Union-Trainer Urs Fischer gestikuliert (Quelle: imago/Contrast)
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Trotz Stimmungsboykott an der Alten Försterei - Union Berlin will gegen Darmstadt Alarm machen

14 Spiele, keine Pleite: Der 1. FC Union ist das einzige noch ungeschlagene Team der Zweiten Liga. Im Heimspiel gegen Darmstadt müssen die Eisernen eine Hälfte lang ohne Support von den Rängen auskommen - Trainer Urs Fischer nimmt es sportlich. Von Stephanie Baczyk

Urs Fischer überlegt einen Moment. Grübelt. "Es ist schwierig, sich darauf vorzubereiten", sagt der Trainer des 1. FC Union, mit Blick auf das bevorstehende große Schweigen im Stadion An der Alten Försterei. "Die Spieler sind es gewohnt, wenn sie ins Stadion kommen, dass da auch Stimmung herrscht. Jetzt müssen sie damit umgehen, dass das Stadion beinahe voll ist, es aber ruhig sein wird."

Verständnis für die Fans, "müssen mit diesem Umstand leben können"

Was Fischer meint: An diesem Wochenende haben Fans bundesweit beschlossen, ruhig zu sein. Geplant ist ein Stimmungsboykott, ein stiller Protest gegen die Kommerzialisierung im Fußball - 45 Minuten lang. Beim 1. FC Union hat man Verständnis für das Vorgehen. "Ein Zuschauer hat nur die Möglichkeit, seinen Protest oder sein Missfallen zum Ausdruck zu bringen, indem er schweigt", sagt beispielsweise Union-Präsident Dirk Zingler.

Für Coach Fischer ist die Situation ob des eigentlich stimmgewaltigen Union-Anhangs zwar ungewohnt, aber keineswegs neu. Auch während der ersten 20 Minuten im Heimspiel gegen Holstein Kiel herrschte im Stadion Stille. "Wenn das die Entscheidung ist, müssen wir auch mit diesem Umstand leben können", so der Schweizer. "Wir haben schon mal gezeigt, dass wir das können. Auch, wenn es nicht ganz so einfach ist." Die Partie gegen die Norddeutschen gewann Union am Ende mit 2:0.

Schweres Spiel gegen körperbetonte Darmstädter erwartet

Gegen den kommenden Gegner Darmstadt 98 warten die Eisernen dagegen noch auf einen Pflichtspielsieg. Von vier Duellen konnten die Berliner keines für sich entscheiden, dazu kommt: Die letzte Niederlage in der Zweiten Liga, ein 1:3 Ende April dieses Jahres, kassierte Union bei den Hessen. "Es wird uns, davon gehe ich aus, ein schweres Spiel erwarten", ahnt Fischer. "Darmstadt steht wirklich sehr gut und organisiert auf dem Platz, spielt körperbetont und immer wieder mit langen Bällen. Zweite Bälle werden wichtig sein. Da sind wir gewarnt."

Das Team von Trainer Dirk Schuster belegt aktuell Platz zwölf in der Tabelle und wartet seit Anfang September auf einen Sieg im der Fremde. Zuletzt verloren die Lilien mit 0:3 gegen den 1. FC Köln. "Und Köln hatte lange Mühe gegen sie", betont Fischer. "Das Resultat am Schluss ist deutlich, aber wenn du dir das Spiel über 90 Minuten anschaust - das war harte Arbeit. Wird eine ganz schwierige Aufgabe." Bei der Union stehen dem Coach bis auf Verteidiger Marc Torréjon übrigens alle Profis zur Verfügung.

"Es liegt an uns, dass diese Serie auch nach dem Spiel in Darmstadt noch weiter anhält"

Eines ist nach dem jüngsten 2:2 bei Bundesligaabsteiger Hamburger SV geblieben: Der 1. FC Union ist nach wie vor die einzige ungeschlagene Mannschaft der Zweiten Liga. "Ich habe nicht das Gefühl, dass der Druck aufgrund dieser Thematik jetzt steigt", so Fischer. "Aber natürlich, je länger eine Serie hält, umso mehr probieren es die Gegner zu ändern. Es liegt an uns, dass diese Serie auch nach dem Spiel in Darmstadt noch weiter anhält." Unterstützung bekommen die Eisernen ab der zweiten Hälfte dann auch wieder von den Rängen. Dann, wenn der Stimmungsboykott offiziell beendet sein wird.

Sendung: rbb UM6, 30.11.2018, 18 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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