Hertha-Fans randalieren im Gästeblock beim Bundesliga-Spiel gegen den BVB (Quelle: AP/Martin Meissner)
Audio: rbb Sport | 17.11.2018 | Ausschnitt aus dem Interview mit Bert Handschumacher | Bild: AP

Interview | Fan-Anwalt Bert Handschumacher - "Die gesamte Pyro-Diskussion ist bigott"

Bert Handschumacher vertritt als Anwalt Fußball-Anhänger - und ist selbst eingefleischter Hertha-Fan. Zu den Geschehnissen in Dortmund, der Debatte über Pyrotechnik und der Fangruppe "Kaliber 030" hat er im Interview mit rbb|24 eine entsprechend klare Position.

rbb|24: Herr Handschumacher wie kam es dazu, dass sie Fans in Rechtsfragen vertreten?

Bert Handschumacher: Ich bin leidenschaftlicher Hertha-Fan und gehe seit nunmehr 45 Jahren ins Stadion. Man kennt viele Fans vom Sehen, man grüßt sich und teilweise kennt man sich auch vom Namen. So entstand dann auch der Kontakt: Jemand hatte Probleme und ein anderer sagte: 'Ich kenne da einen, der kennt sich mit sowas aus. Den kannst du mal ansprechen.' Dem habe ich dann geholfen und dann geht das mit Mundpropaganda weiter und spricht sich herum.

Mit was für Themen haben Sie zu tun? Mit was müssen Sie sich auseinandersetzen?

Mit fanspezifischen Themen wie: Körperverletzung, Widerstand, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz - sprich Pyrotechnik, Hausfriedensbruch und selten Landfriedensbruch.

 

Ein Thema, was gerade die Gemüter zu erhitzen scheint, ist Pyrotechnik. Wie haben Sie damit gerade zu tun?

Pyrotechnik ist eine auf Polizei- und Fanseite sehr leidenschaftlich geführte Debatte, die meines Erachtens sehr bigott dahergeht. Früher galt das Zünden als Stimmungsbild, wurde auch gerne gesehen. Die Kameras der Fernsehsender, die heute so fürchterlich auf entsetzt machen, wenn eine Fackel gezündet wird, haben früher gerne drauf gehalten. Da hieß es dann: 'Ach, das ist aber eine tolle Stimmung hier.' Heute ist es genau andersherum und wird genauestens verfolgt. Die Sicherheit wurde erhöht, die Polizei hat unheimlich aufgerüstet, die Fans werden durchgehend im Fanblock gefilmt. Es gibt szenekundige Polizeibeamte im Fanblock, die anschwärzen und jede Fackel wird so verfolgt.

Was kann eine für beide Seiten akzeptable Lösung sein?

Es wurde ja versucht, in Zusammenarbeit  mit der Feuerwehr und ordnungsrechtlichen Bestimmungen einen Raum innerhalb der Kurve zu schaffen, wo unter gefahrlosen Bedingungen abgebrannt werden kann. Aber dagegen weigern sich die Offiziellen. Was schon zeigt: Es geht ihnen nicht um Sicherheit und Ordnung, es geht darum zu sagen: 'Du Ultra, Du zündest hier kein Pyro. Wir reglementieren Dich und Du hast Dich daran zu halten.' Sogar die Versuche aus Dänemark, mit kalten Pyros, wurden gar nicht erst in Diskussionen oder Verhandlungen aufgenommen. Sie wurden gleich kategorisch abgelehnt. Und das zeigt mir: Es wird keine ehrliche Debatte geführt.

Wie beurteilen Sie die Geschehnisse auf den Rängen beim Auswärtsspiel von Hertha BSC bei Borussia Dortmund? [Dort war u.a. hinter einem großen Banner Pyrotechnik abgebrannt worden. Anm.d.Red.]

Ich habe das Spiel mit einem Freund in einer Berliner Kneipe geschaut - bin also nicht mit nach Dortmund gefahren und war nicht vor Ort. Ich war sehr überrascht, dass ich noch vor Ablauf der ersten Halbzeit ein Twitter-Statement der Polizei Nordrhein-Westfalen gelesen habe. Es hieß ein "erfolgreicher Einsatz" gegen kriminelle Chaoten sei geglückt. (...) In den folgenden Tagen habe ich mich um Informationen bemüht und Videos gesichtet. Im Nachgang musste ich feststellen: Es lag ein Einsatz der Polizei vor, der grob unverhältnismäßig war. Da hat also der Einsatzleiter der Polizei NRW seine Trachten-Truppe reingeschickt, wohlwissend, dass er eine "heilige Kuh" - also das Banner - angreift. Auch die Reaktion war ihm im Vorfeld bewusst und sie wurde trotzdem provoziert.

Eine Hooligan-Gruppe, die momentan für Aufsehen sorgt, ist "Kaliber 030". Die Gruppe soll sowohl in Dortmund, als auch bei anderen Angriffen beteiligt gewesen sein. Kennen Sie die Gruppe?

"Kaliber 030" ist im Stadion existent. Das ist eine neue Form. Es sind keine reinen Hooligans, es sind keine reinen Ultras. Es sind sogenannte "Hooltras". Sie sind erlebnisorientiert, halten sich in der Kurve zurück. Aber außerhalb des Stadions ist "Kaliber 030" sehr aktiv.

"Kaliber 030" werden rechte Tendenzen nachgesagt. Stimmt das?

Das kann ich allgemein nicht bestätigen. Ich kann es aber auch nicht negieren. Ich kann nur sagen, dass ich einige von "Kaliber 030" erlebt habe und die haben sich offen rechtsradikal verhalten und sich bekannt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Einen Teil des Interviews mit Bert Handschumacher durch Friedrich Rössler können Sie oben im Header nachhören.  

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Die Polizei als Trachtengruppe abzukanzeln sollte ihm einen Ausschluss aus der Anwaltskammer kosten. Wenn der denn überhaupt ein Anwalt ist......furchtbar

  2. 15.

    Nr.14:
    Erlebnisorientierung Pyrotechnik und Bier....prost Junge.
    Und viel Freude an der "bigotten" Anwaltsrechnung.

    Wir werden uns die nächsten Stadienbesuche mit den Kindern verkneifen.

  3. 14.

    Also erstmal "Trachtentruppe" trifft es voll und ganz.Ich war in Dortmund anwesend und was dort passiert ist ist unter aller sau!
    ihr redet hier alle das hat mit Fußball nichts mehr zutun,doch muss ich da wiedersprechen!
    klar gehört Pyrotechnik zum Fußball genau so wie die Banner und das Stationbier.
    Doch wenn es nach dem Dfb geht dürften wir dies alles nicht mehr haben und sollen Erfolgsfans wie vom Fcb oder Redbull sein die keine Stimmung im Stadion haben.
    In meinen Augen sind einige Kommentare hier völlig sinnlos!

  4. 13.

    Warum erinnert mich das gerade an die Straßenverkehrsordnung ?
    Hmmm.... irgendwo steht da drin, "Du darfst nicht bei rot über die Ampel fahren" und nicht, "komm ist schon nicht so schlimm, lass uns mal darüber diskutieren und die Bei-Rot-Fahrer mit ins Boot holen... !"
    Bigott heißt meines Erachtens fadenscheinheilig und genau diese Diskussion darüber ist es.
    Lieber Manager Preetz, bleiben Sie stark und lassen Sie die, die ohne Pyros nicht supporten wollen einfach draußen und beenden Sie diese sinnlosen Gesprächsangebote mit diesen "Verrückten".

  5. 12.

    "Mit fanspezifischen Themen wie: Körperverletzung, Widerstand, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz"
    wenn es nicht so bedenklich wäre, solche Ordnungsverstöße und Straftaten ernsthaft als fanspeziische Themen zu betiteln, könnte man herzlich über solch einen stairisch anmutenden Satz lachen. Mit Fan der Sportart Fussball hat das sicherlich nichts zu tun.

    Generell finde ich die Haltung des Inerviewten durchaus eigenartig. Vielleicht ändert sich seine Meinung, wenn er das erste Mal Opfer eines Kollateralschadens von "Körperverletzung, Widerstand, Verstöße[n] gegen das Sprengstoffgesetz" geworden sein würde. Wünschen tut man das allerdings keinem.

  6. 11.

    " Da hat also der Einsatzleiter der Polizei NRW seine Trachten-Truppe reingeschickt, wohlwissend, dass er eine "heilige Kuh" - also das Banner - angreift. Auch die Reaktion war ihm im Vorfeld bewusst und sie wurde trotzdem provoziert."

    Wer als Anwalt und Fan so redet, ist eh nicht mehr subjektiv. Der Begriff" Trachten-Truppe" ist herabsetzend. Und von einem "Angriff" auf ein Banner zu sprechen, ist einfach unsachlich. Ist der Mann wirklich Anwalt?

  7. 10.

    "...um viele menschen im takt zu halten was gesänge angeht..." dafür braucht man Pyro?!? Und warum soll man nur Zuschauer sein, wenn man sowas nicht unterstützt. Man kann auch Fan sein ohne solche Selbstdarstellungen.

  8. 9.

    Strafgesetzbuch und Brandschutzvorschriften gelten auch für Ultras, Hools, und Hula-Hulas. Ist jedenfalls meine Meinung. Andere Leute haben andere Meinungen, z.B. hier. https://www.zeit.de/sport/2017-07/pyrotechnik-stadion-fussball-daenemark-loesung

  9. 8.

    Er ist er das was er eben ist. Ein Freiberufler mit juristischen Kenntnissen der eine ganz bestimmte Klientel betreut, und vor allem an dieser verdient. Mehr glücklicherweise nicht. Wenn jede Meinung eines Lobbyisten rechtlich richtungsweisend wäre, wären wir arm dran. Sicherlich kann er sich seine Welt, vor allem wenn selber involviert, schön denken, aber über die bösen Hürden von Hausrecht und Sicherheitsbestimmungen wird auch er nicht springen können, aber wenigstens durfte er Werbung in eigener Sache machen.

  10. 7.

    Zitat:"Da hat also der Einsatzleiter der Polizei NRW seine Trachten-Truppe reingeschickt,...."

    Es ist schon bezeichnend, dass ein Rechtsanwalt, der immerhin ein Organ der Rechtspflege ist, Polizeibeamte als "Trachen-Truppe" betitelt.
    Einfach nur traurig.

  11. 6.

    Wie bigott (scheinheilig) ist dieser Anwalt unterwegs?

    Er bezeichnet diese chaotische "Kaliber 030" Gruppe als "erlebnisorientiert". Der Normalo nennt das Rechtsverdrehung.
    Wer mit Pyrotechnik so nah an anderen Menschen dran ist, zündelt und riskiert dabei Leben, darüber hinaus Nachahmer und unvorhersehbare Auswirkungen. Das gehört in kein Stadion!!!

    Das sind keine Fussballfans, es sind Rowdys. Und das ist noch sehr nett ausgedrückt.




  12. 5.

    Weil derjenige es so möchte? Unterstützung für seine Mannschaft? Aber nein... Es werden kreuzbrave Konsumenten gesucht. Fans mit Herz und Leidenschaft gleich "Chaoten"...

  13. 4.

    Die Sicht des Anwaltes ist doch sehr "fanorientiert", wobei diese Chaoten keine Fans sind. Und was für eine Rechtsauffassung, Hertha BSC hat doch wohl bei Heimspielen Hausrecht, Pyros sind verboten und wer dagegen verstößt macht sich strafbar, Herr Anwalt.
    Das Banner als heilige Kuh...... und wenn ich den kleinen Jungs ihr Spielzeug wegnehme, dann hauen sie um sich. Ist wie im KIndergarten und genauso verhalten sich diese Chaoten auch.
    Braucht keiner, will keiner. Also bleibt doch einfach außerhalb des Stadions!!!!

  14. 3.

    möglicherweise um viele menschen im takt zu halten was gesänge angeht.
    man könnte es aussergewöhnliches engagement nennen.

    das unterscheidet im übrigen einen fan von einem "zuschauer". es sind eben nich alle nur zuschauer, sondern fans. für viele ist es wesentlich mehr als nur ein sport.
    es ist hobby, freundetreff, man könnte schon sagen eine lebensart.

  15. 2.

    Genau solche Leute wie diesen Anwalt brauchen wir weder im Stadion noch im Umfeld des Fußballs.

  16. 1.

    Geht es im Stadion um Fußbal, oder um etwas anderes. Es sind Zuschauer., die ein Spiel sehen wollen. Wenn die Anderen (Chaoten, Ultras u.ä.)etwas anderes wollen, sollen sie wo anders ihre Show abziehen. Warum bezahlt jemand Eintritt zum Spiel und steht die ganze Zeit als "Dirigent" mit dem Rücken zum Geschehen?

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