Graciano Rocchigiani ist in Berlin-Schöneberg beigesetzt worden. Quelle: imago/masterpress
Video: rbb UM6 | 13.10.18 | Jörg Hellwig | Bild: imago/masterpress

Beisetzung des Boxers Graciano Rocchigiani in Berlin - Fans, Freunde und Wegbegleiter erweisen Rocky letzte Ehre

Fast 1.000 Trauernde, darunter Fans, Freunde und die deutsche Box-Prominenz, sind nach Berlin-Schöneberg gepilgert, um dem Boxer Graciano Rocchigiani die letzte Ehre zu erweisen. Die Überführung seines Leichnams aus Italien hatte sich zuvor verzögert.

So laut Graciano Rocchigiani sein Leben lang war. So aufbrausend. So unbarmherzig im Ring. So leise war seine Beisetzung. Fast 1.000 Gäste waren zum St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg gepilgert, um Abschied vom zweimaligen Box-Weltmeister zu nehmen. Familie, Freunde und Fans erwiesen einer der schillerndsten, umstrittensten aber auch beliebtesten Figuren des deutschen Boxsports die letzte Ehre. "Rocky" war als Fußgänger am  1. Oktober auf einer Schnellstraße bei Belpasso auf Sizilien von einem Smart erfasst worden und seinen Verletzungen erlegen. Rocchigiani wurde nur 54 Jahre alt.

Angeführt wurde der über 100 Meter lange Trauerzug, der an den Gräbern der Gebrüder Grimm vorbeiführte, von Rocchigianis Eltern, seinem Bruder Ralf, der auch Weltmeister war, und seiner ältesten Tochter.

Stimmen

Henry Maske: "Rocky und ich hatten ein tolles Verhältnis - obwohl wir natürlich grundverschiedene Typen waren. Aber wir haben uns sehr respektiert und gemocht."

Ulli Wegner: "Er hat Geschichte geschrieben. Menschen die nicht gradlinig denken, sind immer interessanter. Er war ein echtes Original. Und ich hatte so eine große Anteilnahme erhofft."

Arthur Abraham: "Für mich war Rocky ein guter Mensch und ein guter Boxer. Er und Henry Maske haben Boxen sehr beliebt gemacht. Rocky konnte die Menschen mitreißen."

Henry Maske bei der Beerdignung von Graciano "Rocky" Rocchigiani
Henry Maske bei der Beerdigung von Graciano Rocchigiani in Berlin | Bild: rbb/Matthias Pohl

Box-Prominenz in Schöneberg

In die ausliegende Kondolenzliste trugen sich unter anderem seine ehemaligen Gegner Henry Maske und Dariusz Michalczewski ein. Neben Rockys Familie, seinen drei Kindern und seiner letzten Lebensgefährtin nahmen auch sein ehemaliger Promoter Wilfried Sauerland sowie die Ex-Weltmeister Sven Ottke und Artur Abraham an der Trauerfeier teil.

1988 wurde Rocchigiani bei den Profis Weltmeister im Supermittelgewicht. Zehn Jahre später gewann er im Halbschwergewicht den Titel des World Boxing Council (WBC). Insgesamt bestritt Rocchigiani 48 Profi-Kämpfe, er siegte 41-mal. 19-mal gewann er durch K.o. Rocchigiani prägte in Deutschland die Box-Ära nach der Wende mit, er war dabei der krasse Gegenentwurf zum "Gentleman" Henry Maske. Jeweils zweimal duellierte er sich im Ring mit Seoul-Olympiasieger Maske und "Tiger" Michalczewski. Die ersten Kämpfe waren beide umstritten, die Rückkämpfe verlor Rocky deutlich.

Rockys letzter schwerer Weg

Rockys letzter Weg zurück in seine Heimat Berlin war ein langwieriger und schwieriger. Über eineinhalb Wochen hatte es gedauert, bis Rocchigianis Leichnam aus Italien nach Deutschland überführt werden konnte - die Ermittlungen der italienischen Polizei zogen sich hin und sorgten für die Verzögerung.

In geraden Bahnen verlief Rocchigianis Biografie selten. Er führte ein medial begleitetes Leben, verdiente Millionen und verprasste alles: Er stürzte ab und lebte lange von Hartz IV. Auch die 4,5 Millionen Dollar, die er 2004 durch einen Vergleich nach seinem zu Unrecht aberkannten WBC-Titel erstritten hatte, gab er schnell aus. Um Rockys Familie bei der Finanzierung der Bestattung, der Trauerfeier und der Überführung des Sarges zu unterstützen, hatte Box-Kommentator Tobias Drews eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen.

Sendung: Inforadio, 13.10.2018, 13:15 Uhr

Letztes Geleit für "Rocky" in Berlin

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    rocky war ein einfach strukturierter, gerader typ der dem establishment nicht passte, wie beispielsweise h. maske. deshalb musste er auch einige kämpfe verlieren zb. seinen ersten kampf gegen h. maske, den er klar besiegte hatte.
    die underdogs haben in unserer dekadenten gesellschaft selten eine chance. - ich mochte seine art sich dem leben zu stellen u.sich nicht verbiegen zu lassen!

Das könnte Sie auch interessieren

Die Fans von TeBe Berlin feiern im Block E (Quelle: Sören Kohlhuber)
Sören Kohlhuber

Erstes Heimspiel von Tennis Borussia Berlin - Block E lebt

Seit Jahresbeginn steht der Berliner Fünftligist Tennis Borussia kontinuierlich in den Schlagzeilen. Nach der Meuterei gegen den Vereinsvorsitzenden im Juli kamen am Freitag die Fans zurück ins Stadion. Doch dem Vorstand steht ein heißer Herbst bevor. Von Friedrich Rößler