Horst Milde im Ziel des Berlin-Marathons als Fotograf. Bild: imago/Norbert Wilhelmi
Video: rbb UM6 | 24.10.2018 | Dennis Wiese | Bild: imago/Norbert Wilhelmi

Horst Milde wird 80 - Der Mann, der Berlin den Marathon brachte

Das Laufen habe er nicht erfunden, sagt Horst Milde selbst. Aber er hat es im großen Stil nach Berlin gebracht. Am Mittwoch wird der Gründer des Berlin-Marathons 80 Jahre alt. Aktiv ist der Rentner noch immer - sein Revier: das Tempelhofer Feld.

Horst Milde lässt sich so schnell nicht stoppen, auch nicht vom kühlen Nieselregen und dem unangenehm peitschenden Wind auf dem Tempelhofer Feld. Mit gesenktem Kopf kämpft er sich auf seinem alten blauen Fahrrad die lange Landebahn hinauf - gegen den Wind. Diesen ungemütlichen Herbstmontag vor seinem 80. Geburtstag einfach im Bett verbringen? Nicht mit Horst Milde.

"Das sollte man auch im Alter nicht. Auf die Couch legen mal ab und zu: ja - aber das sollte durch Sport unterbrochen werden, damit die alten Knochen rüstig bleiben", sagt er. Sport macht Horst Milde eben besonders gerne auf seinem alten Drahtesel direkt vor der Haustür in Tempelhof, komme da welch Wetter wolle. 

Berlin-Marathon: Aus dem Grunewald zum Weltereignis

"Mit dem Fahrrad macht es hier richtig Spaß, zum Laufen sind mir die Graden hier viel zu lang, das findet ja nie ein Ende." Und das von dem Mann, der den Klassiker der Langstreckenläufe nach Berlin brachte. 1974 organisierte der West-Berliner die erste Marathon-Laufveranstaltung für Jedermann im Grunewald. Damals am Start: 286 Läufer - 244 davon erreichten das Ziel in der Nähe der Avus.

"Man muss Visionen haben", sagt Milde über die Zeit damals. "Ich habe das Laufen nicht erfunden und den Marathon auch nicht. Aber ich habe im Ausland vieles gesehen und dann muss man Manns genug sein, das auch umzusetzen." Das tat er - gegen alle Widerstände: 1981 ging der Berlin-Marathon zum ersten Mal durch die (West-)Berliner Innenstadt, 1990 führte die Strecke am 1. Oktober durchs Brandenburger Tor - von West nach Ost und zurück, damals schon mit 25.000 Teilnehmern. Heute ist der Berlin-Marathon ein Weltereignis, bei dem die besten Läufer auf Weltrekordjagd gehen, gefolgt von mehr als 44.000 Breitensportlern. Das ist vor allem Horst Mildes Hartnäckigkeit zu verdanken.

Einmal wollte er zum Beispiel die Strecke am Checkpoint Charlie vorbeilaufen lassen, also direkt am damaligen Grenzübergang vom Amerikanischen Sektor in die DDR. "Das geht nicht, hier müssen die Diplomaten-Autos durch", soll ihm da ein zuständiger Polizeidirektor gesagt haben. Milde nutzte seine Beziehungen zu einem hohen US-Beamten in Berlin, der fand einen Kompromiss - der Marathon durfte am Checkpoint Charlie vorbei. Wenn ein Diplomaten Auto gekommen wäre, hätten die Läufer eben kurz anhalten müssen. "Der Polizeidirektor hat fast einen Anfall bekommen", sagt Horst Milde mit einem schelmischen Grinsen, als er die Geschichte erzählt.

Einmal durchs Brandenburger Tor laufen

Sein schönster Laufmoment: "Als wir am 1.1.1990 zum ersten Mal einen Lauf von West- nach Ostberlin und zurück machen konnten. Neujahrslauf, es ging um gar nichts, aber wir hatten 20.000 begeisterte Teilnehmer." Das war auch der Tag, an dem sich Horst Mildes Läufer-Traum erfüllte, "einmal durchs Brandenburger Tor zu laufen".

Heute leitet sein Sohn Mark den Berlin-Marathon, er bleibt sozusagen ein Familienunternehmen. "Etwas besseres kann einem nicht passieren", sagt Horst Milde dazu "meine Kinder sind ja damit groß geworden - die konnten noch nicht mal über die Tischkante gucken, da haben sie schon mitgeholfen."  

Er selbst berät heute internationale Marathonveranstalter und schreibt für seine eigene Lauf-Homepage. Das beschäftigt ihn jeden Tag, aber für ein bisschen Sport ist immer Zeit - und so fährt er auch an seinem Geburtstag mit dem Fahrrad übers Tempelhofer Feld. Mit dem blauen Rad mit Dreigangschaltung (zwei funktionieren aktuell) hat er übrigens ein noch längeres Durchhaltevermögen als mit seinem Marathon: Das Fahrrad bekam er 1950 zur Kommunion geschenkt.  

Sendung: rbb UM6, 24.10.2018

Das war der Berlin-Marathon 2018

Beitrag von Simon Wenzel

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