Union-Präsident Dirk Zingler hat weitreichende Vorschläge. / imago/Matthias Koch
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Positionspapier des Präsidiums - Union Berlin fordert "Kurswechsel für deutschen Profifußball"

Das Papier hat es in sich: die dritte Liga unter dem Dach der DFL, erste und zweite Liga auf 20 Vereine aufstocken, direkter Aufstieg aller Meister. Union Berlin schaltet sich in die DFL-Strukturdebatte ein - und hat auch zu Montagsspielen eine klare Meinung.

Das Präsidium von Union Berlin hat in einem Positionspapier, das am Mittwochnachmittag veröffentlicht wurde, umfangreiche Reformvorschläge vorgebracht. Unter anderem soll demnach die dritte Liga auch unter dem Dach der DFL organisiert werden. Erste und zweite Liga sollen auf 20 Vereine aufgestockt werden. Und der direkte Aufstieg aller Meister gewährleistet werden - anders als es derzeit etwa in der Regionalliga geregelt ist, wo die Meisterschaft den Aufstieg nicht sichert. Darüber hinaus wird für Aufstieg-Playoffs mit mehreren Klubs plädiert.

Das Papier von Union ist die Reaktion auf einen Vorschlag für eine Strukturreform durch die Deutsche Fußball Liga. Dieser wurde demnach allen Profivereinen vorgestellt wurde - am 13. Dezember soll bei einer DFL-Mitgliederversammlung über ihn abgestimmt werden. Die Diskussion über Veränderungen im deutschen Fußball solle sich nicht auf personelle und strukturelle Aspekte beschränken, sondern sich auch damit auseinandersetzen, in welche Richtung man künftig gehen wolle, wird der Präsident der Köpenicker, Dirk Zingler, zitiert.

"Krisenhafte Symptome" im Profifußball

Weiter heißt es in dem Schreiben: "Unsere Position ist sehr deutlich: Wir halten einen Kurswechsel, der den stufenlosen Wettbewerb der Vereine in Deutschland fördert und die unterschiedlichen Positionen der verschiedenen Interessengruppen im Fußball wertschätzt und berücksichtigt, für dringend notwendig." Der Profifußball stehe, so das Union-Präsidium, "auf Vereinsebene an einem Scheideweg".

Explizit herausgehoben werden drei Symptome der Krise: die fehlende Konkurrenz in der Deutschen Meisterschaft, das frühzeitige Scheitern der Bundesliga-Vertreter auf europäischer Ebene sowie die "zunehmende Entfremdung zwischen wichtigen Interessengruppen". Genauer gesagt: Der Profifußball entferne sich von denen, die ihn ausmachten - den Menschen. 

Umfangreiches Maßnahmenpaket

Daraus leiten die Köpenicker ein ganzes Maßnahmenpaket ab. Damit wolle man sich der Verantwortung stellen, die Union als der Verein habe, der inzwischen am längsten ohne Unterbrechung in der zweiten Liga vertreten sei. "Der Zeitpunkt für grundlegende Veränderungen ist günstig - wir sollten ihn nicht ungenutzt verstreichen lassen. Wir haben jetzt die Chance, den deutschen Profifußball nicht nur organisatorisch neu aufzustellen, sondern ihn auch inhaltlich neu auszurichten", lautet es in dem Schreiben. 

Das umfasst - neben den bereits genannten Vorschläge - weitere Ideen. Dabei geht es etwa um finanzielle Annährungen der Vereine durch eine "wettbewerbsfördernde, ligaübergreifende, stufenlose Verteilung der Vermarktungserlöse", die Begrenzung der Gehaltetats der Vereine, eine drastische Erhöhung der bisherigen Ausbildungsentschädigungen und die Professionalisierung des Schiedsrichterwesens. Eine bessere Einbeziehung aller Interessensgruppen soll dadurch gewährleistet werden, dass sie direkt in Entscheidungsgremien vertreten sind. Das Stadionerlebnis soll wieder in den Vordergrund gestellt werden, etwa durch Maximalentfernungen bei Freitags- und Wochentags-Spieltagen. Und: "Montagsspiele gehören abgeschafft".

Sendung:  Inforadio, 03.10.2018, 17.15 Uhr

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Die einen sehen im Fußball ein Spiel, die anderen ein Geschäft. Fußball wird wahrscheinlich auch noch dann gespielt, wenn Fußball längst kein Geschäft mehr ist!
    Was das Fußballgeschäft betrifft, kann ich über die in der DFL und hier vorgebrachten Argumente nur gähnen. Hier führen sich "Experten" auf, als würde sie das Rad erfinden - das längst schon erfunden ist: Die NFL hat diesen ganzen Prozess schon vor Jahrzehnten hinter sich gebracht. Die "Experten" könnten also "von den Besten lernen", falls sie wollten. Doch die Deutschen lieben Religionskriege. Als auf ihr Fußballgeschäftler und ihr Fußballspieler, haut euch gegenseitig solange (erbal) auf die Rübe, bis der Markt für euch verlaufen ist.
    Ich gucke solange Rugby. Ob SUPER RUGBY, NATIONAL RUGBY LEAGUE uder TOP 14 - Überall ist Spannung, weil fast jeder fast jeden schlagen kann und es so gut wie keine Abonnementsmeister gibt. Dafür prallen, heißen Sport statt gähnende Langeweile von und mit dem FCB.

  2. 15.

    das ist ungefähr so - als wollte jemand von Merkel - das Sie sich mal erinnert ,im Sozialismus aufgewachsen zu sein - genauso wird auch jeder Wunsch nach Gerechtigkeit - an den Groß....... Vereinen abprallen.
    bei der DFL sowieso - da werden auch noch Dienstags ,Mittwochs- und Donnerstagsspiele kommen - die Grenzen der Vermarktung müssen bis zum abgesang dieser Sportart ausgenutzt werden ! das ist Kapitalismus pur.
    erst wenn die Stadionbesuche - aber vor allem die TV-Abo´s ausbleiben wird sich daran etwas ändern.
    die Aufstockung auf 20 Vereine wäre schon lange fällig - siehe die wirklichen Top-Ligen in Europa - die 4 Spiele mehr bringen nun wirklich keinen um - sorgen aber vielleicht für noch mehr Spannung.
    Meister und die nachfolgend Aufstiegsberechtigten müssen aufsteigen - ohne Entscheidungsspiel !
    wer dann in 38 Spielen die Klasse nicht halten konnte - hat auch keinen Rettungsanker mehr verdient !

  3. 14.

    Sry aber was soll der Käse bitte bringen ?
    Soll man potenziell reichere Vereine dafür bestrafen ( die im übrigen ebenso dafür gearbeitet haben / arbeiten dort zu stehen wo sie sind ) , das die kleineren es nicht gebacken bekommen ?
    Halte ich absolut gar nichts von..

    Aufstocken der Liga führt auch nur zu mehr Belastung als ohnehin schon und von "zu frühem" Ausscheiden "der" Deutschen Klubs kann ja wohl auch nicht wirklich die Rede sein, zumindest nicht wenn er mal wieder die Bayern nicht ausklammern würde.

    Alles in allem lediglich ein Voschlag der kleinen Vereinen nützt , abe eine echte und auf Leistungs basierende Konkurrenz wie er sie sich herbeiwünscht nicht erzielen wird und damit das Ziel grandios verfehlt.
    War aber von jemandem wie ihm nicht anders zu erwarten.
    Kurzum , Schuster bleib bei deinem Leisten und halt dich aus der Strukturdebatte raus.

  4. 13.

    Die Vorschläge machen nur teilweise Sinn. Bundesliga auf 20 Vereine aufstocken? Wozu? 4 Spiele mehr für die sowieso schon gebeutelten Profispieler mit 4fach Belastung (BL, Pokal, CL/EL, Nationalelf) und noch dazu ein Gurkenspiel pro Spieltag mehr. Das braucht nun wirklich keiner. Die 2. Liga könnte man natürlich schon aufstocken, da hier ja die Zusatzbelastung CL/EL definitiv und Nationalelf sehr wahrscheinlich fehlt. 20, 22, 24 Vereine wäre alles denkbar (siehe England). Dann könnte man z.B. auch 4 Ab/Aufsteiger mit der 3. Liga tauschen. 3. Liga könnte ebenfalls aufgestockt werden auf 24 Teams bei 5 Absteigern, so dass alle RL-Meister aufsteigen.
    Und zum Thema Krisensymptome:
    Dass Bayern Konkurrenzlos in der Meisterschaft ist, liegt einzig an der Misswirtschaft/Fehlplanung der anderen Vereine.
    Das schlechte Abschneiden der deutschen Vereine auf internationaler Ebene liegt u.a. an Trainern, die lieber die A-Elf in der Bundesliga und die B-Elf in der EL antreten lassen.

  5. 12.

    Das die deutschen Mannschaften auf Internationalem Paket nichts zustande bekommen werden diese Vorschläge auch nichts ändern.

    Hingegen sollte wichtig sein, was die Kultur des Sportes, des Fussballs fördert. Ganz einfach gesagt, die Regionalmannschaften werden von der DFL völlig allein gelassen. Gelder bekommen nur die großen Clubs. Durch die Kapitalisierung des Vereinsfussballs bleiben soviele Talente ungehoben.

    Auch die Professionalsierung in den höheren Ligen hat eine Arbeitsmoral zur Folge aber der spielerische Aspekt, der im Fussball noch viel wichtiger ist als bloße Leistung, wird durchs Angestelltenverhältnis vollständig unterdrückt!

    Sei es bei der Champions-League oder bei den Nationalveranstaltungen. Deshalb versagen auch Clubs aus Deutschland. Die können regelmäßig Spieler mit anderen Spielstärken nicht integrieren. Es fehlt die Freude am Fussball. Denn alles folgt dem Schema F. Klinsmann hatte das verstanden aber der Boden war zu karg für große Veränderungen.

  6. 11.

    Rundum gut und schön, dass sich jemand mal grundlegende Gedanken macht gegen das Rumgeeiere der Funktionäre.
    Weiter so, Union Berlin!

  7. 10.

    alles so lassen!basta!

  8. 9.

    Ich weiß, es ist die ewig alte Diksussion...aber trotzdem möchte ich eines deutlich hervorheben: Wenn es ein Traditionsverein mit all seiner Tradition (was auch immer das sein soll, denn z.B. bei welcher Jahreszahl zieht man die Grenze) und dem dadurch bedingten zeitlichen Vorsprung in Punkte Finanzierung, Infrastruktur, Jugendausbildung, Aquise etc. nicht geschafft hat, sich nachhaltig sportlich in einer der Topligen zu etablieren, dann gehört er da eben auch nicht hin. Denn genau darum geht es im Sport: der Bessere möge gewinnen. Und wer ernsthaft glaubt, der Fußball sei eine Ausnahme in der Welt, in der die Gesetze der Marktwirtschaft und Evolution nicht gelten, ist schlichtweg ein Träumer.

  9. 8.

    Im Prinzip viele gute Ansätze, eine Aufstockung der Ligen geht m.E. aber in die falsche Richtung: mehr Spiele, noch weniger Zeit für notwendige Erholungsphasen. Mein Vorschlag:
    Erste, Zweite und Dritte Liga mit je 16 Vereinen, dafür zwei Staffeln in Liga 3. Macht in der Summe 64 Proficlubs, genügend Platz für die Traditionsvereine. Je zwei Absteiger aus Liga 2 und den beiden Staffeln der Dritten Liga. Keine unsäglichen Relegationsspiele mehr, 4 Aufsteiger aus 4 Regionalligen und fertig. Alle Meister können aufsteigen, mehr Planungssicherheit für alle.

  10. 7.

    warum nicht gegen Windmühlen reiten? besser als immer das Fähnchen in den wind zu halten und hoffen, dass es einen nicht umbläst. ich kann nicht verstehen, wie Herrn Beckers einziger Kommentar sein kann, dass er die Art und Weise der "Lancierung" seltsam findet. Natürlich ist Union anders und das ist auch gut so.

  11. 6.

    Warum soll eine Strukturreform durchgeführt werden.
    Vielmehr muss ein nachvollziehbares Konzept auf dem bisherigen aufgebaut werden.
    Die Fernsehgelder so aufteilen, dass nach einem Punktesystem.
    Punktesystem nach der Tabelle und Zuschauern.
    Auch wenn hier Bayern München, wie auch Dortmund da besser abschneiden sollte, muss aber dann auf die anderen Vereine runter gerechnet werden.Beispiel: Bayern München hat im Durchschnitt 75 000 Zuschauer (Bundesligabetrieb) Augsburg dagegen nur 35 000 Zuschauern. Hier den Mittelwert nehmen und da käme 55 000 Zuschauern heraus. Die Differenz von 35 und 55 000, also die 20 000 soll dem FC Augsburg zugestanden werden. Also würde es für die erhöhten Zuschauerzahlen die Fernsehgelder auch zugestanden werden müssen. Die Bayern würde es trotzdem nicht schaden, weil die Fernsehgelder aus der CL der vollzugestanden werden müssen.

  12. 5.

    Sehr gute Vorschläge. Prima Konzepte, leider muss ich einem meiner Vorredner recht geben, das DFL und DFB soweit von der Realität entfernt sind und es denen finanziell so gut geht, das die gar nicht daran denken großartige Veränderungen zuzulassen. Sollen doch ruhig noch mehr Traditionsvereine den Bach runter gehen, solange wie Typen wie Mateschitz oder Hopp ihre Vereine in den Ligen platzieren...

  13. 4.

    Endlich mal eine reale Einschätzung der Situation im deutschen Fußball !
    Gute und konstruktive Vorschläge, die hoffentlich Beachtung finden...........

  14. 3.

    Die Vorschläge von UNION sind hoffentlich die Initialzündung für DFB und DFL, eine grundlegende und vorbehaltlose Diskussion über die Ausrichtung des deutschen (Profi-)Fußballs zu führen.

  15. 2.

    Gute Idee! Aber das wird der DFL und dem DFB sowas von egal sein! Denn die Beiden sind soweit von der Basis weg! Denen interessiert nur Ihre eigene Interessen! Leider aber Wahr!

  16. 1.

    Hey, bin zwar kein Unioner, aber ein sehr guter Vorschlag! Viele Grüße aus Hamburg

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