Unions Innenverteidiger Marvin Friedrich jubelt nach dem Treffer seines Teamkollegen Sebastian Polter vor der eigenen Fankurve und schreit seine Freude raus
Bild: imago/Contrast

Union Berlin vor Ostduell gegen Dresden - Mit Spektakel, aber nur ein bisschen

In den letzten beiden Heimspielen stürzte Union seine Fans in ein Wechselbad der Gefühle: Gegen Kiel und Heidenheim trafen die Eisernen spektakulär in der Nachspielzeit. Trainer Urs Fischer wünscht sich gegen Dresden: Etwas weniger Drama, bitte. Von Stephanie Baczyk

Urs Fischer winkt lachend ab. "Das klappt noch gut mit meinem Herzen", sagt der Trainer des 1. FC Union und meint damit die neuerdings emotional überbordenden Schlussoffensiven seiner Mannschaft - bei Heimspielen. Die letzten zwei Auftritte, gegen Kiel und Heidenheim, ließen die Fans auf den Rängen glückstrunken zurück. Gegen Holstein traf Stürmer Sebastian Polter bei seinem Comeback nach sieben Monaten Verletzungspause per Fallrückzieher zum 2:0 für Union, gegen Heidenheim erzielte Keeper Rafal Gikiewicz in der dritten Minute der Nachspielzeit per Kopf das 1:1. Mehr geht eigentlich nicht. "Das gehört zum Fußball dazu", so Fischer. "Ich habe das als Spieler auch genügend oft erlebt."

"Ein Spiel, das man besser gewinnen sollte"

Was der Schweizer als Trainer der Köpenicker bislang noch nicht erlebt hat: Den Ostklassiker zwischen dem 1. FC Union und Dynamo Dresden. Fischer feiert am Sonntag (13:30 Uhr) also eine Premiere - und wurde entsprechend gebrieft, "dass das ein Spiel ist, das man besser gewinnen sollte". Wenn Rot-Weiß auf Schwarz-Gelb trifft, wird es laut und emotional auf den Rängen und auf dem Platz. Das war schon immer so. Kein Wunder, dass die Partie auch dieses Mal ausverkauft ist. "Es ist ein Spiel, auf das du dich freuen musst", weiß Fischer. "Aber ich gehe davon aus, dass das wieder sehr eng und hart umkämpft wird."

Das letzte Aufeinandertreffen in Berlin hat Dynamo mit 1:0 für sich entschieden. Damals noch unter Trainer Uwe Neuhaus. Jetzt, in dieser Saison, sind die Eisernen als einziges Team der Zweiten Liga noch ungeschlagen. Dresden auf der anderen Seite ist gerade unter Maik Walpurgis, dem Neuen an der Seitenlinie, auswärtsstark - hat in der Fremde aus vier Spielen sieben Punkte geholt. "Das zeigt, dass die Mannschaft eine gute Qualität hat", so Fischer über den kommenden Gegner aus Sachsen. "Die haben immer einen guten Ball gespielt", sagt auch Stürmer Sebastian Polter. "Aber wir versuchen, uns einfach auf uns zu konzentrieren. Das hat uns in den letzten Wochen stark gemacht." 

Personell die Qual der Wahl

Union bezirzt mit Teamgeist und einer guten Defensivleistung - im Spiel nach vorne ist noch Luft nach oben. Der Coach wünscht sich mehr Mut von seiner Elf. "Wir haben es in Paderborn gezeigt", so Urs Fischer über den Auftritt beim 0:0 am vergangenen Wochenende. "In der ersten Halbzeit standen wir gut, ließen kaum etwas zu - bei der zweitbesten Mannschaft, wenn es um die Offensive geht. Aber die Mischung macht's schlussendlich aus. In der zweiten Halbzeit war das wesentlich besser und entschlossener."

Personell hat der Schweizer die Qual der Wahl. In Paderborn rückte Christopher Lenz hinten links anstelle von Ken Reichel in die Startelf - und in der zweiten Hälfte präsentierte sich der zuvor lange verletzte Joshua Mees nach seiner Einwechslung stark. "Das ist gut, weil du mehr Möglichkeiten hast", verrät Fischer, wenn auch ein wenig nachdenklich. "Aber auch weniger gut, weil du zum Teil Entscheidungen fällen musst für Spieler - und so am Ende doch gegen den einen oder anderen. Aber ich habe es schon lieber, wenn ich aus dem Vollen schöpfen kann."

Ein Spektakel für die Zuschauer - warum nicht?

Egal, wer am Ende spielen sollte: Vor heimischer Kulisse sind die Eisernen spitze, haben elf Punkte aus fünf Spielen geholt - Liga-Bestwert. "Ich hoffe natürlich, dass es am Ende ein Spektakel für die Zuschauer wird", gibt Trainer Fischer zu und muss schmunzeln. "Das erhofft sich ja jeder. Aber ich hoffe schon, dass das Drehbuch nicht ganz so spektakulär ist." Sie schlauchen dann doch ein bisschen, die Adrenalinschübe in der Nachspielzeit, wenn der 1. FC Union auf Torejagd geht.

Sendung: rbb24, 26.10.2018, 16:00 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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