeit: In der Regionalliga hat der BFC Dynamo zuletzt dreimal in Folge verloren - und nun kommt der 1. FC Köln. Doch die Pokalpartie findet nicht im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, sondern zum ersten Mal im Olympiastadion statt. Von Lars Becker

Andreas Geisel spricht von einem "lokalen sporthistorischen Ereignis" - und damit hat der SPD-Politiker, Innen- und Sportsenator von Berlin, nicht zu hoch gegriffen: Am Sonntag spielt der Berliner Pokalsieger BFC Dynamo zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte im Berliner Olympiastadion. In der ersten Runde des DFB-Pokals empfängt der frühere DDR-Rekordmeister Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln.

"Zusätzliche Motiviation für Spieler, Verein und Fans"

"Lassen wir mal Ost und West an der Stelle weg", sagt BFC-Pressesprecher Martin Richter, "es geht ja hier um den Fußball, und als Amateurfußballer hat man eigentlich nie die Chance, tatsächlich im Olympiastadion zu spielen. Außer man schafft die Sensation und kommt ins Pokalfinale. Daher ist das vermutlich ein einmaliges Erlebnis - und daher zusätzliche Motivation für Spieler, Verein und auch Fans".

Der BFC im Olympiastadion - für Vereinspräsident Norbert Uhlig klingt das "wie ein Traum". Und Torhüter Bernhard Hendl bezeichnet es als "besonders Gefühl", dort auflaufen zu dürfen. "Das ist das Finalstadion. Und wenn man berücksichtigt, was für einen historischen Wert dieses Stadion hat, ist es doppelt so schön, im Olympiastadion spielen zu können".

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark stand nicht zur Verfügung

Der BFC ist am Sonntag zum Umzug gezwungen. Die traditionelle Heimspielstätte des Vereins, der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, ist wegen der Europameisterschaft der Para-Leichtathleten belegt. Ein Ausweichen in die Alte Försterei kommt nicht in Frage. Der frühere Stasiklub beim Ost-Erzrivalen Union in Köpenick - das wäre völlig unmöglich, ein schlechter Witz. Andere Alternativen - Herthas Amateurstadion, das Post- oder das Mommsenstadion - sind entweder zu klein, ziehen Sicherheitsbedenken mit sich oder werfen andere Probleme auf. Und: Der BFC wollte unbedingt ins Olympiastadion.

Intensive Verhandlungen hinter den Kulissen

"Es gibt natürlich eine Vielzahl an Stadien in Berlin", betont Pressesprecher Richter, "aber dass es am Ende das Olympiastadion geworden ist, das ist natürlich für alle Beteiligten sensationell". Nach intensiven Verhandlungen hinter den Kulissen hat das Land Berlin schließlich zugestimmt. "Wir haben alle möglichen Gespräche geführt", beschreibt Pressesprecher Richter den Findungsprozess, "mit der Senatsverwaltung, mit der Olympiastadion GmbH, mit dem Berliner Fußball Verband, mit dem DFB. Es war wirklich ein sehr enges Zusammenarbeiten, sehr zielorientiert und mit dem Ergebnis: wir spielen im Olympiastadion!"

BFC nimmt teure Stadionmiete in Kauf

Das Prestige, im Olympiastadion spielen zu können, ist für den BFC größer als der Anreiz, mit dem DFB-Pokal-Kracher große Kasse zu machen. Außerdem muss der Klub die nicht unerhebliche Stadionmiete übernehmen. Der Oberring bleibt geschlossen - und auch die Ostkurve bleibt - aus Respekt vor den Hertha-Ultras - leer. Der BFC nutzt die Haupttribüne mit dem VIP-Bereich und die Gegengerade für seine Anhänger, die Kölner-Fans stehen im angestammten Gästeblock. Und: der BFC hofft auf einen Vereinsrekord: Mehr als 14.117 Zuschauer. So viele kamen im vergangenen Jahr zur Erstrunden-Partie im DFB-Pokal gegen Schalke in den Jahnsportpark.

Selbst für den langjährigen Bundesliga-Profi und jetzigen BFC-Trainer Rene Rydlewicz ist der Auftritt mit dem Regionalliga-Team im Olympiastadion tatsächlich etwas Besonderes: "Es werden viele Fans von uns kommen, ein paar werden aus Köln kommen und von Hertha haben sich einige Fans angekündigt, die uns unterstützen wollen. Es wird eine schöne Fußball-Atmosphäre werden - und darauf freue ich mich am meisten".

Gegen Schalke hatte der Berliner Landespokalsieger die Partie lange offen gehalten und am Ende relativ knapp mit 0:2 verloren. In diesem Jahr wird's gegen Bundesliga-Absteiger Köln kaum einfacher. "Für mich ist Köln ein Bundesligist", unterstreicht Torwart Bernhard Hendl, "die haben einen sehr guten Kader und spielen sehr guten Fußball. Ich glaube nicht, dass unsere Chancen größer sind".

Keine großen Chancen - aber ein "Bonusspiel"

Der Pokalkracher gegen Köln kommt für den BFC zu einem sportlich ungünstigen Zeitpunkt. Die Mannschaft hat in der Regionalliga einen krassen Fehlstart hingelegt. Dem Sieg zum Saisonauftakt folgten drei Pleiten in Serie. Tordifferenz 0:10! "Wir werden versuchen, uns den Brustlöser gegen Köln zu verschaffen", sagt Trainer Rydlewicz, "aber wir können das alles realistisch einschätzen. Uns fehlen derzeit fünf langzeitverletzte Stammkräfte". Zuletzt hat es den Kapitän Bilal Cubukcu erwischt - Schienbeinbruch im Training.

Für Rydlewicz ist das Duell gegen Köln ein "Bonusspiel", die Belohnung für den Landespokalsieg im Mai. Und vielleicht bringt ja der DFB-Pokal die Wende. Bei der Premiere des BFC Dynamo im Berliner Olympiastadion!

Sendung: rbb Aktuell, 16.08.2018, 21.45 Uhr

Beitrag von Lars Becker

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Wuschel,sei mir nicht böse aber hier hat nur einer keine Ahnung.jeder bfc'er freut sich,einmal im Olymp seinen bfc spielen zu sehen.Und das in einem würdigen rahmen.Auch wenn die Umstände(viele verletzte) leider nichts gutes ahnen lassen vom Resultat her.danke an alle die diese Einmaligkeit ermöglichten.

  2. 1.

    Ein Fan des BFC wird sich kaum freuen im Olympiastadion gehen zu müssen.
    Aber das zeugt wieder davon -die ARD und ihre Landesrundfunkanstalten haben Null Ahnung.

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