Wohnhäuser am möglichen Standort für ein neues Hertha-Stadion (Bild: imago/Koch)
Audio: Inforadio | 29.11.2018 | Sebastian Schöbel | Bild: imago sportfotodienst

Wohngenossenschaft will am Standort Wohnungen bauen - Steine auf dem Weg zum Hertha-Stadion

Auf dem Weg zum neuen Stadion droht Hertha möglicherweise ein unüberwindliches Hindernis: Wo die Wunsch-Arena 2025 eröffnen soll, stehen bisher Wohnungen einer alteingesessenen Genossenschaft. Und die hat ganz andere Pläne. Von Sebastian Schöbel

Die Geschichte hat etwas Tragisches: Die Genossenschaft 1892 e.G., eine der ältesten in Berlin, teilt mit Hertha BSC nicht nur das Geburtsjahr - den Verein und die Genossen verbindet auch eine lange Freundschaft. Bis vor kurzem war die Genossenschaft sogar Sponsor bei Hertha, bekam Freikarten für Heimspiele und zählt Hertha-Fans zu ihren Mietern.

Nun aber drohen die Interessen beider Seiten zu kollidieren: Für Herthas geplante neue Fußballarena müssten 24 Wohnungen in der Sportforumstraße abgerissen werden. Wohnungen, die einst von britischen Soldaten bewohnt wurden und heute der Genossenschaft 1892 gehören. In einem Brief, der dem rbb vorliegt, hatte Sportsenator Andreas Geisel den Anwohnern versichert: "Falls Hertha BSC einen Neubau favorisiert und selbstständig finanziert, kann dieser selbstverständlich nur unter strenger Beachtung des Denkmalschutzes umgesetzt werden. Auch darf ein Neubau auf keinen Fall auf Kosten von bestehendem Wohnraum entstehen, da wir bereits heute in Berlin über zu wenig Wohnraum verfügen."

Anwohner würden sich eher neue Nachbarn wünschen

Inzwischen geht es aber nicht mehr nur um bestehende Wohnungen: Nach Informationen des rbb plant die Genossenschaft an der Sportforumstraße auch den Bau neuer Wohnungen. Gespräche mit dem Bezirk darüber laufen bereits. Der Charlottenburger CDU-Abgeordneten Andreas Statzkowski kennt die Pläne und hat mit den Anwohnern gesprochen. Die wünschten sich eher mehr Nachbarn, so Statzkowski, und würden es begrüßen, sollte die Wohnungsbaugenossenschaft dort weitere Wohnungen schaffen.

Hertha BSC hat den Anwohnern in der Sportforumstraße versprochen, adäquaten und vergleichbaren Wohnraum als Ersatz zu besorgen, und zwar in der unmittelbaren Nähe ihres jetzigen Wohnorts. Das sei kein Akt der Großzügigkeit, will Statzkowski klarstellen. "Das ist schlicht Gesetzeslage", sagt er. Es handle sich um Marketing, "man versucht, so zu tun, als ob man Gönner ist, dabei ist man in der Pflicht, Ersatz zu schaffen."

Zwei Varianten für Genossenschafts-Anwohner

Wie der rbb nun erfahren hat, sind zwei Varianten im Gespräch: Eine Option wäre eine Einigung mit dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen. Der plant auf dem Areal der ehemaligen Alliiertensiedlung aus den 1950er Jahren unweit des Olympiastadions ein neues Quartier mit rund 580 Wohnungen. Allerdings ist zweifelhaft, dass die heutigen Genossen der 1892 künftig Mieter der Deutsche Wohnen werden wollen.

Für einen Umzug auch denkbar wäre ein Neubau auf den Baumannschen Wiesen zwischen Murellenteich und U-Bahnhof Ruhleben. Doch auch hier gibt es ein großes Problem, so Statzkowski: "Diese Grünanlagen stehen unter einem besonderen Schutz durch das Bürgerbegehren, das im Bezirk beschlossen worden ist. Das Bezirksamt müsste gegen den Bürgerwillen einen Bauentscheid erlassen. Das sehe ich problematisch." Und es ist unwahrscheinlich: Die Senatsumweltverwaltung will hier und an mehreren anderen Orten in der Stadt ein Projekt für Wildbienen verwirklichen, mit insgesamt 1,7 Millionen Euro Förderung bis 2022.

Volksinitiative gegen neues Stadion im Gespräch

Unter den Anwohnern rund um das Olympiagelände wird nun bereits eine Volksinitiative gegen das neue Stadion besprochen. Im Abgeordnetenhaus dürfte die veränderte Lage für noch mehr Skepsis gegenüber Herthas Plänen sorgen.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher warnte den Verein schon mal vor: Allein das Bauplanungsverfahren dürfte mindestens zwei Jahre dauern - mindestens. Sofern das Abgeordnetenhaus vorher zustimmt - was zumindest in diesem Jahr nicht mehr passieren wird.

Beitrag von Sebastian Schöbel

Kommentar

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21 Kommentare

  1. 21.

    Ich rege mich ja nicht darüber auf, dass es genutzt wird, sondern nur über die Pachulken. Bei der Leichtathetik geht es beispielsweise gesittet zu.
    Waren das herrliche Zeiten, als Hertha noch bei 5000 Zuschauern in der 2. Liga und Regionalliga rumkrebste und die Waldbühne im Dornröschenschlaf lag ;-)

  2. 19.

    Na, dann soll se mal ziehen.

    Ich bin gespannt, wer in Ludwigsfelde oder sonstwo in der brandenburgischen Tundra die notwendige neue Infrastruktur für die An- und Abreise der Stadionbesucher bezahlt. Wenn Brandenburg oder der Landkreis das gern übernehmen möchten ...

  3. 18.

    "Der Neubau würde die Stadt nicht Millionen kosten - sondern Hertha würde das neue Stadion bezahlen."

    Ihre Naivität ist rührend.

    Sie haben offenbar noch nie erlebt, wie sowas läuft: Großprojekte erst billigrechnen, unrealistische Zeit- und Kostenpläne beschließen, und dann den Bau soweit vorantreiben, bis es heißt: Jetzt aufhören und wieder abreißen wäre teurer als noch ein paar Dutzend oder auch Hundert Millionen drin zu versenken. Außerdem ist das Projekt gut für die Stadt, blablabla. Im vorliegenden Falle würde, wenn Hertha nicht mehr kann, "natürlich" der Staat einspringen, dann wird eben irgendeine Beteiligungsgesellschaft gegründet oder so. Und die bleibt dann auch auf den Betriebskosten sitzen.

    Diesen Ablauf kennen Sie nicht? Wo leben Sie?

  4. 17.

    Jaja... in der Nähe eines Stadions wohnen und sich darüber aufregen, wenn es genutzt wird. Ich bin in Westend aufgewachsen und weiß was Sie meinen. Allerdings ist Neu-Westend eben auch mit Eventeinrichtungen gut bestückt, das gehört halt dazu. Und der Neubau an dieser Stelle macht Sinn, weil die Infratsruktur dort vorhanden ist. Hertha ist ein Teil von Berlin. Charlottenburg sollte Stolz darauf sein. Und ein modernes Fußballstadion ist dringend erforderlich. Das Olympiastadion ist nicht für den Normalbetrieb geeignet.

  5. 16.

    Als Anwohner in Stadionnähe hoffe ich, dass dieses Stadion nie gebaut wird (Baulärm für viele Jahre. Bestehende Wohnhäuser die man abreißen müsste). Der absolute Obertraum wäre es, wenn Hertha künftig woanders spielt. Es gibt ja genug freie Flächen auf dem platten Land. Dann müsste ich auch die Hertha-Pachulken in den öffentlichen Verkehrsmmitteln rund ums Stadion bei den Heimspielen nicht mehr ertragen.

    Das ist natürlich eine ganz egoistische, persönliche Sicht der Dinge. Aus sportlicher Sicht verstehe ich das Vorhaben des Vereins und auch den Wunsch der Hertha-Fans selbstverständlich.

  6. 15.

    NA dann "kotz mal schön 3D für die Zugezogenen und Hippster" Mario P. ...

    Netiquette liest sich anders. Auch wenn man eine andere Meinung hat, muss man niemanden so einen Blödsinn unterstellen, wenn man es nicht besser weiß.

    Ich bin in Kreuzberg geboren und aufgewachsen und Hertha war schon immer meinVerein. Ich kann mich nicht erinnern, dass die alte Dame Hertha es sich jemals leicht gemacht hat. Doch als Urberliner sehe ich jetzt meinen Verein mit traurigen Augen in eine unnötige
    Führungs- und wiederholt sportive Krise rutschen - wobei die ambivalente Situation in der obersten Etage eine erhebliche Rolle mitspielt. Mehr denn je.

    Im Gegensatz zu den wenigen öffentlich hörbaren politischen Äußerungen (also auch hier nur wieder Vermutungen)hat Herthas Bel Etage stets öffentlichen Redebedarf und wir können uns persönlich ein Bild davon machen.

    Wie sagt der Urberliner dazu?
    "Die Kacke ist am dampfen..."


  7. 14.

    Ich bin absolut pro Neubau. Egal wo in Berlin.

    Meine Lieblingsorte wären auf dem Tempelhofer Feld... Oder abee auf dem Gleisanlagendreieck zwischen Gesundbrunnen, Schönhauser und Bornholmerstr. Im alten Wedding an der Plumpe. Dann wäre der Statzkowski und sein Bezirk Charlottenburg die Hertha und die Steuern los. Schon peinlich wie die Politik mit einem der traditionsreichsten und mit Berlin verbundendten Vereine umgeht.

  8. 13.

    Also, wenn ich hier so manchen Kommentar lese, wie zum Beispiel "Von außerhalb Berlins möchte ich auch kurz meinen Senf dazu geben: ...", dann könnte ich in 3D kotzen ...

    Ich gehe seit 1983 zu Hertha BSC und bin Fan mit allem was dazugehört.
    Es ist ein Armutszeugnis, was sich Berlin hier ausstellt und drückt für mich nur das aus, was ich hier seit einigen Jahren fühle. Hier wird nicht Politik für Berlin gemacht, sondern für Hippster und andere Zugezogene, die sich einen Dreck um Berlin und schon gar nicht für Hertha BSC interessieren, der übrigens schon länger hier angesiedelt ist als so mancher sog. Berliner.

    Wenn es in dieser Stadt nicht möglich ist ein vernünftiges Fussballstadion für den größten Verein der Stadt zu organisieren (egal wo genau), sondern Wildbienen und anderen zugeflogenen Nichtberlinern den Vorzug gibt, dann wundert es mich nicht, dass Hertha auch in Brandenburg nach einer Alternative sucht.
    Dann sollen sich der Senat sein Oly doch an die Backe nageln.

  9. 12.

    das Olympiastadion ist schon geil aber nicht mehr Zeitgemäß für den Profifußball, man muss Hertha verstehen alle Bundesligisten haben eigne Arenen selbst Union hat eins dank Zuwendungen damals seitens der DDR-Regierung und heute durch den Senat. Wen Hertha nicht wäre würde dem Senat eine Ungenutzte Bauruine aus NS-Zeiten an der Backe kleben.
    Diese Haltung zwingt Hertha dazu doch nach Brandenburg zu ziehen.

  10. 11.

    zur Frage welche Gründe es für ein neues Stadion gibt ...

    wenn ich mich Recht erinnere standen für die Nutzung des Stadions 9 Mio. Euro jährlich im Raum .. da kann man über einen Neubau schonmal nachdenken ...

    VG

  11. 10.

    "Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher warnte den Verein schon mal vor: Allein das Bauplanungsverfahren dürfte mindestens zwei Jahre dauern - mindestens. Sofern das Abgeordnetenhaus vorher zustimmt - was zumindest in diesem Jahr nicht mehr passieren wird." Das hilft ja echt, Hertha wird wohl doch über einen Wechsel nach Brandenburg nachdenken müssen. Man kann eben nicht etwas erzwingen, wenn entscheidende Stellen gegen einen sind. Hertha wird Berlin verlassen. Das wäre ein echte Imageschaden für Berlin

  12. 9.

    @Phillip
    sie schreiben Unsinn. Der Neubau würde die Stadt nicht Millionen kosten - sondern Hertha würde das neue Stadion bezahlen.
    Es geht auch nicht um ein "grössenwahnsinniges Luxus-Stadion" - sondern um ein - im Vergleich zu anderen Stadien - eher bescheidenes neues Stadion, welches auf die Bedürfnisse von Hertha und den Fans angepasst ist.
    By the way: das "grössenwahnsinnige" Stadion ist ja wohl eher das alte Olympiastadion.

  13. 8.

    Ich denke auch, dass es bisher für alle Sportler, bekannte und unbekannte, die sich in unserem Olympiastadion messen durften, eine Ehre war, hier zu sein.

    Was ich allerdings nicht verstehen kann, ist die Aussage, das Tempelhofer Feld stünde ggf. auch zur Diskussion...?
    Meines Erachtens kam es damals durch ein großes Volksbegehren dort zur Öffnung des Tempelhofer Volksparks - und bis heute ist das auch so geblieben und tut niemandem weh. Im Gegenteil.
    Keine gute Entscheidung, wenn dieser Wille gebrochen wird. Egal von wem.

  14. 7.

    Von außerhalb Berlins möchte ich auch kurz meinen Senf dazu geben:
    Ich teile die Ansicht der Vorredner und sehe keinerlei Sinn in einem neuen Stadion - außer dass es neu ist.
    Für die Sanierung des Olympiastadions wurde viel Steuergeld ver(sch)wendet und das sollte dann auch erst einmal ein paar Jahre halten.

    Zudem halte ich es generell in der Abwägung zwischen "BESTEHENDEM, vernünftigen Wohnraum, der logischerweise täglich genutzt wird und wortwörtlich lebensnotwendig ist" und einer "Sportstätte, die nett anzuschauen, aber nur für wenige Heimspiele pro Jahr genutzt wird und die keinem Anwohner irgendeinen Vorteil bringt" natürlich den Wohnraum für wichtiger.
    Eine Sportstätte kann man auch irgendwo anders hinbauen - es ist doch egal, an welche Stelle Berlins ich zu einem Sportereignis fahren muss. Wo ich lebe, ist dagegen deutlich wichtiger für meine persönliche Entwicklung und mein Wohlbefinden.

  15. 6.

    Interessant ist, dass Werner Gegenbauer sowohl bei Hertha als auch bei der 1892 "mitspielt".

  16. 5.

    Wir haben bereits ein tolles Stadion!!!
    Aufwändig restauriert, u.a. auch mit Steuergeldern.

    Es ist gut, dass nun immer mehr Öffentlichkeit in das unsägliche Preetz Begehren gebracht wird.
    Dieser Mann sorgt für Negativstimmung im Verein, bei Fans und unter den Berlinern. Und er merkt es nicht einmal .

    Arroganz und Sturheit gehen gemeinsam nie gute Wege.
    Wieso kann sich bei Hertha nur so selten vernunpftsorientierte Verantwortung durchsetzen?
    Gibt es dafür vllt. ganz spezielle Gründe, die wir (noch) nicht kennen...?


  17. 4.

    - Ist es nicht jedem Sportler eine Ehre, im traditionsreichen Olympiastadion zu spielen?
    - Das Olympiastadion ist nicht ausgebucht und wir brauchen ein zweites Stadion daneben für um die 17 Tage (Heimspiele) pro Jahr?
    - Die Hertha ist mehrfach abgestiegen.... Wer garantiert, dass nicht beide Stadien auf dem Rücken des Berliner Steuerzahlers landen?
    - Die Wohnungen sind alles Fünfraum-Wohnungen in bezahlbarer, einfacher Lage... hier ist klar, wer die Rechnung bezahlt-> Familien und Kinder
    - 4 ha Natur und Lebensraum, jahrzehnte alter Baumbestand, egal?
    - Denkmalschutz, egal?
    PS: Das Tempelhofer Feld sucht ´ne Nutzung. Anbindung an Autobahn und öffentliches Verkehrsnetz gegeben .. Infrastruktur perfekt.

  18. 2.

    Bloß nicht die Deutsche Wohnen da würde ich als Genossenschaftsmitglied niemals zustimmen.
    Warum überhaupt ein Stadion .

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