Blau-Weiß-Präsident Michael Meister stahlt neben dem Vereinsemblem in die Kamera
Stephanie Baczyk
Audio: Inforadio | 02.08.18 | Stephanie Baczyk | Bild: Stephanie Baczyk

Berliner Traditionsklub kickt jetzt in der Oberliga - Blau-Weiß ist endlich wieder heiß

Er war in der achtziger Jahren das Aushängeschild des Berliner Fußballs - und Anfang der Neunziger pleite: Der Mariendorfer Fußballklub Blau-Weiß 90 hat hart gekämpft, um wieder wer zu sein. Geblieben sind das alte Flair und ein Ohrwurm. Von Stephanie Baczyk

Der Mann mit dem leicht gebräunten Teint und den kurzen blonden Locken bewegt beim Singen eigentlich nur den Kopf. Das Lächeln ist zementiert, professionell - ab und an gehen die Arme und Hände mal hoch, so im Takt der Musik. Der Song, den der Schlagersänger Bernhard Brink zum Besten gibt, ist schon damals in den Achtzigern ein Ohrwurm: Eine Hommage an den Berliner Fußball-Klub Blau-Weiß 90.

"Wir sind heiß auf Blau-Weiß", singt Brink, hinter sich die komplette Fußballmannschaft aus Mariendorf als Backgroundsänger. Peter Stark, damals der Kapitän, legt seinen ganzen Körper in das Lied. Er kneift die Augen zusammen, wirft den Kopf in den Nacken. Es ist verrückt, aber wer heute, nach mehr als 30 Jahren, das Video des singenden Berliner Kaders sieht, der glaubt wirklich, dass sie alle ganz schön heiß waren auf Blau-Weiß.

"Bernhard Brink gehört zur Geschichte von Blau-Weiß"

"Gar keine Frage, der gehört genauso wie die alten Spieler zu der damaligen Geschichte", sagt Michael Meister über Bernhard Brink und in seiner Stimme schwingt Stolz mit. Blau-Weiß 90, das war in den Achtziger Jahren mal der Berliner Vorzeigeklub. Bis in die Bundesliga hat es die Truppe um Peter Stark und Egon Flad geschafft. Ein Verein im Rausch, der kurz darauf in der harten Realität strandet.

"Weil der damalige Investor Kropatschek Zusagen gemacht hat, die er nicht eingehalten hat und der Verein dann seine Verbindlichkeiten nicht erledigen konnte", erinnert sich Meister. 1992 ist Blau-Weiß insolvent, verliert den Namen, muss ganz unten neu anfangen. Meister hat selbst für die Mariendorfer gespielt, damals in der Oberliga - eigentlich kommt er Jahre später nur zurück, um die Ü40 auf Vordermann zu bringen. Heute ist dieser Bär von einem Mann der Präsident des Klubs.

Erst der Name, dann der sportliche Wiederaufstieg

Blau-Weiß ist sein Projekt, er will es zusammen mit vielen anderen behutsam aufbauen. "Wir haben einen Fünfjahresplan entwickelt", erzählt Meister. "Unser Ziel ist es, in diesen fünf Jahren in die Regionalliga zu kommen. Um dann zu gucken: Macht es Sinn, einen weiteren, professionellen Weg zu gehen - oder bleiben wir auf einem gewissen Level? Wir haben noch etwas Zeit." Den Namen, das Aushängeschild, hat sich Blau-Weiß 90 zurückgeholt.

Sportlich ist der Klub gerade in die Oberliga aufgestiegen. Mit Marco Gebhardt, dem ehemaligen Profi von Energie Cottbus und Union Berlin, an der Seitenlinie. Und wenn es an diesem Wochenende losgeht mit der neuen Saison, wenn auf dem Sportplatz in der Rathausstraße in Berlin Mariendorf Bernhard Brinks "Wir sind heiß auf Blau-Weiß" aus den Boxen dröhnt, dann ist da wieder dieses Flair von damals. Denn der erste Gegner heißt Tennis Borussia Berlin.

Die jungen Wilden sollen es richten

"Blau-Weiß gegen Tennis Borussia ist und bleibt seit den Achtziger Jahren immer noch das beliebteste Duell in ganz Berlin", schwärmt Michael Meister. Manch einer dürfte das anders sehen, aber aus Meister spricht die Begeisterung. Darüber, dass er, Marco Gebhardt und die anderen Blau-Weiß 90 Schritt für Schritt aus der Bedeutungslosigkeit geholt haben.

"Ich möchte auch keine Spieler, denen es egal ist, ob sie für Piecke sieben oder sonstwen spielen", erklärt Meister das Konzept. "Ich möchte Spieler haben, die sich mit dem Verein identifizieren. Nur so funktioniert das im Amateurbereich." Acht haben den Verein vor der Saison verlassen, acht Neue sind gekommen. Jüngere Kicker. "Zwischen 18 und 23", sagt Meister. Passt einer nicht in den finanziellen Rahmen, passt er nicht zu Blau-Weiß.

Blau-Weiß-Kapitän Peter Stark und Torwart Reinhard Mager müssen nach dem Spiel erst mal runterkommen, warten auf Interviews (Quelle: Kicker/Eissner)
Blau-Weiß-Kapitän Peter Stark und Torwart Reinhard Mager müssen nach dem Spiel erst mal runterkommen, warten auf Interviews (Quelle: Kicker/Eissner). | Bild: Kicker/Eissner

Ein Investor? Frühestens ab der Regionalliga.

Ob es denn denkbar wäre, irgendwann wieder mit einem Investor zusammen zu arbeiten? Michael Meister überlegt. "Bis zur Oberliga kann man kein Geld verdienen, da kostet alles nur Geld", sagt er. "Ab der Regionalliga und der 3. Liga kann man mit Fußball Geld verdienen, dann wird es für Investoren total interessant. Jetzt ist das mehr eine, ja, Liebhaberei. Aber langfristig ist das schon möglich, man muss es nur mit Bedacht machen."

Blau-Weiß 90 ist wieder da - oder immer noch. Dem zwischenzeitlichen Konkurs zum Trotz. Und gerade, weil das so ist, hat der Verein seine Stars der achtziger Jahre zum Traditionsduell gegen TeBe eingeladen. Stanislav Levy kommt extra aus Prag, Peter Stark ist dabei, Ex-Stürmer Bodo Mattern reist aus Osnabrück an. Präsident Meister zuckt mit den Schultern. "Wir waren schon immer so ein kleiner Familien-Verein."

Sendung: rbb Inforadio, 02.08.2018, 10.15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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2 Kommentare

  1. 2.

    Alle TeBe-Fans am Sonntag hin in die Rathausstraße.
    Tennis Borussia gehört endlich wieder in höhere Ligen und braucht lautstarke Unterstützung für den Aufstieg - in jedem Spiel.

  2. 1.

    Kann mich noch als gelernter " Ossi " an ein Derby dieses Vereins mit Hertha erinnern. Da konnte man jeden Blau-Weiß Fan
    mit Handschlag begrüssen. Jetzt wird man die wohl mit der Lupe suchen müssen. Berlin ist Hertha und Union Punkt.

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