Graciano Rocchigiani im Februar 2018 auf einer Boxveranstaltung (Quelle: imago/Ruffler)
Video: rbb|24 | 02.10.2018 | Bild: imago sportfotodienst/Ruffler

Ex-Boxweltmeister wurde 54 Jahre alt - Graciano Rocchigiani bei Verkehrsunfall gestorben

Der ehemalige Boxweltmeister Graciano Rocchigiani ist tot. Das hat die mit dem Vorgang befasste Polizei Brandenburg bestätigt. Der 54-Jährige wurde in Italien als Fußgänger von einem Auto überfahren.

Der ehemalige Boxweltmeister Graciano Rocchigiani ist bei einem Verkehrsunfall in Italien ums Leben gekommen. Entsprechende Medienberichte von "B.Z." und "Bild" bestätigte die Brandenburger Polizei. Die italienische Polizei hatte die Brandenburger Kollegen gebeten, die Angehörigen über den Tod zu informieren.

Polizei: Fahrer war nicht betrunken

Rocchigiani wurde in der Nacht zu Dienstag als Fußgänger von einem Auto überfahren. Nach Angaben der italienischen Polizei war er in der Nähe der sizilianischen Stadt Catania zu Fuß auf der Schnellstraße SS121 unterwegs, als er von einem Smart erfasst wurde.

Italienische Medien berichten, der Ex-Weltmeister aus Deutschland soll auf der Stelle tot gewesen sein. Die Polizei ermittelt nun zum Unfallhergang. Betrunken sei der Fahrer nicht gewesen. "Bei dem Fahrer war alles ordnungsgemäß", hieß es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Kreisen der Polizei am Mittwoch. Der 29-Jährige aus Catania sei weder alkoholisiert gewesen noch habe er unter dem Einfluss von Drogen gestanden. Er habe nicht gegen Verkehrsregeln verstoßen.

Ermittel werden soll nun, ob Rocchigiani unter Alkoholeinfluss gestanden habe, so die italienische Polizei. Bevor die Leiche des Ex-Boxers nach Deutschland gebracht werden könne, müssten noch die Ergebnisse der Obduktion abgewartet werden.

Ick bereue nüscht. Ick hab' auf jeden Fall was zu erzählen. Langweilig war det nie.

Rocky

In Neukölln das Boxen gelernt

"Rocky" wurde 54 Jahre alt. Er galt als eine der schillerndsten Figuren der deutschen Boxgeschichte. Der Box-Promoter Wilfried Sauerland sah ihn als talentiertesten Boxer der letzten 30 bis 40 Jahre in Deutschland. 

Rocchigiani wurde 1963 als Sohn eines Italieners und einer Berlinerin in Rheinhausen bei Duisburg geboren, er wuchs in Berlin auf und lernte bei den Neuköllner Sportfreunden das Boxen. Nachdem er Deutscher Meister im Halbmittelgewicht wurde, wechselte er 1983 ins Profigeschäft. 1988 wurde er durch einen Sieg über Vincent Boulware IBF-Weltmeister im Supermittelgewicht.

"Rocky" war damit der dritte deutsche Weltmeister im Boxen nach Max Schmeling und Eckhard Dagge. Dreimal verteidigte er den Titel, bevor er ins Halbschwergewicht wechselte. In den 1990er Jahren elektrisierten seine Kämpfe gegen Henry Maske und Darius Michalczewski Millionen Fans vor dem Fernseher - inklusive hoch umstrittener Kampfrichterurteile. "Allet Beschiss, allet Schweine", schimpfte der Berliner, wenn er sich verschaukelt sah.

Millionen flossen nach Klage

1998 sicherte sich Rocchigiani den vakanten Titel im Halbschwergewicht nach WBC-Version. Allerdings erkannte der Verband ihm die WM-Krone wieder ab, weil Roy Jones Jr. den Titel angeblich nie abgelegt hatte. "Rocky" verklagte den WBC auf 31 Millionen Dollar Schadenersatz - und gewann. Der Verband musste Konkurs anmelden, später einigte man sich auf eine Zahlung von 4,5 Millionen Dollar. Seinen letzten Kampf bestritt Rocchigiani 2003 gegen Thomas Ulrich. Er endete mit einer Niederlage. Insgesamt gewann der Rechtsausleger 41 von seinen 49 Profikämpfen, 19 davon durch K.o. 

Immer wieder Eskapaden

Auch außerhalb des Rings war Rocchigiani immer für eine Schlagzeile gut. Die WBC-Millionen verpulverte er und musste zwischenzeitlich von Hartz IV leben. Wiederholt kam er mit dem Gesetz in Konflikt, wegen Delikten wie Körperverletzung oder Fahrens ohne Führerschein musste er für insgesamt 22 Monate ins Gefängnis. Lange Zeit hatte er auch mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen. In den vergangenen Jahren betrieb Rocchigiani ein Fitnessstudio, trat als Boxtrainer oder als Kommentator in Erscheinung. Laut "Bild" soll er in Italien zuletzt eine Freundin und zwei kleine Kinder gehabt haben.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte: "Berlin trauert um einen Sportler, der in den achtziger und neunziger Jahren die Massen fasziniert hat." "Rocky" sei bekannt gewesen als "eine Urberliner Type, der Schnauze mit Herz verband". Die Berliner hätten ihn "ins Herz geschlossen, wegen seiner kantigen, manchmal rauen Art".

Sendung: Abendschau, 02.10.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Mensch Gratze!
    Immer authentisch jewesen. Dit is nu aber echt zu früh det Du einfach so abtrittst.

    Du hast damals jewonnen! Punkt...aus!

  2. 8.

    und wieder ein Original weniger...

    Rocky...R.I.P.

  3. 7.

    Mach's gut Rocky,ich hab deine Kämpfe immer gerne gesehen....du warst ein großer im Ring.

  4. 6.

    Bin endlos traurig,haben als Kinder zusammen gespielt schade Ruhe in Frieden

  5. 5.

    Rocky war für mich der mitreisendste Boxer Deutschlands der letzten Jahrzehnte,mutig,schlagstark unbändiger Kampfgeist faszinierend ihn im Ring zu sehen(wenn er fit war).Leider wurde er übel verschoben auch gegen Maske den sogenannten Gentleman Boxer, der er nie war.Schade dass seine Kinder und seine Frau die späten gereiften Jahre nicht mehr lange erleben durften und er sein geläutertes Leben .Mein Mitgefühl und Hut ab vor einem ganz grossenBoxer.

  6. 4.

    Trauer um einen großartigen Boxer.

  7. 1.

    Ein Mann mit vielen Ecken und Kanten aber er hat immer dafür grade gestanden für alles was er getan hatte. Ciao Graciano!!

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