Kaputte Scheibe bei Eisbären gegen Schwenningen (Quelle: imago/König)
Video: rbb um6 | 04.11.2018 18 Uhr | Simon Wenzel | Bild: imago/König

Hördler zerschießt Plexiglasscheibe - Eisbären ringen Schlusslicht Schwenningen nieder

Die Eisbären Berlin haben in einer spektakulären Partie das Schlusslicht Schwenningen gerade so besiegen können: Die Berliner gaben eine frühe Zwei-Tore-Führung her - um die Partie dann wieder zu drehen. Frank Hördler sorgte für eine der Szenen dieser Saison.

Die Eisbären Berlin haben gegen Tabellenschlusslicht Schwenningen den Kopf gerade noch aus der Schlinge gezogen und nach großem Kampf mit 5:3 (2:3, 1:0, 2:0) gewonnen. Nach früher Zwei-Tore-Führung durch Kettemer und Fischbuch, die innerhalb von nur 82 Sekunden trafen, verloren die Gastgeber den Faden und ließen sich das Spiel noch im ersten Drittel aus der Hand nehmen. Im zweiten und dritten Viertel drehten die Gastgeber auf und sorgten für ein versöhnliches Ende.

Hördlers Power zerschmettert Plexiglasscheibe

Es läuft die 46. Spielminute in der Arena am Ostbahnhof, da passiert es. Eisbären-Verteidiger Frank Hördler bekommt die Scheibe im Angriff, schaut einmal hoch und zieht ab. Der Puck zischt mit enormer Geschwindigkeit deutlich über den Kasten der Gäste. So weit, so wenig außergewöhnlich. Was sich in den Zehntelsekunden danach ereignet, gehört wohl sofort zu den Szenen dieser Eishockey-Saison. Es macht einmal laut "Bumm" und die Scheibe knallt gegen eine der zahlreichen Plexiglasscheiben hinter dem Kasten - zerschmettert diese in tausend Einzelteile. Als die Plexiglasscheibe langsam in sich zusammensackt, geht ein kurzes Raunen und dann großer Jubel durch die Arena. So etwas sieht man wirklich nicht alle Tage.

Das wird sich auch Michael Mallow mit seinem kleinen Sohnemann auf den Schultern gedacht haben. Der Eisbären-Fan bekommt direkt hinter dem Tor stehend zwar einen Glassplitter an die Wange, doch selbst ein kleiner, blutender Cut kann ihm sein Grinsen nicht vermiesen. "Das ist doch Hammer", erzählt der Anhänger. "Wir sind hier schließlich beim Eishockey. Das einfach der Hammer." Das Grinsen kann sich auch Scharfschütze Frank Hördler während der gut fünfzehnminütigen Spiel-Unterbrechung nicht verkneifen. "Man muss sagen, dass passiert im Training schon mal öfter. Aber, dass das heute genau da bei den Fans passiert - ist für die natürlich super", schmunzelt der 33-Jährige nach der Partie.

Erstes Drittel beginnt lahm, nimmt dann Fahrt auf

Die Partie war schon vor diesem Highlight abseits des Eises ein echter Hingucker. Das erste Drittel beginnt jedoch zunächst verhalten. Wenn es Torchancen gibt, dann am ehesten für die Gäste. Nachdem Eisbären-Goalie Poulin die Gastgeber mit zwei Paraden vor einem Rückstand bewahrt, schlagen die Berliner gnadenlos zu. Ein flüssiger, temporeicher Angriff über die rechte Seite bringt die Führung. Rankel spielt in die Mitte auf Noebels, der beweist Übersicht und sieht den freistehenden Florian Kettemer. Der Abwehrmann hat leichtes Spiel und netzt ein (8. Minute). Es ist ein Wachmacher für die Gastgeber, die jetzt konzentrierter wirken. Nur 82 Sekunden nach der Führung zieht Daniel Fischbuch aus spitzestem Winkel ab. Mit gütiger Mithilfe des Schwenninger Keepers flutscht der Puck irgendwie durch.

Was dann passiert, ist genauso spektakulär wie ärgerlich für die Eisbären. Anstatt, dass die 2:0-Führung dem Tabellensiebten der Deutschen Eishockeyliga Ruhe gibt, handeln sich die Hauptstädter zwei Zeitstrafen ein – und kassieren innerhalb von 27 Sekunden den Ausgleich. Zunächst nutzen die Schwenninger Schwäne die fünf-gegen-drei-Überzahl durch Bartalis, um dann mit nur noch einem Mann mehr den im Nachschuss machtlosen Goalie Puling zu überwinden. Nach knapp zwölf Minuten heißt es also: Alles auf null. Doch der Underdog aus Baden-Württemberg scheint nun Blut geleckt zu haben. Nach einem schönen, scharf gespielten Pass vom linken Bullykreis, hat der Finne Korhonen alle Freiheiten der Welt und dreht mit seinem Hammer tatsächlich die Partie - 2:3 (18. Minute).

Eisbären macheen im letzten Viertel ernst

Im zweiten Drittel schütteln sich die Eisbären und finden zu ihrem Spiel. Endlich gibt es zahlreiche Torchancen und der Offensivdrang wird schlussendlich belohnt: Hördler bekommt zentral die Scheibe, täuscht einen Schuss an und bedient traumhaft Ranford, der den Goalie umkurvt und einschiebt. Es ist der wohl schönste Spielzug dieser Partie, der den 3:3-Ausgleich bringt (31.) und Hoffnung für den Schlussabschnitt macht.

Im letzten Drittel wird es ein offenes und rasantes Spiel: Während den Gästen ein Treffer aberkannt wirde, trifft Daniel Fischbuch im Gegenzug zur 4:3-Eisbären-Führung (44. Minute). Nachdem die gut 11 000 Zuschauer Hördlers kurzfristige Umschulung zur Abrissbirne beklatschen, macht Aubry alles klar für die Eisbären. Zwei Minuten vor Schluss bleibt er ruhig und trifft zum 5:3-Endstand. Es ist der Schlusspunkt in einem Spiel, welches mit Sicherheit in Erinnerung bleiben wird. Sicherlich besonders bei Frank Hördler-  und dem Fan, der durch bloßes Hinter-dem-Tor-Stehen eine blutige Wange riskiert. Die Eisbären springen, so ganz am Rande, in der Tabelle vorübergehend auf den sechsten Platz. 

 

Sendung: rbb um6, 04.11.2018, 18 Uhr

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