ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt bei einer Pressekonferenz (Quelle: imago/Sven Simon)
imago/Sven Simon
Audio: Inforadio | 07.08.2018 | Interview mit Hajo Seppelt | Bild: imago/Sven Simon

Interview | ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt - "Es gibt nach wie vor eine Kultur der Manipulation in Russland"

Russische Leichtathleten sind wegen des systematischen Dopings für internationale Wettkämpfe gesperrt. Dennoch nehmen 29 Sportler an der Leichtathletik-EM in Berlin teil. Sie starten nicht für Russland, sondern als Authorised Neutral Athletes (ANA). Warum, erklärt ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt.

rbb|24: Herr Seppelt, warum dürfen diese russischen Athleten starten?

Hajo Seppelt: Sie dürfen starten, weil es eine Sondergenehmigung des Internationalen Leichtathletikverbandes gibt. Bestimmte Kriterien müssen erfüllt werden, dann dürfen vereinzelt Athleten an großen Wettkämpfen teilnehmen. Im letzten Jahr bei der WM in London waren es 19 neutrale Athleten aus Russland, in diesem Fall sind es in Berlin 29.

Erfüllen diese Athleten die Regeln der Internationalen Anti-Doping-Agentur?

Ich gehe davon aus, dass sie es in der Regel tun. Es gibt ganz viele Anträge der Russen, das muss jeder Athlet individuell für sich machen, denn der Verband selber ist ja suspendiert. Dann wird ein Kriterienkatalog durchgegangen und überprüft. In den meisten Fällen gehe ich davon aus, dass es auch gut funktioniert. Es gibt aber auch andere Fälle.

Ist der russische Sport jetzt sauberer geworden?

Ich glaube, dass der russische Leichtathletikverband, der Kriterien erfüllen muss und im Dialog mit dem Weltverband ist, das ein oder andere schon deutlich besser macht, als noch vor ein paar Jahren. Aber wir sprechen ja nicht nur von den organisatorischen Belangen, wir reden auch von der Kultur und der Mentalität, die dahintersteckt. Da muss man vorsichtig sein - ich würde jetzt nicht alles über einen Kamm scheren.

Aber es gibt immer wieder Hinweise darauf, dass es nicht funktioniert. Wir haben im Jahr 2016 einen Geher-Trainer beobachten können, wie er weiter trainiert hat. In diesem Jahr waren schon einige russische Geher wieder zugelassen und deren Zulassung ist annulliert worden, weil dieser Trainer erneut aus einem Versteck - kaum sichtbar - die Athleten betreut hat. Es gibt nach wie vor offensichtlich eine Kultur der Manipulation in Russland, aber da muss man auch fairerweise sagen: Russland ist auf der Welt nicht alleine.

Wie gehen denn die anderen Athleten damit um, die offenbar sauber sind? Akzeptieren sie die russischen Sportler?

Ich glaube, es gibt gar keine andere Chance. Es gibt einen Kriterienkatalog, der muss erfüllt werden. Wenn er erfüllt ist, muss man erstmal davon ausgehen, dass die Athleten zumindest jetzt sauber sind. Natürlich kann man nie sagen, was in der Vergangenheit passiert ist.

Vielen Dank für das Interview!

Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Version, das vollständige Gespräch können Sie oben im Beitrag als Audio hören.

Das Interview führte Sabine Dahl.

Sendung: Inforadio, 07.08.2018, 12.45 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

3 Kommentare

  1. 3.

    ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt glaubt wohl immer noch, daß nur in Russland gedopt wird?
    Warum recherchiert er nicht mal in amerikanischen oder deutschen Sport, ob da alles mit rechten Dingen zugeht?
    Da habe ich noch nichts von Ihm gehört, daß er sich über dies berichtet hat!

  2. 2.

    alle anderen dopen auch, egal wo , ob Tour de France , Olympia oder bei anderen Wettkämpfen , mir ist das Anschauen im TV deshalb gründlich verleidet , die einst ursprüngliche Idee des Sports ist zu einem Politikum verkommen, Ende nicht in Sicht.

  3. 1.

    Sommerloch, mal wieder Manipulationen in Russland (die vorstellbar im dortigen Sport stattgefunden haben).
    Der weitsichtige Herr S., Manipulationen in Deutschland aufzudecken wäre auch mal eine journalistische Herausforderung! Aber Feindbilder müssen gepflegt werden..

Das könnte Sie auch interessieren