Das Stadion an der Alten Försterei soll in neuem Glanz erstrahlen - am liebsten schon 2020. / imago/Steffen Kuttner
Video: rbb24 | 21.11.2018 | Jörg Hellwig | Bild: imago/Steffen Kuttner

Union Berlin plant Stadionausbau - Bei der neuen Försterei ist Geduld gefragt

Eigentlich sollte die neue, umgebaute "Alte Försterei" 2020 eingeweiht werden, pünktlich zum 100. Geburtstag der Spielstätte von Union Berlin. Doch es gibt noch Gesprächsbedarf - vor allem um die leidige Verkehrssituation rund ums Stadion. Von Stephanie Baczyk

Auf einmal sind die Bilder von damals wieder da. "In den schlechtesten Zeiten, da haben wir da teilweise mit 1.500 Fans gestanden", erinnert sich Dirk Thonke an frühere Stadionbesuche in Köpenick - und er sagt das mit diesem seligen Gesichtausdruck, den Fußballromantiker nur zu gut kennen.

Damals, als der 1. FC Union in der vierten Liga spielte, als vieles nicht rund lief, da war er schon einer von ihnen. Thonke ist seit Ende der siebziger Jahre Fan der Eisenen, als Jugendlicher hat er sich dem Verein angeschlossen. Heute ist der Mann mit den kurzen dunkelblonden Haaren Mitte Fünfzig - und geduldig.

Es stockt noch beim Thema Verkehr

"Ich bin nicht so'n terminorientierter Typ", sagt er an diesem Mittwochabend im Stadion An der Alten Försterei und lacht. "Mir ist am wichtigsten, dass diese soliden Verhältnisse bleiben, die wir jetzt bei Union haben." Thonkes Aussage ist ein Zugeständnis an seinen Herzensklub. Kurz zuvor hatte Stadion-Architekt Dirk Thieme auf der ordentlichen Hauptversammlung der "An der Alten Försterei" Stadionbetriebs AG erklärt, das Projekt Ausbau auf 37.000 Besucher stocke hier und da noch. Gerade das schwierige Thema Verkehr bremse.

Wer an Spieltagen rund um das Stadion unterwegs ist, kennt die Problematik. Die Tram ist überfüllt, auf den Straßen staut sich der Verkehr. Betroffen sind nicht nur Fans, sondern auch Anwohner. Also hat ein externer Gutachter mögliche Lösungen erarbeitet. In der Verlosung: Ein Parkhaus in nächster Nähe, eine Wendeschleife für die Tram oder auch ein zusätzlicher Ausgang am S-Bahnhof Köpenick. Aktuell wird der frühzeitige vorhabenbezogene Bebauungsplanentwurf von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ausgewertet, im Oktober war er für alle offen einsehbar.

Geplanter Bau des Klubhauses wird verschoben

Dirk Thonke reist regelmäßig aus Steglitz an - mit dem Auto oder der S-Bahn. "Ich habe mir auch das Verkehrsgutachten angeschaut, da ist ganz klar, wo die Reise hingehen soll: es muss natürlich der ÖPNV sein", sagt er. "Problem ist nur, dass das Land Berlin tierisch Nachholbedarf hat. Wir haben zu wenige Verkehrswege."

Der 1. FC Union ist um eine schnelle Lösung bemüht, möchte im Zeitplan bleiben, am liebsten zum 100. Geburtstag des Stadions An der Alten Försterei Einweihung feiern. Ein ambitioniertes Vorhaben. "Aber ich würde die Hoffnung noch nicht aufgeben", sagt Dirk Thieme. "Unser Ziel ist nach wie vor, im Jahr 2019 Planungsrecht zu haben, das halte ich auch nicht für ausgeschlossen. Wie zeitnah es uns gelingt den ersten Spatenstich zu tun, das hängt sicherlich vom Planverfahren ab, aber nicht nur."

Fest steht: der geplante Bau des Klubhauses wird verschoben, ursprünglich sollte er vor der Stadionerweiterung erfolgen. Und: Die Eisernen wollen insgesamt auf Nummer sicher gehen. "Wir werden genau überlegen, wie sich die Situation im Bauwesen darstellt, welche Ausschreibungsergebnisse wir letzten Endes erzielt haben", so Thieme weiter. "Ob die in die Gesamtfinanzierung mit reinpassen. Und dann werden wir mutig genug sein, entweder 'nen relativ zeitnahen Baubeginn zu verkünden oder uns möglicherweise noch etwas in Geduld zu üben."

Haupttribüne nach Brand ab der Rückrunde wieder einsatzfähig

Ein positives Ergebnis konnten die Verantwortlichen an besagtem Abend schon mal präsentieren: Das Stadion des 1. FC Union Berlin hat im Geschäftsjahr 2017/18 einen Überschuss in Höhe von 54.436 Euro erwirtschaftet. Die Stadionbetriebs AG, die die "Alte Försterei" betreibt, könne damit "wie in den Vorjahren ein positives Betriebsergebnis vorweisen", sagte AG-Vorstand Oskar Kosche. Das Bilanz-Minus reduziere sich auf 948.657 Euro.

Auch die Baustelle Haupttribüne dürfte bald keine mehr sein. Nach dem Brand im Stadion Ende August, verursacht durch einen defekten Kühlschrank, soll der Betrieb im entsprechenden Trakt mit Beginn der Rückrunde wieder komplett aufgenommen werden. Die Schäden sollen sich zwar im Millionenbereich bewegen, allerdings keine dauerhaften wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Bilanz haben.

Sendung: rbb24, 21.45 Uhr, 21.11.2018

Beitrag von Stephanie Baczyk

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