Kinder schwenken eine Fahne, im Hintergrund läuft die Mannschaft
Simon Wenzel
Video: rbb|24 | 10.10.2018 | Philipp Büchner | Bild: Simon Wenzel

Hertha BSC auf Kieztour in Mahlsdorf - "Wir waren alle mal klein"

Hertha BSC setzt in der Länderspielpause seine Kieztour fort: Nach Mariendorf besuchte das Profiteam von Pal Dardai am Dienstag den BSV Eintracht Mahlsdorf. Nicht nur Profi-Flair gab es dadurch für den Verein -  die Mahlsdorfer nehmen auch finanziell etwas mit.

Plötzlich sind sie einfach da. Etwas zu früh und ohne große Show – die Hertha Profis spazieren von den spärlichen Umkleidehäuschen auf den weiten Mahlsdorfer Sportplatz, ganz normal, wie man in Mahlsdorf beim BSV Eintracht eben so auf den Platz kommt. Erst als die Spieler schon fast die Mittellinie erreicht haben, schreitet der Stadionsprecher Fabian von Wachsmann doch noch zur Tat.

"Hier ist eure Mannschaft - die Mannschaft von Hertha BSC!" hallt es über den weitläufigen Sportplatz am Rosenhag, mitten im Hellersdorfer Wohngebiet. Als hätte das hier noch keiner bemerkt. Die gut 1.000 Fans haben sich schon längst an den Absperrungen hinter der roten Laufbahn platziert, mit Trikots und Fahnen ausgerüstet - und das mitten im Einzugsgebiet des 1. FC Union.     

Niklas Stark schreibt fleißig Autogramme
Der verletzte Niklas Stark (l.) schreibt geduldig Autogramme. | Bild: Simon Wenzel

"Krass, dass die echt hier sind"

"Ich find's richtig schön, dass die hier sind", sagt Matteo. Der Zehnjährige spielt in der E-Jugend der Mahlsdorfer Eintracht und darf mit seinen Mitspielern direkt am Spielfeldrand auf dem Rasen Platz nehmen. "Als ich das erste Mal gehört habe, dass die kommen, fand ich das sehr cool und habe gefragt: Wirklich, die Profis? Ich dachte, nie im Leben, aber das ist sehr krass, dass die Profis jetzt echt da sind!"

Sein Held: Davie Selke, der (ungekrönte) König der Mahlsdorfer Massen. Nicht der einzige prominente Hertha-Spieler, der trotz der Länderspielpause den Weg in den fernen Kiez gefunden hat. Kapitän Vedad Ibisevic etwa, oder Salomon Kalou und der wiedergenesene Vladimir Darida. Auch die derzeit Verletzten Niklas Stark und Karim Rekik sind hier, um ihre Fingerfertigkeit beim Autogrammeschreiben zu trainieren, während die Kollegen ein paar Runden um den Platz drehen, Sprints und Torschüsse absolvieren - etwa eine Stunde dauert die Einheit des Bundesligisten auf dem Platz des Berlin-Ligisten.

Der "heilige" Rasen von Mahlsdorf
Der heilige Mahlsdorfer Rasen | Bild: Simon Wenzel

Hertha macht Werbung - aber Mahlsdorf hat auch was davon

"Ist ein guter Rasen", sagt Jeremy (16) mit Blick zu seinen Idolen: "Hier muss sich sicher keiner quälen." Auch er hat hier schon gespielt, jetzt ist er Schiedsrichter beim BSV Eintracht. Vor dem Hertha-Training ließ Mahlsdorf an seinem Rasen sogar extra nochmal arbeiten, verrät der Jugendleiter Marian Türpe. Nötig war es eh und mit dem Hertha-Training habe sich der Prozess etwas beschleunigen lassen.  

Mahlsdorf ist die zweite Station von Herthas sogenannter Kieztour. Anfang September schauten die Blau-Weißen schon in Mariendorf vorbei, insgesamt sechs Bezirke wollen sie bis zum Ende der Saison besuchen. Rein in die Kieze - wieder volksnäher sein, schließlich gab es in der Vergangenheit immer mal wieder Kritik von den Fans, zuletzt als der Verein die Einlaufhymne ersetzen wollte. "Hertha will hier ja auch Werbung machen", erkennt Matteo erstaunlich abgeklärt für seine zehn Jahre, "aber Mahlsdorf macht damit ja auch Werbung, also find ich das gut."

Der BSV Eintracht Mahlsdorf machte nebenbei auch ein bisschen Geld. 1,50 Euro kosten die Getränke und Bratwürste an den zwei Stadionbuden, die Hertha mitgebracht hat. 50 Cent davon gehen an die Jugendabteilung des BSV.

Trainingsspiel mit den Kindern und ein Platzsturm

Wichtiger ist aber für die Mahlsdorfer, dass sie ihren Idolen so nah wie selten sein können. "Super! Man kennt sie ja sonst nur aus dem Stadion", freut sich Ann Reum. Sie wohnt direkt in der Nähe des Mahlsdorfer Sportplatzes - "Fünf Minuten mit dem Fahrrad". Neben ihr liegt schon das Trikot ihrer Wahl bereit zum Unterschreiben, Salomon Kalou ist der Profi, um den es hier geht.

Die Mahlsdorfer E-Jugend darf am Ende nicht nur auf Autogramme-Jagd, sondern auch auf Balljagd gehen: Trainer Pal Dardai beschließt, dass er seine Mannschaft einem letzten Härtetest unterziehen will. Gemeinsames Trainingsspiel mit den Kindern, darüber hätte Davie Selke sich als Kind auch gefreut: "Jeder war mal selber klein, hat Vorbilder gehabt, Idole gehabt, deswegen können wir uns da rein versetzen und freuen uns, dass wir mit sowas Kleinem eine Freude machen können."

Er selbst war beim anschließenden "Platzsturm" der Mahlsdorfer einer der begehrtesten Männer - machte geduldig Fotos und schrieb Autogramme. Geht es nach Trainer Pal Dardai, sollten auch ein paar Jungs aus Mahlsdorf ein Autogramm geben. "Da waren zwei, drei talentierte Jungen dabei. Ich hoffe, meine Trainerkollegen haben schon die Nummern aufgeschrieben", sagte er mit einem Augenzwinkern. Dann, nach etwas mehr als zwei Stunden, verschwanden die Charlottenburger wieder. Jetzt sollen die Mahlsdorfer erst einmal wieder Hertha besuchen.

Sendung: rbb UM6, 10.10.2018, 18 Uhr

Beitrag von Simon Wenzel

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