Lilly Steophasius in Aktion. (Quelle: imago/Ulli Winkler)
Video: rbb24 | 18.09.2018 | Bild: imago/Ulli Winkler

Lilly Stoephasius bei den deutschen Meisterschaften - Elfjährige Berlinerin ist Deutschlands beste Skateboarderin

Lilly Stoephasius ist das, was man ein Ausnahmetalent nennt. Die erst elfjährige Berlinerin ist deutsche Meisterin in der Skateboard-Disziplin "Park" - und zwar aller Altersklassen. Von Uri Zahavi

Es ist ein Faszinosum: Einige wenige Ausnahmesportler haben die Fähigkeit, ihren Sport in kritischen Momenten ganz einfach aussehen zu lassen. Schwerste und anspruchvollste Aufgaben oder Übungen sehen für die Zuschauer auf einmal machbar aus. Fußballer Lionel Messi ist so ein Sportler: Wenn er den Ball über den grünen Rasen streichelt, in höchstem Tempo seine Gegenspieler aussteigen lässt und die Kugel dann noch lässig im Tor versenkt - dann sieht Fußball auf einmal ganz leicht aus.

Auch Lilly Stoephasius besitzt diese Fähigkeit. Die Elfjährige ist Skateboarderin. ihre Disziplin heißt "Park". Wenn die Berlinerin ihren pinken Helm aufsetzt, sich ihr Board schnappt und in der Anlage loslegt, die einem geleerten Swimmingpool gleicht, dann wirkt es fast so, als würden ihre Beine und ihr Board verschmelzen. Kein Hindernis, keine Bodenunebenheit kann sie überraschen. Wenn sie mit der Hand an ihr Board greift und abhebt, dann erweckt sie kurz den Eindruck, als könne sie schweben. Es ist elegant und kontrolliert zugleich.

"Seitdem ich fünf bin, skate ich ernsthaft"

Dass Beobachter schnell ins Schwärmen geraten, wenn sie Lilly in Aktion sehen, hat natürlich auch mit ihren erst elf Jahren zu tun. Seitdem sie fünf ist, skatet sie "ernsthaft", erzählt sie. "Mein Vater skatet selbst, der hat mir das beigebracht."  

Das zierliche Mädchen wirkt bereits wie ein Vollprofi. "Ich würde natürlich gerne Erste werden", sagt sie selbstbewusst vor ihrem ersten Lauf bei den deutschen Meisterschaften in Düsseldorf. Der Wettbewerb hat keine Altersklassen - deshalb tritt Lilly gegen deutlich ältere Konkurrenten an. "Ich bin ganz schön aufgeregt", schiebt sie leicht verlegen hinterher und lächelt.

Die Aufregung, so macht es den Eindruck, verschwindet sofort, als es endlich losgeht. Doch ihr Lächeln, das bleibt. Die Berlinerin legt einen herausragenden Lauf hin: "Frontside Grind" oder "Backside Air" heißen die Tricks, die sie mühelos auspackt. Was allen Nicht-Englisch-Muttersprachlern schon bei der Aussprache Probleme bereiten dürfte, ist für Lilly ihr Täglichbrot. Und ihr Trainingseifer ist in jeder ihrer Aktionen zu erkennen. Jeder Griff, jeder Schritt sitzt.

"Olympia in Tokyo ist irgendwie eine komische Vorstellung"

Lillys Körperkontrolle und gekonnte Trick-Ausführung beeindrucken auch die Jury - sie wird tatsächlich deutsche Meisterin. "Ich bin sehr, sehr glücklich", erzählt die bis über beide Ohren strahlende Siegerin. "Ich hab mich schon auf dem Podium gesehen, aber nicht als Erste."

Es ist diese Mischung aus gesundem Selbstbewusstsein und Unbekümmertheit, die Lillys Erfolgsrezept auszumachen scheint - gepaart mit hartem Training und eben diesem gewissen etwas: dem Außergewöhnlichen.

Im Sommer 2020 stehen Olympische Spiele an. Skateboarden ist erstmals vertreten. Ein Thema für Lilly? "Da bin ich erst dreizehn", sagt sie schmunzelnd. "Das ist irgendwie eine komische Vorstellung. Aber wenn es soweit sein sollte, dann wird das für mich ziemlich cool werden." Beim Skateboarden gibt es keine Altersbeschränkung - eine Teilnahme ist also durchaus möglich. Ab nächstem Jahr ist Lilly Teil des Olympia-Kaders und wird an der Quali für die Spiele teilnehmen.

Wenn sie so erzählt, dann strahlen ihre Augen. Auf der Rückseite ihres Boards steht "Moonshine", doch wenn man der Nachwuchs-Hoffnung zuschaut, dann passt "Sunshine" viel besser.

Sendung: Abendschau, 17.09.2018, 19:30 Uhr   

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