Hertha Fans protestieren bei einem Spiel gegen Markenchef Paul Keuter (Quelle: imago/Matthias Koch)
Bild: imago/Matthias Koch

Landeskriminalamt ermittelt - Farbanschlag auf Haus von Hertha-Markenchef Keuter

Herthas Markenchef Paul Keuter steht bei Teilen der aktiven Fan-Szene scharf in der Kritik. Die äußert sich immer wieder auf Transparenten in der Kurve. Aber auch in üblen Beschimpfungen im Internet. Nun wurde ein Farbanschlag auf sein Haus verübt. 

Ein langgezogener Schriftzug, blau - auf weißer Hauswand: "@Paul: Ist Hertha hier zu Hause???". @Paul - das ist Paul Keuter, Markenchef von Hertha BSC. Der Mann, der hinter der Hauswand im Prenzlauer Berg wohnt. Und der bei Teilen der aktiven Fan-Szene Herthas scharf in der Kritik steht, die nicht selten die Grenze zum Hass überschreitet.

Dieser zeigt sich beispielsweise auf Transparenten im Stadion, Spieltag für Spieltag. Sprüche wie: "Wer zu viel postet, hat irgendwann nichts mehr zu lachen. Keuter, dein Ende naht", waren dort zu lesen. Und er bricht sich schon länger Bahn in üblen Beschimpfungen im Internet.

Nun hat er mit dem Farbanschlag auf die private Wohnung ein neues Niveau erreicht. Der Inhalt - insbesondere das "@" - verweist wohl auch gleich auf das, wofür Teile der aktiven Hertha-Fanszene Keuter verantwortlich machen: die Digitalisierung als Teil einer Vermarktungsstrategie, die ihnen zu weit führt und in ihren Augen auf Kosten der Tradition geht.

Die Berliner Polizei bestätigte am Mittwoch die Berichte von "Bild" und "BZ", wonach das Landeskriminalamt nach dem Vorfall Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen hat. Am Mittwochvormittag sei demnach Anzeige erstattet worden, der Tatvorwurf lautet "Sachbeschädigung durch Graffiti".

Zuständig für die digitale Transformation

Zurück zu den Anfängen: Paul Keuter, 43, ist seit Anfang 2016 in der Geschäftsführung von Hertha BSC. Geholt von Twitter, um digitale Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und den Klub in diesem Bereich strategisch neu auszurichten. Dort hatte er zuvor die weltweite Sport-Strategie des US-Unternehmens verantwortet. Bei Teilen der Hertha-Fans stießen seine Ideen, das Image des Vereins zu verändern, immer wieder auf große Kritik. Es waren Slogans wie "We try, we fail, we win", die wenig Gegenliebe erfuhren. Auch hatte sich Keuter gegen traditionelles Denken von Fans unter anderem in der Diskussion um die 50+1-Regel im deutschen Fußball ausgesprochen.

Von Teilen der Hertha-Fanszene ist Keuter als Sinnbild dessen ausgemacht worden, was sie als Fehlentwicklungen in ihrem Klub ansehen. Der jüngste Höhepunkt der Auseinandersetzung war der Hymnen-Streit vor der Saison, als Hertha BSC die Mitglieder kurzfristig vor dem ersten Heimspiel informierte, dass nicht länger "Nur nach Hause" von Frank Zander beim Einlaufen gespielt werden sollte, sondern "Dickes B." von Seeed. Die Entscheidung wurde zurückgenommen, dennoch wurde wiederum das zerüttete Verhältnis offenbar.

Stellungsnahme: Hertha verurteilt Schmierereien

Am frühen Mittwochnachmittag reagierte Hertha BSC mit einer Stellungsnahme auf die Schmierereien. Bei den strategischen Entscheidungen handele es sich stets um gemeinschaftliche Entschlüsse aller vier Mitgliedern der Geschäftsleitung, heißt es darin. Zu dieser zählen neben Keuter auch Michael Preetz, Ingo Schiller und Thomas E. Herrich.

"Dass nicht alle Entscheidungen immer auf die Zustimmung aller stoßen, die mit Hertha BSC verbunden sind, ist ebenso zu akzeptieren wie konstruktive Kritik", teilt der Klub weiter mit. Und: "Was wir allerdings nicht akzeptieren, ist der Umstand, dass Einzelpersonen herausgepickt und auf perfide Weise mit Drohungen auch im privaten Umfeld attackiert werden. Wir hoffen darauf, dass die Täter ermittelt werden können."

Sendung: Inforadio, 10.10.2018, 15:15 Uhr

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