Rafal Gikiewicz, Torwart des 1. FC Union, und sein Mitspieler Christopher Lenz (Quelle: imago/Matthias Koch)
Video: rbb24 | 31.10.2018 | Nikolaus Hillmann | Bild: imago/Matthias Koch

DFB-Pokal: Union verliert in Dortmund - Erstligareif bis zur letzten Minute

Wie schon 2016 hat Union Berlin die Sensation in Dortmund denkbar knapp verpasst: Am Mittwochabend verlor der Zweitligist in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei Bundesliga-Spitzenreiter Dortmund mit 2:3 nach Verlängerung.

Eigentlich wäre es ja eine Wette wert gewesen, dass dieses Pokalspiel in die Verlängerung geht. Denn Union Berlin und Borussia Dortmund waren vor dem Anpfiff die einzigen deutschen Profiteams, die in dieser Saison noch kein Spiel verloren haben. Und dann war da ja noch dieses Pokalspiel vor zwei Jahren, als die Berliner schon einmal in Dortmund geglänzt hatten und erst nach Elfmeterschießen ausschieden.

Immerhin: Nach 90 Minuten ist Union noch immer ungeschlagen in dieser Saison. Auch nach 119 Minuten, erst da bekam Dortmund den K.o.-bringenden Elfmeter, den Marco Reus zum 3:2 verwandelte und einen aus Union-Sicht dramatischen Schlusspunkt unter diesen erstligareifen Auftritt auf der derzeit vielleicht prestigeträchtigsten deutschen Fußballbühne setzte.

Unions Spieler klatschen mit den mitgereisten Fans in Dortmund ab. Bild: imago/Jan Huebner
Die "rote Wand" in Dortmund | Bild: imago/Jan Huebner

"Rote Wand" - Union mit 8.000 Fans in Dortmund

Eine Bühne, die die mitgereisten 8.000 Union Fans schon vor dem Anpfiff (so das denn noch möglich ist) sogar noch ein bisschen größer machten. Denn wenn man auf die Worte des Berliner Trainers Urs Fischer hört, dann gab es heute zum ersten Mal zwei "Wände" im Dortmunder Stadion. Neben der bekannten und gefürchteten "gelben Wand" - wie die Dortmunder Südtribüne genannt wird - hatte der Schweizer eine "rote Wand" in der gegenüberliegenden Ecke ausgemacht.

Die trieb sein Team nach vorne und nach sehr kurzer Eingewöhnungsphase in den ersten zehn Minuten bereitete Union dem großen Favoriten sichtbar Probleme. Vor der Dortmunder Führung durch Christian Pulisic (40. Minute) hatte Union durch Robert Zulj (23.) und Florian Hübner (24.) bereits zwei große Chancen und spätestens nach dem sehenswerten Lattentreffer von Kenny-Prince Redondo (42.) konnte man die Dortmunder Pausenführung als schmeichelhaft bezeichnen.

"Wir haben das toll gemacht", fand Union-Trainer Urs Fischer. Das dürfte auch zu einem großen Teil sein Verdienst sein. Fischer war in seinen Anfangs- und Lehrjahren Jugendtrainer beim FC Zürich, in der Zeit, als der aktuelle Dortmunder Trainer Lucien Favre dort das Profiteam trainierte und da habe er sich "schon ein bisschen was abgeschaut von ihm."

"Eiserne" kommen zweimal wieder zurück

Was er sich vielleicht beim 2018er-Favre abgeschaut hat, ist Torschützen einzuwechseln. Das "goldene Händchen", wie man diese Fähigkeit im Fußballjargon so gerne nennt, zeichnet Lucien Favre in dieser Saison besonders aus. An diesem Abend aber brachte Urs Fischer den Mann der ersten 90 Minuten: Sebastian Polter.

Der kam (60.), wühlte und traf (63.) in Polter-Manier zum 1:1. Es war ab da auch in der zweiten Hälfte ein offener Schlagabtausch und eine Begegnung auf Augenhöhe. Die Dortmunder hatten zu Spielbeginn einige Stars geschont, aber nach und nach befand Favre, dass er Reus, Witsel und Sancho brauchte, um diesem starken Union Berlin genug entgegensetzen zu können. So kam die Aufstellung in der Schlussphase der Partie derselben ziemlich nahe, die Sebastian Polter gar als "aktuell beste Mannschaft auf der Welt" bezeichnet hatte.

Beim schnell und schön herausgespielten 2:1 durch Maximilian Philipp (74.) konnte man sehen, wieso er das denkt, danach aber vor allem, wieso er auch sagte: "Wir haben sie heute auf Augenhöhe bekämpft." Denn Simon Hedlund hätte bereits kurze Zeit später (78.) für den Ausgleich sorgen können, den Sebastian Polter dann selbst kurz vor Schluss erzielte - nach einem perfekt gespielten Konter per Kopf (88.).

"Jedes Team kriegt hier vier oder fünf Tore"

Unentschieden in Dortmund nach 90 Minuten, das haben in dieser Saison bisher nur Berliner geschafft - am Wochenende die von Hertha BSC und nun der Zweitligist Union Berlin. Auch das zeigt, wie groß die Leistung war, die die Köpenicker zeigten. Es gab sogar einen Moment, da dachten nicht wenige im Stadion, dass es zu noch mehr reicht, nach 95 Minuten: Da lenkte Polter die Dortmunder Verteidiger auf eine falsche Fährte, weg von Sturmpartner Simon Hedlund - aber der scheiterte am Dortmunder Torhüter Marvin Hitz.

"Schade, jeder Verein kriegt hier vier oder fünf Tore, und wir verlieren nach Elfmeter in letzter Minute", fand Unions Rafal Gikiewicz, der die entscheidende Szene des Abends aus nächster Nähe sah: Direkt vor ihm, im Fünfmeterraum, zog Innenverteidiger Marvin Friedrich den Dortmunder Stürmer Christian Pulisic an der Schulter zu Boden - es gab Elfmeter und Gelb-Rot. Noch einmal gaben die Berliner alles, Gikiewicz ging zu Schütze Reus, Hübner ging zum Schützen Reus, aber es half nichts: Reus traf - ins Tor und ins Unioner Kämpferherz.

Sendung: rbb24, 31.10.2018, 21.45 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Wenn Union fast gewinnt und 9000 Unioner lauter sind als die Weltberühmte "gelbe Wand", dann wird es Zeit den Blick langsam auf richtung Oberhaus zu richten. Trotz einer knappen Niederlage war das gestern eine Sternstund des Berliner Fussballs.

  2. 1.

    Bin nach zwei Stunden Schlaf immer noch unheimlich Stolz auf die Jungs. Hoffe wir können das in die Liga transportieren.

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