Union-Torwart Rafal Gikiewicz hält Elfmeter (Quelle: imago/Koch)
Audio: Inforadio | 04.11.2018 | 18:15 Uhr | Martin Raspe | Bild: imago/Koch

Viertes Unentschieden in Serie - Union verpasst Sprung an die Tabellenspitze

Union Berlin kann nicht mehr gewinnen - aber die Serie hält: Auch nach zwölf Spieltagen sind die Köpenicker ungeschlagen. Eine packende Zweitliga-Partie bei Jahn Regensburg endete mit 1:1. Es war ein Spiel mit vielen kniffligen Szenen. Und großer Aufregung.

Es lief die 45. Minute, als Union Berlin in der virtuellen Zweitliga-Tabelle auf Platz eins sprang. Grischa Prömel war mit viel Wucht in den Strafraum gezogen und hatte in die Mitte gelegt. Und der Mann, der dort wartete und die Köpenicker zum Tabellenführer machte - war Sebastian Polter. Trainer Urs Fischer hatte den 27-jährigen Stürmer nach siebenmonatiger Verletzung zum ersten Mal von Anfang an gebracht, nachdem Polter in Dortmund mit zwei Toren fast zum Pokal-Helden geworden wäre. Nun erzielte er die 1:0-Führung für Union in Regensburg.

Vermeintlicher Siegtreffer in Unterzahl

Die Freude währte jedoch nur kurz. Genauer gesagt: eine Minute. Dann war die Führung passé - und die Ligaspitze auch. Jann George schloss aus zwanzig Metern ab. Der Ball flog in den rechten Winkel. Ein Traumtor. Es war das furiose Ende der ersten Halbzeit, in der sich keiner der knapp 10.900 Zuschauer gelangweilt haben dürfte. Zuvor hatte bereits Union-Torhüter Rafal Gikiewicz einen umstrittenen Foulelfmeter von Sebastian Stolze sicher festgehalten (30.).

Nach der Pause sollte es fast noch spektakulärer werden, das Ergebnis blieb aber: 1:1 hieß es am Ende zwischen Regensburg und Union. Auch weil der vermeintliche und bereits viel umjubelte Siegtreffer von Ken Reichel sechs Minuten vor Schluss in Unterzahl wegen einer - zumindest zweifelhaften - Abseitsstellung nicht gegeben wurde. Prömel hatte wenige Minuten zuvor für einen Ellenbogen-Einsatz im Luftduell die Gelb-Rote Karte gesehen (77.).

Gikiewicz hält Elfmeter fest

Das Spiel war temporeich. Von der ersten Minute an. Das lag zunächst vor allem an Regensburg, die mit viel Offensivdrang starteten - aber mit zunehmender Spielzeit auch an Union. In der 12. Minute tauchte zum ersten Mal Sebastian Polter vor dem Tor der Gäste auf. Und es war gleich in doppelter Hinsicht eng: Der Union-Stürmer stand knapp im Abseits - und sein Schuss ging knapp am Tor vorbei. Die Köpenicker hatten in der Folge ihre beste Möglichkeit durch Robert Zulj, dessen Schuss am Lattenkreuz vorbeiflog.

Die größte Chance zur Führung hatten jedoch die Hausherren. Schiedsrichter Sascha Stegemann hatte nach einem Duell zwischen Ken Reichel und Jahn-Stürmer Sargis Adamyan an der Strafraumgrenze auf Elfmeter entschieden, wobei nicht gänzlich aufzuklären war, ob das Foul eher außer- oder innerhalb stattfand. Sebastian Stolze trat an - doch Rafal Gikiewicz parierte. Und das scheinbar mühelos. Der Union-Keeper konnte den Ball festhalten. Es folgte der Polter-Moment auf Seiten der Köpenicker - und die direkte Reaktion von Regensburg.

Aufregung um Abseitsentscheidung

Hatte das Spiel schon ordentlich Tempo - nach der Pause nahm es noch einmal zu. Die Torschützen der ersten Halbzeit hatten die größten von vielen Gelegenheiten. Doch sie vergaben: In der 59. Minute kam zunächst Regensburg-Stürmer George im Strafraum zum Schuss. Julian Ryerson rutschte so gerade noch mit der Fußspitze in den Ball - und Gikiewicz konnte retten. Gut zehn Minuten später war es auf der anderen Seite dann Polter, der aus drei Metern Entfernung köpfte. Philipp Pentke im Tor von Regensburg wehrte spektakulär mit dem Fuß ab.

Danach wurde es auch abseits der Tore hektisch. Zunächst forderte Regensburg einen Elfmeter - und hätte ihn nach einem Foul von Ryerson an Marco Grüttner wohl auch bekommen können (76.). Nur eine Minute später flog Prömel nach seinem Ellbogen-Einsatz gegen Adamyan mit Gelb-Rot vom Platz. Und dann erzielte Ken Reichel mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe in Unterzahl den vermeintlichen Siegtreffer (84.). Der Jubel war groß. Doch nach längerer Bedenkzeit erkannte Schiedsrichter Stegemann das Tor nicht an. Der Grund: Marcel Hartel stand wohl bei einem vorher abgefälschten Schuss von Sebastian Andersson im Abseits, ging zum Ball, den er allerdings nicht traf, bevor Reichel trocken vollendete. Eine zumindest strittige Entscheidung.

"Aus meiner Sicht muss das Tor zählen. Dann gewinnst du auch mal ein Spiel, in dem du nicht so gut warst", sagte Union-Trainer Urs Fischer. Und fügte hörbar angefressen hinzu: "Es ist nicht das erste Mal, dass wirklich Zweifelsentscheidungen, die man auch andersherum entscheiden kann, gegen uns gepfiffen werden. Das nervt natürlich."

Viertes Remis in Serie

So blieb es beim 1:1. Für Union heißt es nach dem vierten Remis in Serie: Platz vier statt Tabellenführung. "Ich sage immer: Du verlierst lieber mal ein Spiel und gewinnst dann zwei. Dann hast du mehr Punkte, als wenn du zwei Mal unentschieden spielst", rechnete Fischer vor. Die Union-Spieler haderten derweil nicht nur mit der Punkteausbeute, sondern auch mit der eigenen Leistung: "Wir haben von der ersten Minute an zu wenig auf den Platz gebracht und nichts dafür getan, zu gewinnen. Wir wollten an die Leistung anknüpfen, die wir in Dortmund gezeigt haben und das ist uns absolut nicht gelungen. Daran sind wir selbst schuld", sagte Innenverteidiger Marvin Friedrich, der die Mannschaft als Kapitän aufs Feld geführt hatte.

Die nächste Gelegenheit auf einen Dreier wartet am kommenden Sonntag (13.30 Uhr): Dann kommt der Tabellen-Fünfte Greuther Fürth an die Alte Försterei.  

Sendung: Abendschau, 04.11.2018, 19.30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Einstellung und Selbstkritik bei den Unionern sind absolut in Ordnung. Es war ein kampfbetontes Spiel zweier guter Mannschaften, leider erwischte der Schiedsrichter einen sehr unglücklichen Tag und so wurde Union um den Sieg gebracht. Solche Erlebnisse können aber auch ein Trotzreaktion auslösen, in diesem Sinne: "Eisern Union!"

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