Surf-Exot mit großen Zielen: Afridun Amu will zu den Olympischen Spielen. imago/Aflosport
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Video: rbbUM6 | 11.10.2018 | Torsten Michels | Bild: imago/Aflosport

Porträt | Afridun Amu aus Afghanistan - Der Surf-Exot vom Tempelhofer Feld

Surfen ist in Berlin sicherlich nicht die Sportart Nummer 1. Afridun Amu möchte seine Leidenschaft trotzdem nicht aufgeben. Im Berliner Süden trainiert der Afghane deshalb regelmäßig. Zudem dreht er einen besonderen Surf-Film. Von Jonas Bürgener

Afridun Amu ist 31 Jahre alt, gebürtiger Afghane aus Kabul und lebt seit zehn Jahren in Berlin. Seine - für Berlin und Kabul eher ungewöhnliche - Leidenschaft: Surfen. Schon lange ist Afridun vom Wellenreiten fasziniert. Die Kombination aus Balance, Schnelligkeit und Körperbeherrschung lässt ihn nicht mehr los. Auch in Berlin ist er deshalb ständig auf dem Brett unterwegs.

Nun hat Berlin zwar keine großen Wellen zu bieten, doch das stört Afridun wenig. Er trainiert auf dem Trockenen - zumeist auf dem Tempelhofer Feld. Hierzu verwendet er ein Carveboard. Er bezeichnet es als "progressives Skateboard", das den Surfbewegungen eines richtigen Surfboards sehr nahe kommt. Die rotierenden Achsen imitieren die Bewegung perfekt. Eine ideale Übung für jeden, der nicht an der Küste wohnt.

Afridun Amu trainiert auf dem Tempelhofer Feld. Quelle: rbb/Torsten Michels
Afridun Amu trainiert auf dem Tempelhofer Feld. | Bild: rbb/Torsten Michels

Auf der Suche nach der besten Welle

Bereits seit seinem sechsten Lebensjahr wohnt Afridun in Deutschland. Seine Familie musste aus seiner Heimat Afghanistan fliehen. Er wurde in Göttingen groß, lernte Deutsch und ging auf das Gymnasium. Nach dem Abitur reiste Afridun mit Freunden durch ganz Europa. In Frankreich stand er dann zum ersten Mal auf einem Surfbrett. Fortan ließ ihn die Faszination nicht mehr los.

Zum Studieren zog es den politik-begeisterten Afridun in die deutsche Hauptstadt, wo es ihm gefällt, auch wenn die Ozeane der Welt ein wenig zu weit entfernt sind. Das ist der Grund, warum er versucht, so viel Zeit wie möglich an den Surf-Hotspots der Erde zu verbringen. Bereits zu Studienzeiten packte Afridun Bücher und Hausaufgaben in den Rucksack und studierte einfach von Stränden in Australien, Frankreich oder anderen Ländern der Welt aus, an denen er sich gerade aufhielt.

So beendete er nicht nur sein Studium erfolgreich, sondern konnte bei diversen Surf-Wettkämpfen zudem gleich noch sein Können unter Beweis stellen. Höhepunkt waren seine Teilnahmen an zwei Weltmeisterschaften. Mittlerweile bezeichnet er Berlin nicht mehr als direkten Lebensmittelpunkt. Wo dieser heute ist, weiß er selbst nicht so genau. Er ist viel unterwegs und immer auf der Suche nach der besten Welle. In Berlin ist er aber trotzdem weiterhin gerne.

Filmprojekt in der Heimat

Seine Reiselust trieb ihn nun nach 25 Jahren auch wieder zurück in seine Heimat. Afghanistan hat ihn hierbei verzaubert. Er findet es schade, dass man in den Nachrichten immer nur die Horrormeldungen zu hören bekäme. "Die unglaublich schönen Landschaften und die Gastfreundschaft von Afghanistan muss man erlebt haben, die ist einzigartig", schwärmt der 31-jährige von seinem Heimatland.

Um auch anderen Menschen Afghanistan ein wenig näher zu bringen, dreht er nun zusammen mit einem Freund einen Film. Hierbei darf natürlich auch seine Leidenschaft für den Surfsport nicht fehlen. Surfen in Afghanistan - das ist bisher noch weniger denkbar als in Deutschland. Dennoch hat Afghanistan viele Flüsse, auf denen die eine oder andere Welle geritten werden kann. Gesurft wird nämlich nicht nur auf den Meeren der Welt, sondern auch auf stärkeren Flüssen.

Afridun möchte den Spaß, den das Surfen für ihn bedeutet, mit den Menschen in Afghanistan teilen. "Für mich ist Surfen pure Freude und wenn ich es schaffe einen Tropfen von dieser Freude nach Afghanistan zu bringen, dann ist das schon mehr als ich mir erhoffen kann", beschreibt er seine Motivation.

Es entsteht also ein Film, der zum einen eine neue Sportart in ein ohnehin sportbegeistertes Land bringen soll, zum anderen den Menschen in Deutschland aber auch das schöne und attraktive Afghanistan zeigt. Einen Teaser gibt es bereits, der ganze Film soll dann bis Ende des Jahres fertig werden.

Olympia 2020 - ein Traum

Sportlich könnte es für Afridun 2020 richtig spannend werden. Bei den Olympischen Spielen in Tokio ist Surfen dann zum ersten Mal als Disziplin vertreten. Natürlich höre es sich "stark an, dort mitsurfen zu können", doch möchte er sich nicht zu sehr auf Olympia fokussieren. Vielmehr sei es schön, dass Surfen nun olympisch ist, da Surfen nun noch mehr ermöglichen könne, auch in seiner Heimat Afghanistan.

Deshalb wird Afridun Amu auch in Zukunft weiter nach Afghanistan reisen und versuchen, surfen weiter zu etablieren.

Sendung: rbbUM6, 11.10.2018, 18 Uhr

Beitrag von Jonas Bürgener

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