Salomon Kalou von Hertha BSC im Zweikampf gegen Moussa Niakhate vom FSV Mainz (Quelle: imago/Jan Huebner/Scheiber)
Audio: inforadio | 06.10.2018 | 17:30 Uhr | Infordaio | Nikolaus Hillmann | Bild: imago/Jan Huebner/Scheiber

Fußball-Bundesliga | 7. Spieltag - Hertha erkämpft einen Punkt in Mainz

Hertha BSC ist zurück in der Realität: Nach dem Triumph gegen die Bayern spielten die Berliner in Mainz durchschnittlich und konnten am Ende mit einem torlosen Remis zufrieden sein. Trotzdem bleiben die Blau-Weißen in der Tabelle oben dabei.  

Fußball-Bundesligist Hertha BSC kommt mit einem Punkt, aber ohne Tore vom Auswärtsspiel in Mainz zurück. In einer mittelmäßigen Bundesliga-Begegnung waren die Mainzer die aktivere Mannschaft - Hertha fehlte es letztlich an der Zielstrebigkeit, um die beste Defensive der Liga zu überwinden.

Hertha BSC und die Favoritenrolle – das ist so eine Sache für sich. "Wenn du auf Schalke gewinnst, gegen Bayern gewinnst, dann bist du der Favorit", hatte Hertha-Coach Pal Dardai vor der Partie beim FSV Mainz 05 gesagt - und damit keine Fragen ob der Zielsetzung für den Auswärtsauftritt offen gelassen. Dass die berühmte Favoritenrolle nicht nur beflügelnd wirken kann, sollten die 90 Minuten beim Tabellenneunten aus Rheinland-Pfalz zeigen.

Jarstein im Tor und gleich gefordert

Gute Nachrichten gibt es für die Berliner vor dem Anpfiff: Stamm-Keeper Rune Jarstein kehrt nach überstandener Oberschenkelprellung zurück in den Kasten – auch der unter der Woche nicht für die deutsche Nationalmannschaft nominierte Linksverteidiger Marvin Plattenhardt darf von Beginn an ran.

Die Momente vor Spielbeginn offenbaren bereits interessantes: Während "You’ll never Walk alone" aus den Stadion-Boxen schallt und beim passionierten Fußballfan sofort Gänsehaut auslösen dürfte, ist in den Gesichtern der Herthaner kaum eine Regung wahrzunehmen. Sie wirken fokussiert, in sich ruhend und ihrer Stärken sicher.

Die Anfangsphase der Partie verläuft dann - etwas überspitzt formuliert -  ambivalent: Die Gäste sind ballsicher, das Selbstvertrauen eines starken Saisonstarts ist spürbar. Nichts desto trotz übernehmen die mutigen Mainzer schnell die Spielkontrolle und entwickeln Torgefahr. Rune Jarstein verlebt ein durchaus arbeitsintensives Comeback. Die erste dicke Chance der Mainzer muss der Norweger im Kasten nach flacher Hereingabe von links und starkem Abschluss noch machtlos am Tor vorbeischauen (8.) - Glück für die Berliner. Nur Minuten später entschärft er einen Fernschuss problemlos.

Ibisevic mit der größten Chance

Die Hertha-Abwehr wirkt nicht so stabil wie zuletzt, die immer wieder anrennenden Gastgeber stellen den Bundesliga-Vierten vor eine Menge Arbeit. Doch es scheint zunächst "nur" eine Findungsphase in dieser Partie zu sein – denn die Blau-Weißen in den dunkel- und hellblau gestreiften Auswärtstrikots fangen sich, und wie!

Valentino Lazaro und Ondrej Duda kombinieren sich per Doppelpass auf der rechten Seite blitzsauber durch. Die punktgenaue Flanke des Österreichers in die Mitte findet Kapitän Vedad Ibisevic. Das hauptberufliche Schlitzohr schüttelt seinen Bewacher ab und setzt den Kopfball aus sieben Metern an den Pfosten (27.). Eine Situation, wie geschaffen für die Floskel: "Den macht er normalerweise mit verbundenen Augen."

Es ist eines der wenigen Highlights in einer ansonsten durchschnittlichen Partie. Noch vor der Halbzeitpause gibt es Redebedarf zwischen Trainer Dardai und seinen Männern auf dem Platz - der Ungar und Lazaro beispielsweise diskutieren in einer Verletzungsunterbrechung angeregt, wie man der besten Abwehr der Bundesliga beikommen kann. Dass die Berliner mit einem 0:0 in die Pause kommen, liegt auch daran, dass Jarstein alles entschärft, was ihm auf seinen Kasten fliegt. Und, dass Schiedsrichter Daniel Schlager kurz vor dem Seitenwechsel den Mainzern einen Elfmeter verwehrt - eine durchaus strittige Situation.

Stark verletzt raus, Partie weiter fahrig

Der zweite Durchgang beginnt mit einer Hiobsbotschaft für die Hertha: Niklas Stark muss mit einer Knöchelverletzung in der Kabine bleiben, für ihn kommt Fabian Lustenbeger in die Partie. Auswirkungen hat diese Personalie kaum: Es geht spielerisch so weiter, wie es in den ersten 45 Minuten aufgehört hatte. Klare Torchancen sind Mangelware, immer wieder zeigen beide Mannschaften gute Ansätze - aber eben nicht mehr. Die Frage, die sich langsam aber sicher stellt: Welche der beiden Mannschaften will den Sieg mehr?

Und dann, endlich, entwickelt sich zumindest für zwei Minuten ein offener Schlagabtausch: Zunächst trifft der Mainzer Stürmer Jean-Philippe Gbamin völlig freistehend die Kugel im Strafraum nicht richtig (64.). Im Gegenzug kommt Salomon Kalou zum Abschluss. Sein Versuch wird abgefältscht. Die nachfolgende Ecke wird dann richtig gefährlich: Der eingewechselte Davie Selke setzt sich im Kopfballduell durch, doch das Spielgerät segelt Zentimeter am langen Pfosten vorbei.

"Den Bayern-Sieg versilbert"

Es ist und bleibt ein merkwürdiges Duell, das auch in der Schlussphase nie so richtig Fahrt aufnehmen will. Es liegt an diesem Nachmittag sicherlich nicht am fehlenden Willen beider Kontrahenten. Aber es will einfach kein Treffer fallen. So endet die Partie mit einem torlosen Remis der mittelmäßigen Sorte. Die Gastgeber sind in allen Statistiken überlegen. Stellt sich also die Frage: Ist das nun ein gewonner, oder sind es zwei verlorene Punkte für Hertha BSC?

"Ich würde sagen, wir hätten den Bayern-Sieg hier vergolden können. Das waren drei Punkte, die wir nicht einberechnet haben. Jetzt haben wir es versilbert. Ein Punkt in Mainz ist auch gut, deswegen passt es", äußert sich Stürmer Davie Selke nach der Partie. Das Positive: Die Berliner bleiben in der Tabelle oben dran. So geht es für Hertha mit gemischten Gefühlen und einer ausbaufähigen Leistung in die Länderspielpause. Der nächste Gegner im heimischen Olympiastadion ist dann am 21. Oktober der SC Freiburg.

Sendung: Abendschau, 06.10.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Lieber Herr König,
    es mag sein, dass nach Herkunft des Wortes jemand nicht sehr Rühmliches gemeint ist. Da mit einem Schlitzohr aber auch eine gerissene Person gemeint sein kann, halten wir die Formulierung in diesem Zusammenhang für vertretbar. Ihnen einen schönen Sonntag!

  2. 1.

    "... Kapitän Vedad Ibisevic. Das hauptberufliche Schlitzohr ..."

    Ich glaube, diese Formulierung kann man so und so verstehen. Bitte mal nachschlagen, woher der Begriff Schlitzohr kommt und was er bedeutete. Vielleicht fällt einem da eine treffende und eindeutig positivere Formulierung ein?

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