Pläne für neues Hertha-Stadion (Quelle: Hertha BSC)
Audio: Sebastian Schöbel, 28.09.2018, Inforadio | Bild: Hertha BSC

Neubau im Olympiapark - SPD und Linke wollen anderen Standort für neues Hertha-Stadion

Hertha will raus aus dem Berliner Olympiastadion und ein eigenes Stadion im Olympiapark bauen. In der Berliner Politik wird das nun erneut diskutiert. SPD und Linke halten gar nichts von den Plänen des Fußball-Bundesligisten. Von Sebastian Schöbel

Für Hertha BSC gilt: Von den Bayern lernen, heißt siegen lernen, nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich. Denn der FC Bayern, den Hertha am Freitag zum Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga empfängt, hat geschafft, was die Berliner noch planen: Aus einem zu großen Olympiastadion aus- und in eine reine Fußballarena einziehen. Wie das in München geklappt hat, haben sich vor einer Woche mehrere Sportpolitiker aus dem Abgeordnetenhaus vor Ort angeschaut.

Dennis Buchner, sportpolitischer Sprecher der SPD, war mit dabei. Er sagt, er habe dabei gelernt, "dass die Situation in Berlin und München nicht wirklich vergleichbar ist". Womit Buchner gar nicht mal die Leistung auf dem Fußballplatz meint, sondern die Geografie: Die Allianz Arena der Bayern im Münchner Stadteil Freimann liegt ein gutes Stück entfernt vom alten Olympiapark im Stadtteil Milbertshofen. "Der Olympiapark hat dadurch seine Nachnutzungsmöglichkeiten behalten", sagt Buchner.

Das neue Stadion, das die Hertha sich wünscht, würde hingegen in direkter Nachbarschaft zum Olympiastadion, zur Waldbühne und zum Maifeld entstehen - als potentieller Konkurrent um Großveranstaltungen. Wie das funktionieren soll, sei völlig offen, sagt Buchner. Der Lärmschutz darf nämlich bisher nur für achtzehn Großveranstaltungen im Jahr ausgehebelt werden - sehr wenig bei insgesamt dann vier Veranstaltungsstätten, die um Konzerte, Sportereignisse oder Festivals konkurrieren.  

Was ist ein Platz im Olympiapark wert?

Philipp Bertram, Sportpolitiker bei den Linken, gibt außerdem zu Bedenken: Für das mehr als 50.000 Quadtratmeter große Grundstück, auf dem das neue Hertha-Stadion entstehen soll, müsse noch ein Pachtvertrag inklusive Pachtzins ausverhandelt werden. "Ich glaube aber, dass sich die Summen, die sich das Land und Hertha vorstellen, deutlich unterscheiden", sagt Bertram. Eine Schätzung des Grundstückswertes ist derzeit in Arbeit.

Ebenfalls unklar ist, was aus den Mietern der mehr als 20 Wohnungen wird, die im Zuge des Stadionbaus abgerissen werden müssten. Eine Anwohnerinitiative spricht bereits von mehreren hundert Betroffenen. Hertha-freundliche Presseberichte hatten zuletzt den Eindruck erweckt, dass der Verein hier eine Lösung in Sicht habe. Doch Dennis Buchner widerspricht: Hertha habe bisher "mit keinem der Anwohner" direkt gesprochen", sagt er, "und die sind offensichtlich in Sorge, dass sie bald ihre Wohnungen verloren haben."

Dazu kommen Unklarheiten bei den Kosten, die dem Land Berlin entstehen könnten. Buchner und Bertram halten das Versprechen von Hertha BSC, der rund 200 Millionen Euro teure Stadionneubau würde den Steuerzahler nichts kosten, für unehrlich: Die Ertüchtigung der Infrastruktur wäre selbstverständlich Aufgabe des Landes. Zudem müssten Sportflächen im Olympiapark entwmidmet und an anderer Stelle neu geschaffen werden, gibt Buchner zu bedenken.

Anderer Standort für Neubau

"Daraus ergibt sich für mich der Schluss, zu gucken, wo in Berlin noch eine geeignete Fläche sein kann, wo Hertha innerhalb des gewünschten Zeitraums - bis 2025 - seine Stadionpläne verwirklichen könnte", sagt Buchner. Ein konkretes Grundstück habe er dabei allerdings noch nicht im Auge.

Der sportpolitische Sprecher der AfD, Frank Scheermesser, war ebenfalls in München dabei. Er habe mit Vertretern der Vereinsführung vom FC Bayern von Herthas Stadionplänen erzählt, sagt er. Die hätten ihn daran erinnert, dass selbst die finanzstarken Bayern beim Bau der Allianz Arena gezwungen waren, millionenschwere Immobilienfonds auszugeben, als Garantie. Über die Pläne der Hertha, so Scheermesser, hätten die FCB-Manager nur gesagt: "Die werden nicht in der Lage sein, die Garantien, die der Senat fordert, abzusichern."

AfD: Auch der FC Bayern skeptisch bei Herthas Plänen

Deswegen solle das Land Berlin eine Lösung anstreben, bei der die Hertha im Olympiastadion bleibt - eventuell auch indem man den Verein an der Vermarktungsgesellschaft des Stadions beteiligt, sagt Scheermesser. "Wenn man Hertha sagt, meint man Olympiastadion, das ist einfach so", so Scheermesser.

Offen für Herthas Pläne zeigt sich bisher nur die CDU. Deren sportpolitischer Sprecher Stefan Standfuß sagt: Natürlich müsse der Verein strittige Punkte klären, unter anderem, was die Entschädigung der betroffenen Anwohner angeht oder die vom Senat geforderte Fertigstellungsgarantie - um zu verhindern, dass ein Abstieg des Vereins dem Land Berlin eine Bauruine in den Olympiapark setzt.

Aber die Realität sei nun mal eindeutig, sagt Standfuß. "Hertha sagt, sie wollen im Olympiastadion nicht mehr weiterspielen. Also sind wir von der Politik aufgefordert, diesen Prozess zu begleiten."

Um planen zu können, wünscht sich die Vereinsführung von Hertha BSC noch in diesem Jahr Klarheit von der Politik: Bekommt der Verein das Grundstück oder nicht? Doch Dennis Buchner von der SPD tritt auf die Bremse: Das Parlament habe noch etliche offene Fragen, die müssten alle erst beantwortet werden. "Das wird leider nicht bis Ende des Jahres möglich sein", fügt Linken-Politiker Bertram hinzu.

Kommentar

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Antwort auf [Dr. Kawasaki] vom 28.09.2018 um 13:48
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14 Kommentare

  1. 14.

    Der Standort ist aus verschiedenen Gründen ungeeignet. Clever wäre es von Hertha, den Flughafen Tegel ins Gespräch zu bringen. Damit hätte die Politik ein bürgerfreundliches Nachnutzungskonzept.

  2. 13.

    Ich zahle auch Steuern "und das Geld ist dann weg". Aber wir können gern mal das Modell zum Umgang mit den öffentlichen Finanzen ausprobieren, das Ihnen offenbar vorschwebt: Wenn ich an der Supermarktkasse mal wieder 4,23 Euro Mehrwertsteuer gezahlt habe, möchte ich erstens festlegen, wofür dieses Geld ausgegeben wird, und zweitens, daß es vor allem mir, meinen Freunden und meinen Vorlieben zugutekommt, damit es nicht "weg ist".

    Und im übrigen möchte ich, als Kulturfuzzi, gern ein paar hundert Millionen oder auch Milliarden mehr aus der Landeskasse für Kultur haben. Nachdem soviel Geld für den BER verplempert worden ist, wäre das nur gerecht.

  3. 12.

    Das riecht sehr stark nach dem nächsten Steuermilliardengrab.

    Wenn Hertha sich ein eigenes Stadion bauen möchte - bitte sehr, dann vollständig auf eigene Kosten, auch für die Infrastruktur samt Verkehrsanbindung.

    Gern auch in Ludwigsfelde, Pritzwalk oder vielleicht kurz vor oder auch hinter Frankfurt/Oder? Wenn sie meinen, daß sie dort die Fans hintransportiert bekommen - bitte sehr.

    Andernfalls hat sich der Verein bzw. das Fußballunternehmen gefälligst an die Vorgaben zu halten, die die Politik macht und der öffentlichen Hand nicht (noch mehr) auf der Tasche zu liegen.

  4. 11.

    Die superschlauen Politiker haben doch nur Sorge, dass ihnen die schönen Mieteinnahmen flöten gehen. Ich möchte nicht wissen, wieviel Millionen Hertha in all den Jahren an die Stadt bezahlt hat und das Geld ist dann weg. Nur darum geht es. Und bei den Kosten dafür sollten sich diese Herrschaften lieber ganz zurückhalten. Für das Geld, was die SPD und Co am BER sinnlos verplampert haben, hätte sich Hertha schon 3 Stadien bauen können. Alle zufriedenstellen kann man eh nicht. Und an alle besonders Schlauen auf die Frage, warum braucht Hertha ein eigenes Stadion? Warum braucht ihr ein eigenes Auto, Motorrad oder Fahrrad? Ihr könnt es euch doch auch jeden Tag mieten ...

  5. 10.

    Real Madrid hat einen Zuschauerschnitt von 68.228 letzte Saison gehabt...Hertha BSC hatte letzte Saison einen Zuschauerschnitt von 45.319.....noch irgendwelche Fragen???
    und das Hertha unter den Top 10 gelandet ist liegt häufig daran, dass sie eine starke Hinrunde gespielt haben, wären diese nicht gewesen hätten sie lange gegen den Abstieg gespielt....und die Ausrede Donnerstabend kommen keine Zuschauer weil man was anderes unternehmen kann zählt nicht....Köln international mit über 20.000 in London Frankfurt mit über 20.000 in Bordeaux, München und Dortmund mit 60.000 oder 70.000 daheim.....

  6. 9.

    Also mittelmäßige bundesligamannschaft die im Niemandsland hängt.. und Hertha kriegt nicht mal das Stadion von TeBe oder BFC voll haha. Ok ihr seit dann solche Idioten die sich es lieber angucken wie die Bayern jedes Spiel stupide öde und langweilig gewinnen und eh am Ende der Saison Meister werden herzlichen Glückwunsch ich Frage mich nur wann Leute wie euch mal auffällt das Hertha die letzten 4 Saisons immer unten den Top 10 Clubs war und euro League gespielt hat nach Jahren Abstinenz und ja da waren es nur 26.000 Zuschauer gegen Luhansk an einem Donnerstags Abend aber das liegt daran das wir in Berlin leben und man am Donnerstag Abend genug Unternehmen kann ist doch klar das jeder Dorf Verein einen besseren zuschauerschnitt hat da man dort keine permanenten Möglichkeiten hat weg zu gehen oder etwas zu Unternehmen und wer noch mal über den zuschauerschnitt herzieht sollte sich mal erstmal über den Verein informieren Hertha hat einen besseren zuschauerschnitt als Real Madrid !

  7. 8.

    im Schnitt Kommen bei Hertha knapp 40000 was für dieses Fassungsvermögen (über 75000) peinlich ist. Bei Hertha sind es Schönwetterfans und Erfolgsfans die den Schnitt etwas anheben......läuft es mal nicht sinkt der Zuschauerschnitt rapide....wenn Hertha ein neues Stadion bauen möchte, dann mit maximal 45000 Plätzen

  8. 7.

    Noch ein Ahnungsloser. Sehen Sie sich bitte die Zahlen aus der laufenden Saison an. Und dann schauen Sie nochmal nach, ob die von Ihnen genannten Stadien bundesligatauglich sind. Auffällig, wie viele sich hier äußern, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.

  9. 6.

    Sie sollten sich mal die Zahlen aus dieser Saison ansehen. Da waren gegen Nürnberg schon über 50.000 und gg Gladbach noch einige mehr. Und als die Finanzierung erklärt wurde, haben Sie augenscheinlich auch nicht aufgepasst.

  10. 5.


    Hertha und ein neues Stadion... Wer soll das bezahlen und für wen ist das Nutze? Für eine mittelmäßige Erstligamanschaft, die seit Jahren im Niemandsland der Liga herumkrabbelt, außer ner großen Klappe und, zugegeben guten Fans, nichts weiter zu bieten hat?
    Hertha hatte mal ein Stadion, musste verkauft werden, weil der Verein wieder mal Pleite war. Das Olympiastadion wird mal gegen Bayern oder Dortmund voll, ansonsten verlieren sich dort manchmal nicht mal 30000 Zusachauer. Also wofür ein Stadion für 50.000? Wird auch nicht voll werden, es kostet nur dem Steuerzahler viel viel Geld.

  11. 4.

    Also mit diesen Millionärsklub / Prinzessinen-auf-der-Erbse-Verein hab ick schon lange die Faxen dicke. Hauptsache irgendwie noch mehr und noch mehr Steuer-Millionen abgreifen! Lasst es einfach sein. Das Stadion ist gut wie es ist. Vielleicht alle paar Jahre sanieren und gut ist.

  12. 3.

    Hertha "will"? Für einen Sportverein sollen MIeter aus der Wohnung fliegen und zusätzliche Lärmgelästigung droht - ggf. auch an anderen Orten? Dazu Kosten für den Steuerzahler in bislang noch ungeahnter Höhe? Reichlich übertrieben. Man hat ein Station, da soll man bleiben! Man sollte im Gegenteil ganz anders vorgehen: überflüssige Sporteinrichtungen abreißen und an den Standorten Sozialwohnungen errichten.

  13. 2.

    Wie viele von den mitteilungsbedürftigen Politikern sind denn regelmäßig im Stadion? Vermutlich nahezu keiner. Höchstens einmal im Jahr im VIP-Bereich bei passenden Häppchen. Wie das für die wirklichen Fans ist, davon haben sie keine Ahnung. Und gerade Die Linke zerredet ohnehin gern alles, vor allem, wenn es den Westteil der Stadt betrifft. Sorry, ist einfach so.

  14. 1.

    Wenn Hertha nicht mehr im schönen Olympiastadion spielen will, dann sollen sie doch in ein bestehendes Stadion umziehen, z.B. zu TeBe oder zum BFC. Dann könnte Hertha auch öfter sich damit rühmen, dass die Spiele ausverkauft seien.

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