Brandenburger Box-Ikone Axel Schulz wird 50
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Video: rbb24 | 09.11.2018 | Stefan Frase / Eik Galley | Bild: rbb

Interview | Brandenburger Box-Ikone Axel Schulz wird 50 - "Morgens fühle ich mich wie 70, am Abend manchmal wie 30"

Seine großen Kämpfe um Welt- und Europameisterschaft hat er verloren. Und trotzdem war der gebürtige Bad Saarower immer ein Liebling der Fans. Am Freitag wird Axel Schulz 50. Im Interview spricht er über seinen größten Kampf - und erklärt, warum er käuflich ist.

rbb|24: Was machen die Sandsäcke? Gehen Sie aus Spaß noch einmal ran?

Axel Schulz: Ich habe einen im Keller. Allerdings hängt der nicht an der Wand. Das Risiko war mir zu groß, dass der abreißt und die Decke damit runterkommt. Also steht er auf dem Boden. Manchmal haue ich noch dagegen, ja.

Sie haben als Elfjähriger mit dem Boxen angefangen, haben zu DDR-Zeiten viele Junioren-Meisterschaften gewonnen. Kurz nach der Wende sind sie Profi geworden. Was hat das damals für Sie bedeutet?

Die Leute haben damals zu mir, Henry Maske und unserem Trainer Manfred Wolke gesagt: "Ihr seid doch bescheuert". Profiboxen war in Deutschland überhaupt nicht angesehen. Mir hat das Training aber immer Spaß gemacht. Und Manfred Wolke hat gesagt: "Wir probieren das. Wenn es gut geht, dann gut. Wenn nicht, dann nicht." Ich habe Mechaniker gelernt. Mein Plan B war immer ein klassisches Berufsleben.

Wenn man einen Profivertrag hat: Wer bestimmt, was man tut und was man lässt?

Für mich hat sich durch den Profivertrag nicht viel geändert. Als Amateure in der DDR haben wir auch gelebt wie Profis. Der Leistungssport wurde gefördert, wir haben in Frankfurt/Oder alle Möglichkeiten gehabt, zwei Mal täglich trainiert.

Wenn Sie jetzt zum 50. zurückblicken: Welchen Boxkampf wird man immer mit Axel Schulz verbinden?

Definitiv den gegen George Foreman. Zum ersten Mal konnte ich um die Weltmeisterschaft kämpfen.

George war und ist eine Legende. Und ich habe einen richtig guten Kampf gemacht. Aber für den Titel hätte ich ihn umhauen müssen. So habe ich nach Punkten verloren. Es gibt drei Punktrichter, die haben ihre Sicht der Dinge. Da kann man nichts machen. Aber im Nachhinein haben alle gesagt, auch in Amerika: Das war Schiebung, das war ein Fehlurteil, Schulz hätte gewinnen müssen.

Gefühlter Sieger: Axel Schulz jubelt nach seinem Kampf gegen Foreman, unterliegt aber nach Punkten (imago/Sven Simon)
Nach dem Jubel kam die kalte Dusche: Schulz unterliegt nach Punkten gegen George Foreman.

Wie kam der Kampf überhaupt zustande?

Ich hatte 1994 eine Art Ausscheidungskampf gewonnen. Gegen James Smith, Ex-Weltmeister, ein 120-Kilomann. Der konnte hauen wie ein Pferd, hat mir in der zweiten Runde auch gleich die Nase gebrochen. Den Kampf habe ich aber nach Punkten gewonnen. Danach hat mich Manager Wilfried Sauerland gefragt, ob ich gegen Foreman um den Titel kämpfen will.

Unser Management hat auch 350.000 Dollar an den Boxverband IBF überwiesen, damit das alles klappt. So ist das im Profiboxen: Das muss doch ein bisschen zwielichtig sein, schmuddelig und anrüchig.

Sie haben viele Kämpfe gewonnen. Aber immer, wenn es um Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften ging, haben Sie verloren. Warum?

Wenn du um große Titel boxt, kannst du auch verlieren. Ich habe drei Mal um die Europameisterschaft geboxt, drei Mal um die Weltmeisterschaft. Geklappt hat es nie. Das sehe ich völlig entspannt.

Sie sind auch heute mit Basecap hier, Ihr Markenzeichen. Wie kommt das?

Das ist 1992 entstanden. Ich habe um die Europameisterschaft geboxt. Vor dem Kampf kam ein Partner auf mich zu und hat gefragt, ob ich mit einem Basecap in den Ring gehen kann. Da kriegt man natürlich auch Geld für. Ich hatte die Kappe übrigens auch bei meiner Hochzeit auf, meine Frau hat es nicht gestört.

Auf Ihrer Internetseite steht "Ick bin käuflich".

Klar, ich war früher beim Boxen käuflich. Das bin ich jetzt auch. Man kann mich als Grillmeister mieten. Und ich habe über 35 Produkte aus dem Genussbereich im Angebot: Würste, Soßen – das ist ein super Job.

Was macht die Gesundheit?

Ich hatte 2006 einen Schlaganfall nach einem Boxkampf. Das ist alles gut ausgegangen, weil ich schnell behandelt wurde. Aber: Meine Knie sind im Arsch, meine Gelenke schmerzen. Morgens fühle ich mich wie 70, am Abend manchmal wie 30.

Einer Ihrer Kollegen, Graciano Rocchigiani, ist vor kurzem beerdigt worden.

Das war der größte Schock für mich. Wir wollten uns eigentlich noch treffen. Ich war zu Hause mit meiner Frau, habe dann einen Anruf erhalten. Ich kann es bis heute noch nicht wahrhaben. Wir haben viel und oft dämlich gequatscht, er war ein toller Typ.

Zur Beerdigung sind Sie nicht gegangen.

Das habe ich nicht übers Herz gebracht. Das war so eine große Veranstaltung, das mache ich lieber mal für mich alleine.

Wird es eine Party zum 50. geben?

Nein, gar keine Party. Mich stört nichts an der Zahl, aber an meinem Geburtstag ist mal meine Mama verstorben. Da brauche ich nichts zu feiern. Wir werden schön mit der Familie essen gehen – das reicht.

Das Interview mit Axel Schulz führte Frank Schröder

Axel Schulz wird 50

Sendung: rbb UM6, 09.11.2018, 18 Uhr  

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Er war ein klasse Sportler. Auch wenn er die wichtigsten Kämpfe verloren hat, erst einmal soweit zu kommen, um den Weltmeistertitel kämpfen zu dürfen, verdient Respekt und Anerkennung

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