Bianka Gräming: Deutschlands beste Blindentennisspielerin. / Quelle: rbb
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Video: Abenschau | 21.10.2018 | 19:30 Uhr | Birgit Hofmann | Bild: rbb

Deutschlands beste Blindentennisspielerin - Bianka Gräming spielt Tennis nach Gehör

Bianka Gräming wurde blind geboren. Als Kind drückte sie sich so gut es ging vor sportlichen Aktivitäten. Vor gut zwei Jahren aber fand die Brandenburgerin zum Blindentennis - und feiert große Erfolge.

Schon vormittags herrscht in der Tennishalle des Klubs "Blau-Gold Steglitz" reges Treiben. Während von den hinteren beiden Plätzen in regelmäßigen Abständen das gewohnte "Popp"-Geräusch zu hören ist, das ertönt wenn der Tennisball auf den Schläger trifft, rasselt es auf Platz 1. Hier findet eine ganz spezielle Art von Training statt, denn Bianka Gräming, die Tennisspielerin, die hier an Vorhand und Rückhand arbeitet, ist blind.

Tennis kannte sie nur aus dem Fernsehen

An Sport war für die 42-Jährige lange nicht zu denken. Im Internat war sie der klassische Sportmuffel: "Wenn Sport in der Schule ausfiel, war es die beste Stunde des Tages", erzählt sie grinsend. Aber Tennis im Fernsehen hat sie schon immer: "Man hört, wenn der Ball auf den Schläger trifft, man hört die Ansagen des Schiedsrichters und man hat die Kommentatoren."

Die Idole ihrer Zeit, Boris Becker und Steffi Graf, hat Gräming genauso begleitet viele andere in Deutschland. Ihre Lieblingsspielerin wurde dann allerdings die Amerikanerin Jennifer Capriati, weil sie eben nicht Steffi Graf war: "Wenn ein Hype losgeht auf jemanden, dann dreh ich immer um und gehe in die andere Richtung", sagt Gräming.

Die Anlage bei Blau-Gold Steglitz - nur hier wird in Berlin Blindentennis angeboten. / Quelle: rbb
Die Anlage bei "Blau-Gold Steglitz" - nur hier wird in Berlin Blindentennis angeboten | Bild: rbb

2016 bringt die "Gold-Kraemer-Stiftung" Blindentennis nach Deutschland - und Bianka Gräming betritt erstmals einen Tennisplatz. Die Möglichkeit endlich ihren Idolen nachzueifern, begeistert sie. Eine Freundin nimmt sie mit zum Training bei "Blau-Gold Steglitz", dem einzigen Berliner Club, der Blindentennis anbietet. Aus der zu Anfang größeren Gruppe haben mittlerweile viele wieder aufgegeben, auch Grämings Freundin. Doch die ehrgeizige und motivierte Brandenburgerin bleibt dabei, trainiert fleißig und gibt nicht auf. "Es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber Bianka übt und übt", sagt Coach Deininger.

Immer an ihrer Seite ist Biankas Mutter: "Wenn sie sich was in den Kopf setzt, dann versucht sie es bis zum Ende durchzuhalten. Sie gibt so schnell nicht auf." Daher unterstützt sie ihre Tochter und hilft, wo sie nur kann: Begleitet sie auf der einstündigen Fahrt von Ludwigsfelde in die Tennishalle nach Steglitz und zu Turnieren ins Ausland - sie sammelt sogar beim Training die Bälle auf.

Klett-Linien zur Orientierung: Sie können erfühlt werden. / Quelle: rbb
Klett-Linien zur Orientierung: Sie können erfühlt werden. | Bild: rbb

Klettband und rasselnde Bälle als Hilfe

Beim Blindentennis läuft das Spiel natürlich ein bisschen anders ab, als man es sonst vom Tennis kennt. Die Sportart kann nur auf Teppichboden in der Halle gespielt werden, denn so können die Linien vor dem Training mit Klettband abgeklebt werden, damit sie erhöht sind und von den Spielern erfühlt werden können. Außerdem wird mittig ein Kreuz zur Orientierung aufgeklebt. Auch der Ball ist besonders und sorgt für das charakteristische Rasseln: Ein größerer Schaumstoffball in dem sich ein Minigolfball mit Metallstiften befindet. Dieser darf - anders als gewohnt - bis zu drei Mal, statt nur einmal, im Feld aufkommen.

Wenn man Bianka Gräming beim Training beobachtet, versteht man ein bisschen, warum sie nach so kurzer Zeit schon Deutschlands beste blinde Blindentennisspielerin ist. Die Körperhaltung ist aufmerksam und wach. Sie ist immer in Bewegung und vor allem strahlt sie Lernbegierde aus. Man sieht ihr an, dass sie immer besser werden möchte. In diesem Jahr gewann sie den Titel bei den ersten Deutschen Meisterschaften in Löhne und ein internationales Turnier in Cambridge. Bianka Gräming ist der Stolz und die Freude anzusehen, wenn sie darüber redet.

Spielen wie die "Großen" des Tennis

Blindentennis bedeutet für sie Freiheit: "Man kann nicht fallen oder irgendwo gegenlaufen." Seit Bianka selbst spielt, kann sie sich richtig vorstellen wie die "Großen", die sie aus dem Fernsehen kennt, das so machen - "die Boris Beckers" und "die Steffi Grafs", "man kann sich mal vorstellen was Vorhand, Rückhand, Aufschlag und so ist".

Bestimmte Schläge, wie Volleys am Netz oder Schmetterbälle, sind nicht möglich. "Das Angriffstennis am Netz geht beim Blindentennis natürlich verloren", erklärt Coach Philipp Deininger, denn das Rasseln der Bälle wird erst beim Aufprall auf den Boden wahrnehmbar. Vorher sind die Bälle für die Spieler nicht zu verorten.  

Vorhand, Rückhand und Aufschläge - daran werden Bianka Gräming und Philipp Deininger aber auch in Zukunft weiter zusammen arbeiten. "Es ist mittlerweile auch kein übergeordnetes Lehrer-Schüler-Verhältnis mehr, es ist eine Freundschaft entstanden", sagt Deininger. Wenn es nach ihm geht, bereitet er Bianka Gräming vielleicht in der Zukunft sogar einmal auf Paralympische Spiele vor. Noch ist Blindentennis nicht im paralympischen Programm, doch wenn die beiden den Sport weiter so engagiert vorantreiben, könnte sich das ja ändern. 

Sendung: rbb UM6, 21.10.2018

Beitrag von Antonia Hennigs

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