Andreas Wiesner (Quelle: imago)
Video: rbb UM6 | 27.11.2018 | 18 Uhr | Jonas Schützeberg | Bild: imago

Porträt | Berliner Schwimmer Andreas Wiesner - Der Weg zu den Olympischen Spielen führt über Instagram

Andreas Wiesner hat ein Ziel: Olympia 2020 in Tokio. Das eint den Schwimmer von der SG Neukölln Berlin mit vielen Spitzenathleten. Doch der Weg dorthin ist ein besonderer: Es geht um Sponsoren - und um soziale Medien. Von Johannes Mohren

Um zu erfahren, was Andreas Wiesner so macht, braucht es keine aufwändige Recherche. Im Gegenteil. Eigentlich reichen ein paar Klicks bis auf sein Instagram-Profil. Dort ist der 24-Jährige ausgiebig zu betrachten. Meist in Badehose - und meist ist ein Schwimmbecken in der Nähe. Wer sich hier ein bisschen Zeit nimmt, der erfährt so einiges über Wiesner. 2.117 Menschen tun das regelmäßig. Sie folgen ihm. Ein echter Influencer mag diese Zahl müde belächeln, für einen Schwimmer wie Andreas Wiesner ist das jedoch eine ganze Menge. 

Und es ist gewollt. Ja, es steckt viel Arbeit darin. Social Media, das gehört genauso zu seinem Leben wie das Schwimmbecken. Dort ist er äußerst erfolgreich. Ein Beispiel: Wenn Mitte Dezember in Berlin die Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften stattfinden, ist Wiesner auf gleich drei Strecken Titelverteidiger. Darunter 200 Meter Rücken. Seine Paradedisziplin. Seit 2018 startet er für die SG Neukölln Berlin. 2020 will er in Tokio bei den Olympischen Spielen am Start sein. Kürzlich war er für einen Weltcup in der japanischen Metropole. Dokumentiert hat er das - natürlich - auf Instagram. Er schrieb: "Goodbye Tokyo! I will come back soon!". 

Social Media spielt bei seinem großen Traum eine wichtige Rolle. #Gesekegemeinsamstark ist der Hashtag, der sich unter fast allen Posts findet. Er ist der direkte Hinweis darauf, wie Wiesner den Weg finanziert, der in Tokio enden soll. Anders als viele andere Athleten steht der 24-Jährige nicht bei der Bundespolizei oder der Bundeswehr auf dem Gehaltszettel. Er setzt ausschließlich auf private Sponsoren. In Geseke - seiner Heimat im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen - hat er dafür ein Unterstützerbündnis: "Geseke - Gemeinsam stark für Tokio 2020", heißt es. Rund 20 Sponsoren hat der Schwimmer von der SG Neukölln Berlin. Allesamt helfen ihm mit kleineren Beträgen. In der Summe kommt Wiesner dadurch auf rund 30.000 Euro im Jahr. "Da kann man dann schon ganz gut von leben", sagt er. 

Das Ziel: mehr Unabhängigkeit

Die Sponsoren wollen informiert sein. Und bei der Suche nach neuen Geldgebern gilt es, auf sich aufmerksam zu machen. Selbst eine Marke zu sein. Bei Wiesner gehört dazu seine rote Badekappe - an ihr erkennt man den 24-Jährigen. In Geseke hat Wiesner eine Kolumne in der regionalen Tageszeitung. Es ist eine Plattform direkt vor Ort. Seine Social-Media-Kanäle bieten darüber hinaus die Möglichkeit, noch deutlich mehr Menschen zu erreichen.

"Sie sind einfach sehr interessant, weil viele Leute die Bilder sehen. Hashtags kann man schnell verfolgen", sagt Wiesner. Er versuche immer aktuell über sein Trainings- und Wettkampfgeschehen zu informieren, um alle Zuschauer auf dem Laufenden zu halten - und auch die Geldgeber: "Sie kriegen mit, wie der Weg läuft. Und sind sehr begeistert." Zudem dienen seine Internet-Auftritte auch als Werbefläche. Viele der Namen, die ihn unterstützen, tauchen dort auf.

Doch warum überhaupt dieser Sonderweg mit Sponsoren? Wer mit Wiesner darüber spricht, hört oft das Wort Unabhängigkeit. Das bezieht sich auch auf den Verband - zumindest ein stückweit. "Ich wollte mich nicht auf Kaderstatus oder Ähnliches verlassen müssen", sagt der 24-Jährige. Also das, wovon die finanzielle Förderung durch den Verband maßgeblich abhängt. Immer auch mit der Gefahr wegzubrechen, wenn die Zeiten nicht stimmen. Wiesner will frei sein. Sich ganz auf sich konzentrieren - auf seine Leistung. Das ermöglicht ihm sein Modell.

Weg nicht immer einfach

Mühsam ist auch dieser Weg. Sponsoren für den Schwimm-Sport fallen nicht vom Himmel. Wiesners Werbetour in eigener Sache hat vor einigen Jahren auf einer Sportlerehrung in Geseke angefangen. "Dort habe ich mal ein bisschen vom Alltag als Leistungssportler erzählt. Daraufhin kamen dann einige Unternehmer auf mich zu", erzählt er. Seitdem wachse das anfangs kleine Konstrukt kontinuierlich. Auch heute noch.

Für Wiesner war die Sponsorensuche auch ein Lernprozess. "Es ist sehr, sehr schwierig, sich da reinzufinden", sagt er - und: "Als Schwimmer backt man immer erst einmal etwas kleinere Brötchen. Ist ein bisschen vorsichtig." Das abzulegen, war wichtig. Selbstvertrauen auszustrahlen. "Das gefällt den Leuten auch besser. Man muss wissen, was man selbst wert ist, was man leistet und das auch selbstbewusst rüberbringen. Nicht überheblich, aber selbstbewusst."

Fernstudium und Fernweh

Seine Leistung gibt dazu allen Grund. In Berlin wird er nun von Stefan Hansen trainiert - der Däne formte bereits Olympiasieger. Training, das heißt auch ab und an Quälerei, zwangsläufig. Wiesner hilft es zu wissen, wofür er es tut: "So ein langfristiges Ziel motiviert einen einfach jeden Tag. Auch wenn man mal einen schlechten Tag hat. Oder müde ist. Dann muss man überlegen: Wo will ich hin? Und dafür muss ich halt jeden Tag arbeiten."

Voller Fokus auf 2020 also. Aber Wiesner hat auch Pläne für danach. Er macht im Fernstudium eine Heilpraktiker-Ausbildung, will später Physiotherapeut werden. Und auch sonst hat er Ideen: "Ich würde gerne durch die Welt reisen. Das mache ich jetzt schon, aber man sieht meistens nur Hotel und Schwimmhalle. Durch Kanada wandern wäre zum Beispiel ein Traum." Tolle Bilder für den Instagram-Account ließen sich dabei sicherlich schießen. Vorerst wird sich auf dem aber (fast) alles weiter um Schwimmbecken drehen. Im Spätsommer 2020 - wenn alles nach Plan läuft - dann um die in Tokio. Ein strahlender Andreas Wiesner unter den Olympischen Ringen gäbe sicherlich viele Favs. Und zahlreiche interessierte Neu-Sponsoren.

Sendung: rbb UM6, 27.11.2018, 18 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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