Pyrotechnik im Hertha-Fanblock beim Spiel gegen Dortmund. Quelle: imago/De Fodi
Audio: Inforadio | 21.11.2018 | 10:15 Uhr | Daniel Haselbach | Bild: imago/DeFodi

Entwicklung aus Dänemark - Kalte Pyrotechnik - das Feuerwerk der Zukunft?

Jedes Wochenende brennt Pyrotechnik in Deutschlands Fußballstadien. Für einige Fans gehören die Fackeln zum Fußball dazu, der DFB bestraft ihren Einsatz mit Verboten und Geldstrafen. Eine mögliche Kompromisslösung kommt nun aus Dänemark: Kaltes Feuer.

Pyrotechnik ist seit Jahren eins der größten Konfliktthemen zwischen Fußballfans und den Verbänden. Auch bei Hertha BSC gab es in den vergangen Wochen und letzten Jahren  mehrfach Konflikte zwischen Fans und Vereinsführung, sowie diverse Geldstrafen durch den DFB wegen des Abbrennens von Pyrotechnik.

Das strikte "Nein" der Verbände nehmen Ultras immer wieder zum Anlass, durch das Abbrennen von Pyrotechnik zu provozieren und zu protestieren. Denn für einige Fans gehören die bunten Fackeln zum Fußball wie die Stadionwurst und das Becher-Bier.

Entwicklung aus Dänemark - weniger Hitze, weniger Rauch

Ein neuer Ansatz im Konflikt könnten nun sogenannte "kalte Pyros" sein. Ein dänischer Pyrotechniker entwickelte die deutlich kälteren Bengalischen Feuer, die eine Kompromisslösung für beide Parteien sein könnten.

Ein "normales" Bengalisches Feuer wird bis zu 2.000 Grad heiß und somit von vielen Seiten auf einer voll besetzten Stadion-Tribüne als zu gefährlich eingestuft. Die Neuentwicklung des Pyrotechnikers Tommy Cordsen hingegen wird nur bis zu 230 Grad heiß – ein deutlicher Unterschied. Die Fackeln könnten im Notfall also auch mit Wasser gelöscht werden, was bei den bisherigen Fackeln nicht möglich war. Hinzu kommt, dass auch die Rauchentwicklung, die in der Vergangenheit bei den illegalen Fackeln oft bemängelt wurde, bei den neuen Bengalischen Fackeln weitaus geringer ist.

Pyrotechnik mit starker Rauchentwicklung im Gästeblock von Union Berlin in Leverkusen. Quelle: imago/mika
Pyrotechnik mit starker Rauchentwicklung. | Bild: imago/mika

Erste Tests in Dänemark

Cordsen tüftelte mehrere Jahre an den kalten Fackeln. Die dänische Liga wird sie nun erstmals in einem Probelauf zum Einsatz kommen lassen. Bereits Anfang Dezember können dänische Fans die kalten Fackeln an einem Probespieltag legal zünden. Auch der schwedische Fußballverband soll großes Interesse haben und einen Probelauf planen.

Das Interesse der Verbände ist nicht unbegründet. Es ist auffällig, dass repressive Maßnahmen wie Geldstrafen und Stadionverbote Ultras nicht davon abhalten Pyrotechnik zu zünden und Fackeln weiterhin an jedem Spieltag in den Fankurven auftauchen.

Auch Thomas Feistel, der zweite Vorsitzende des Fanhaus 1982, einem gemeinnützigen Verein von Herthafans für Herthafans, findet es wichtig, dass Verbände und Anhänger wieder aufeinander zugehen. "Kalte Pyrotechnik könnte eine Lösung sein", meint Feistel. Für ihn ist das konsequente "Nein" zu Pyrotechnik keine Möglichkeit: "Ich weiß nicht, wie die Fanszenen darauf reagieren werden", so Feistel über die konstante Abwehrhaltung von DFB und DFL.

Situation in Deutschland zu angespannt

Zwar haben sich auch deutsche Fanbeauftragte bereits mit dem Thema beschäftigt, in Deutschland bleibt "kalte Pyrotechnik" aber wohl erst einmal nur eine Überlegung. Viel zu verhärtet sind die Fronten zwischen Fans und Verbänden. Jegliche Gespräche zwischen Fanverbänden und DFB wurden abgesagt und gegenseitige Vorwürfe gibt es zahlreich.

Deshalb planen mehrere Fangruppen einen weiteren Protest gegen DFB und DFL am 13. Spieltag (30.11.-2.12.). Eine Halbzeit lang soll auf koordinierte Unterstützung seitens der Ultras verzichtet werden, um ein Zeichen gegen Montagsspiele und Super-League Pläne, sowie für fangerechte Anstoßzeiten zu setzen.  

Ein erneuter Protest, der Fans und Verbände einander nicht näher bringt. Auch Themen wie "kalte Pyrotechnik" sind deshalb in Deutschland nur Zukunftsvision.

Sendung: rbbUM6, 21.11.18, 18:00 Uhr

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