1. FC Union Berlin gegen Borussia Dortmund im Achtelfinale um den DFB-Pokal am 26.10.2016 in Dortmund: Gonzalo Castro (Nr. 27, Borussia Dortmund), Philipp Hosiner (Nr. 16, 1. FC Union Berlin), Julian Weigl (Nr. 33, Borussia Dortmund), Felix Kroos (Nr. 23, 1. FC Union Berlin) (Foto: imago/Matthias Koch)
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Union Berlin vor Pokalspiel in Dortmund - "Wenn du nicht daran glaubst, wirst du auch nicht belohnt"

Union Berlin hat im DFB-Pokal die schwerstmögliche Aufgabe vor der Brust: ein Auswärtsspiel beim ungeschlagenen Bundesliga-Tabellenführer Dortmund. Doch der ebenfalls ungeschlagene Zweitligist nährt die Hoffnung auf eine Sensation. Von Uri Zahavi

"Zuversichtlich. Natürlich", sagt Urs Fischer und kommt hinter seinem Redner-Pult hervor. Es ist das Ende der Pressekonferenz vor dem Pokal-Zweitundenspiel bei Borussia Dortmund am Mittwoch - doch so richtig hat ihm eigentlich niemand eine Frage gestellt. Der stets gutgelaunte Schweizer schmunzelt und scheint - bewusst oder unbewusst - noch einmal eine gewisse Lockerheit nach außen tragen zu wollen. Denn das bevorstehende Duell mit der momentan wohl stärksten Fußballmannschaft Deutschlands, vor atemberaubender und ohrenbetäubender Kulisse im Westfalenstadion, kann einen schon mal nervös werden lassen.

Der Glaube zählt

"Es ist wichtig, dass die Mannschaft mit Freude und Spaß in dieses Spiel geht, dass sie es genießt. Denn zu verlieren haben wir nichts", berichtet der 52-Jährige. Wer Mimik und Gestik des Trainers genauer betrachtet, sieht eine Übereinstimmung mit seinen Worten. Der Mann wirkt wirklich entspannt und zuversichtlich - und so glaubt man ihm seine Worte und tut sie nicht einfach als Tiefstapelei oder handelsübliche Underdog-Floskeln ab.

"Wir müssen einfach an eine Überraschung glauben", bekräftigt der Übungsleiter. Es ist ein Wort, welches öfter fällt. Glaube. Angesprochen auf das 2:2 von Nachbar Hertha BSC am vergangenen Wochenende in Dortmund, lautet des Schweizers Urteil: "Wenn du nicht daran glaubst, wirst du auch nicht belohnt" - mit Sicherheit auch ein gutes Motto für Mittwoch.

Union Berlin und seine Pokal-Highlights

Einstellung wichtiger als Aufstellung

Eine Erkenntnis dieser Pressekonferenz kann also sein: Einstellung vor Aufstellung. "Es ist möglich, dass der eine oder andere Wechsel stattfindet", sagt Fischer mit Blick auf die Personallage. Sicher ist hingegen: Felix Kroos wird in Dortmund nicht bei der Umsetzung einer möglichen Sensation helfen können. Der Spielmacher erlitt beim 0:0 im Heimspiel gegen Dynamo Dresden eine Verletzung am Sprunggelenk.

Zum übermächtig scheinenden Gegner ist nicht viel zu sagen: Der BVB ist in Topform. Punkt. Der Bundesliga-Tabellenführer steht in diesen Wochen für teils furiosen Angriffsfußball - inklusive Gala-Vorstellungen wie in der Champions League gegen Atletico Madrid (4:0).

Vor zwei Jahren gab es die Paarung zwischen den Köpenickern und den Borussen schon einmal - ebenfalls im Westfalenstadion, ebenfalls in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Damals hielten die Eisernen mit allem, was sie hatten dagegen, schafften es bis ins Elfmeterschießen und verloren dort nur unglücklich (Endstand: 1:4).

"Ich denke schon, dass das Spiel noch in Erinnerung ist", ordnet Fischer die spektakuläre Partie von damals ein, bei der 12.000 Berliner Fans die Reise ins Ruhrgebiet antraten. Aber der aktuelle Union-Kader sehe anders aus als der vor zwei Jahren, sagt er weiter. "Ich glaube auch, dass Dortmund in dieser Verfassung nicht der Mannschaft von damals entspricht."

8.000 Union-Fans in Dortmund erwartet

Bei den Eisernen hapert es momentan vor allem in der Offensive: Nur ein Tor aus den vergangenen drei Zweitligaspielen mindert die Hoffnung auf einen Coup in Dortmund.  Positiv stimmt indes die starke Abwehrleistung in dieser Saison: Union hat die beste Defensive der Zweiten Liga und ist vor allem daher eines von nur noch zwei ungeschlagenen Teams im deutschen Profifußball. Das Zweite ist übrigens – wenig überraschend – der Gegner vom Mittwoch.

Ein netter Farbtupfer am Spielfeldrand ist das Wiedersehen alter Bekannter. Urs Fischer und BVB-Coach Lucien Favre arbeiteten jahrelang beim FC Zürich eng zusammen -  schätzen, mögen und respektieren sich. "Weil die Zusammenarbeit in den Anfängen meiner Trainerkarriere war, habe ich sicherlich das eine oder andere von ihm mitgenommen", sagt Urs Fischer und lächelt, wie er es so häufig tut.

Elfmeterschießen haben sie in Köpenick unter der Woche nicht trainiert. 8.000 Auswärtsfans erwartet Union Berlin morgen Abend in Dortmund. Die glauben, genau wie der Trainer, sicher ganz fest an eine Sensation.

Sendung: rbb UM6, 30.10.2018, 18 Uhr

Beitrag von Uri Zahavi

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Hallo Gregor,

    wir haben nochmal schnell den Staub von den Archivdeckeln gepustet und nachgesehen - Sie haben völlig recht. Respekt! Wir haben den Fehler geändert und wünschen Ihnen viel Spaß beim Spiel. Herzliche Grüße!

  2. 1.

    Ihr schreibt unterhalb vom Foto 1968 - "Meinhard Uentz und Wolfgang Blochwitz schießen die Eisernen zum 2:1-Sieg - und zur absoluten Sensation." Falsch - Wolfgang Blochwitz war der Torwart vom FC Carl Zeiss Jena und der hat auch kein Eigentor geschossen! Die Torschützen für Union waren Meinhard Uentz und Ralph Quest.

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