Luis Brethauer (Quelle:Imago/Agencia EFE)
Video: rbb um6 | 09.08.2018 | 18 Uhr | Uri Zahavi | Bild: Imago/Agencia EFE

BMX-Racer Luis Brethauer startet in Glasgow - Vorhang auf für den Adrenalinjunkie

Er rast. Er springt. Er tritt mit voller Wucht in die Pedale. Und das alles auf einem Fahrrad, das deutlich kleiner ist als ein gewöhnliches. BMX-Racer Luis Brethauer liebt den Adrenalin-Kick. Seine Leidenschaft ist gefährlich - trotzdem will er hoch hinaus.

Wenn Luis Brethauer über seine Leidenschaft spricht, funkeln seine Augen. Der 25-Jährige wirkt nach außen ganz ruhig, fast ein wenig zurückhaltend. Doch sobald der Blondschopf  seinen Helm aufzieht, fokussiert seine Renn-Handschuhe überstreift, ist es vorbei mit der Zurückhaltung. Luis Brethauer ist BMX-Racer - aus Überzeugung. "Ich bin im Jahr 2000 zum BMX gekommen", sagt der Sportsoldat. "Da war ich im Familienurlaub in Schweden in einem kleinen Freizeitpark. Der hatte eine BMX-Bahn und ich fand das sofort megacool. Ich wollte gar nicht mehr gehen."

Brethauer ist gebürtiger Aschaffenburger, wohnt jedoch seit Jahren in Berlin. Seine sportliche Heimat hat er in Cottbus gefunden - startet für das BMX Team Cottbus und trainiert am Bundes-Stützpunkt. Schon früh in seiner Karriere konnte er sich seinen großen Lebenstraum erfüllen: Bei den Olympischen Spielen in London 2012 und in Rio 2016 vertrat er die deutschen Farben. Unvergessliche Momente in einer Sportart, die erst seit zehn Jahren im olympischen Programm auftaucht.

Ein Mix aus Extrem- und Leistungssport

BMX-Racing versprüht eine ganz besondeere Faszination, zieht nicht nur Sportler sondern auch Zuschauer schnell in seinen Bann. "BMX-Racing ist besonders, weil es eine Mischung aus Extrem- und Leistungssport ist. Wir sind mit bis zu 70 Stundenkilometern unterwegs und machen riesengroße Sprünge", fasst Brethauer das Spektakel zusammen. "Das ist natürlich Adrenalin pur. Auf der anderen Seite geht es auf der Hochleistungssport-Ebene um Details und vor allem das richtige Training." Acht Fahrer gehen gemeinsam auf die Strecke, nicht alle kommen am Ziel an.

BMX-Wettkampfräder unterscheiden sich deutlich von Rennrädern oder Mountainbikes. Die zwanzig Zoll Reifen sind klein, im Vergleich dazu der Lenker verhältnismäßig hoch - "für eine normale Fahrposition", wie Brethauer erklärt. Das Besondere am "Drahtesel, der sowohl vom Aussehen als auch von den hochwertig verbauten Materialien nur noch wenig mit diesem verniedlichenden Begriff zu tun hat, ist der niedrige Sattel. "Um die Strecke zu bewältigen und die hohen Geschwindigkeiten zu erreichen, brauchen wir höchstmögliche Bewegungsfreiheit. Das ermöglicht der tiefe Sattel."

Das große Ziel: Tokyo 2020

Beobachtet man Luis Brethauer auf seiner Heimstrecke in Cottbus, wie er durch die Lüfte segelt, sich in die Kurven reinlegt, scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste, bekommt man sofort den Eindruck, dass dieser Mann noch Großes vorhat. Dass sein Sport Gefahren birgt, auch er von schweren Stürzen und Verletzungen nicht gefeit geblieben ist, gehört für den Adrenalinjunkie einfach dazu. "Wenn man erfolgreich sein will, dann muss gewisse Risiken eingehen. Der gebührende Respekt ist wichtig, aber Angst darf man nicht haben."

Zwei Mal durfte Brethauer die olympischen Ringe aus nächsten Nähe begutachten. An Wochenende geht er bei den European Championships in Glasgow an den Start. In Schottland soll es möglichst ins Finale gehen, aber sein langfristiges Ziel ist ein anderes. "Ich möchte das dritte Mal zu Olympia - und das dann möglichst erfolgreich." In Rio erreichte er das Halbfinale - stieß in die absolute Weltspitze vor. Jan Svup, sein Stützpunkt-Trainer in Cottbus, weiß, was er sich für seinen Schützling wünscht. "Eine schöne Schlagzeile nach den Spielen in Tokyo wäre doch: Der dreimalige Olympia-Teilnehmer Luis Brethauer eröffnet seinen eigenen schönen Coffee Shop in Berlin". Der Coach lacht. Brethauers zweite Leidenschaft neben dem Sport ist Kaffee. Ob er viel Zeit haben wird, den Besten in Schottland zu suchen, bleibt zu bezweifeln. Er bevorzugt sicherlich einen Platz im Finale.

 

Sendung: rbbUM6, 18 Uhr, 09.08.2018

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