Paul Keuter bei einem Spiel von Hertha BSC. Quelle: imago/Contrast
Audio: Inforadio | 12.10.2018 | Jakob Rüger | Bild: imago/contrast

Interview | Hertha-Markenchef Paul Keuter - "Digitalisierung bietet wahnsinnig viele Chancen"

Hertha BSC hat sich der Digitalisierung auf vielen Ebenen verschrieben. Am Freitag wurde in diesem Zuge Herthas E-Sports Akademie feierlich eröffnet. Hertha-Markenchef Paul Keuter über die neuartige Sportart und ihren Nutzen für Hertha BSC.

Teile der aktiven Fanszenen kritisieren die Digitalisierung von Hertha BSC und Keuters Arbeit stark. In dieser Woche kam es zu einer Eskalation, bei der das Wohnhaus von Paul Keuter beschmiert wurde. Zu diesem Vorfall äußerte sich Keuter im Interview mit rbb24 nicht.

rbb|24: Herr Keuter, am Freitag wurde die erste E-Sports Academy von Hertha BSC eröffnet. Was hat es damit auf sich?

Paul Keuter: Wir wollen uns neue Zielgruppen erschließen. Wir haben uns im gesamten Klub dem Fortschritt verschrieben. Diesen Wert leben wir in allen Abteilungen – vor allem im sportlichen Bereich. Deshalb setzen wir uns mit neuen Begebenheiten auseinander, wie dem E-Sport, der eine große Faszination ausübt. Hier ist es wichtig, dass wir den "Hertha-Weg" weiter gehen. Wir möchten keine Spieler teuer verpflichten, sondern viel mehr eigene Spieler entwickeln und ausbilden. Wir möchten also nicht den nächsten FIFA-Weltmeister einkaufen, sondern selbst entwickeln.

Die Ausbildung steht hierbei auf drei Beinen: Zum einen werden die Spieler im FIFA-Spielen ausgebildet, die Ernährung und Gesundheit der Sportler soll gesichert sein und es gibt allgemeine Schulungen zum Thema Social Media. Das steht uns gut zu Gesicht.

Warum interessieren Sie sich als Fußball-Bundesligist für den Bereich E-Sports?

Wir wollen das Durchschnittsalter in den Stadien senken und junge Leute für uns begeistern. E-Sports ist da ein Weg. Dazu kommt, dass unsere Bundesliga-Spieler fast nichts anderes machen, als FIFA zu spielen. Jordan Torunarigha und Sidney Friede sind an der Konsole übrigens mit die Besten. Das passt also einfach zusammen. Andere Bundesliga-Vereine machen ja die Tür auch komplett zu. Ich glaube, wir bei Hertha BSC haben einen guten Weg gefunden und vor allem einen – wenn ich das sagen darf – der sich rentiert.

E-Sports ist nur ein Teil der großen Digitalisierung, die bei Hertha BSC voranschreitet. Warum ist Ihnen diese Digitalisierung so wichtig?

Naja, diese Digitalisierung sollte uns allen wichtig sein. Das betrifft nicht nur Hertha BSC, das betrifft jedes Unternehmen aber auch die gesamte Gesellschaft. Die Digitalisierung stellt uns vor viele Fragen, bietet uns aber auch wahnsinnig viele Chancen. Das ist das, was wir versuchen bei uns im Klub zu leben. Es gibt viele Menschen, die Angst haben vor den Entwicklungen. Aber wenn wir unseren Teil dazu beitragen, Menschen mitzunehmen und zu zeigen, dass schnelle Entwicklung nicht so schlimm ist, wenn wir uns Gedanken darüber machen, wie wir in Zukunft leben und arbeiten wollen, dann haben wir an der ein oder anderen Stelle auch Potential auf Verbesserung.

Wie kann man die E-Sports-Kritiker bei Hertha BSC mitnehmen?

In erster Linie sollten wir sie dafür begeistern, indem wir ihnen zeigen, was wir hier überhaupt machen. Und dann musst du wie bei allen schnellen Veränderungen mit den Leuten reden und versuchen zu erklären, was du machst. Manches sind unternehmerische Überlegungen, die jemand, der eine bestimmte Art von Romantik pflegt, nicht verstehen mag und vielleicht auch nicht verstehen will. Das kann ich übrigens auch nachvollziehen. Trotzdem gibt es aber auch Dinge, von denen ich glaube, dass sie uns helfen. Wer glaubt, dass die Digitalisierung vor dem Sportbereich halt macht und dass diese nicht schon längst in das Kerngeschäft unseres Klubs eingreift, macht keinen Sinn. Der Fußball ist bereits digitalisiert.

Wie gut ist Paul Keuter an der Konsole?

Überhaupt nicht gut. Ich habe noch nie in meinem Leben gespielt. Das Einzige was ich ab und zu mache, ist auf meinem Smartphone Schach zu spielen. Komischerweise habe ich trotzdem eine Affinität für alles Neue und gucke auch gerne durch jede Tür, die verschlossen ist.                                                                                                 

Das Interview führte Jakob Rüger für das rbb-Inforadio. Die hier veröffentlichte Version ist ein redigierter und gekürzter Auszug.  

Sendung: Inforadio, 12.10.18, 18:00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

1 Kommentar

  1. 1.

    Besser währe sich noch mehr Chancen auf dem Rasen zu erarbeiten

Das könnte Sie auch interessieren