Neun Verletzte, schon fünf Niederlagen: Die Füchse Berlin durchleben schwere Zeiten. / imago/nordphoto
Video: rbb UM6 | 22.11.2018 | Simon Wenzel | Bild: imago/nordphoto

Große Verletzungssorgen - Schwere Zeiten für die Füchse

Verletzungspech? Für das, was die Füchse Berlin erleben, ist das noch ein schwaches - ja, harmloses - Wort. Zehn Spieler fehlten zeitweise. Eine (zu) große Hypothek. Nun wartet das Spiel in Kiel. Und eine ganz entscheidende Aufgabe im EHF-Pokal. Von Johannes Mohren

Velimir Petkovic kann noch lachen. Die Pressekonferenz vor dem Spiel in Kiel (Donnerstag, 19 Uhr) - sie ist alles andere als eine Veranstaltung der traurigen Mienen. Trotz inzwischen fünf Niederlagen aus 13 Liga-Spielen, die das eigentliche Saisonziel der Füchse Berlin, die Champions-League-Plätze, bereits jetzt in fast unerreichbare Ferne haben rücken lassen. Der 62-Jährige Trainer sieht, dass sein Team alles gibt. Dass er seinen Spielern eigentlich keinen Vorwurf machen kann. "Die Mannschaft ist intakt. Sie gibt Gas. Wir kämpfen 60 Minuten", sagt er. Und dann kommt der alles entscheidende Zusatz: "Mit dem Kader, den wir halt derzeit haben."

Im vergangenen Liga-Spiel gegen Melsungen in der Max-Schmeling-Halle ließ sich die Verletztenmisere der Füchse wieder förmlich sehen. Sie tauchte unmittelbar hinter der Bank der Berliner auf der Tribüne auf. In blauen Anzügen. Dort saßen alle die, auf die der Handball-Bundesligist derzeit verzichten muss. Fabian Wiede etwa, Paul Drux, Mattias Zachrisson. Es sind nur ein paar Namen, aber sie reichen bereits aus, um zu verdeutlichen, wie viel Klasse derzeit zum Zuschauen verdammt ist. Zehn waren es insgesamt, die fehlten. Sie sahen, wie ihre noch fitten Mitspieler alles versuchten. Aber - mal wieder - scheiterten.

Fehlende Abstimmung im Angriff

Es ist weniger die Deckung, die Schwierigkeiten bereitet. Sie arbeitet perfekt. Zumindest nahezu. Es sind vielmehr vor allem offensive Abläufe, die bei den dezimierten Füchsen sichtbar fehlen. Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Bis zum ersten Tor der Füchse gegen Melsungen dauerte es ganze sechs Minuten - und dann brauchte es einen verwandelten Siebenmeter durch Hans Lindberg, um den Bann zu brechen. Auch die Tore zwei und drei in dem Spiel fielen auf diese Weise.

Es wäre wohl ein Wunder, wenn es diese Probleme nicht gäbe. Der jungen Garde, die nun bereits viel stärker gefordert ist, als es vor der Saison zu erwarten war, ist kein Vorwurf zu machen. Sie schlägt sich mehr als tapfer. Da herrscht Einigkeit. Jacob Holm ist zu nennen, Frederik Simak oder zuletzt auch Lennart Gliese. Sein Alter? Gerade einmal 20 Jahre. "Ich freue mich darüber, was ich von den Jungs gesehen habe", sagt Petkovic. "Wir haben zwar verloren. Das ist das, was auch bei mir immer hängen bleibt. Aber: Da zeigt sich diese Arbeit hier mit der Jugend. Das ganze Projekt Füchse."

Schwere Aufgabe in Kiel

Unter dem Strich bleiben sie jedoch, die "fünf bis zehn Prozent Qualität im Angriff" (Petkovic), die derzeit fehlen. Fabian Wiede ist einer, der sie - zumindest teilweise - zurückbringen könnte. Womöglich schon in Kiel. Mitreisen soll er auf jeden Fall, ob er spielen wird und wenn ja, wie viel Spielzeit er bekommt, ist jedoch noch unklar. Er selbst will gerne möglichst bald eingreifen, die derzeitige Situation fällt ihm nicht leicht: "Für jeden Spieler ist es richtig schwer, hinter der Bank zu sitzen. Es macht keinen Spaß, die Mitspieler zu sehen, die sich jeden Tag quälen, und selbst nicht mithelfen zu können", sagt er. Betont aber auch: "Wir müssen den Fuß Schritt für Schritt aufbauen und dürfen nicht riskieren, dass noch eine schlimmere Verletzung entsteht." 

Zumal es in Kiel - mit oder ohne Fabian Wiede - schwer werden dürfte für die Füchse. Die Kieler sind zwar holprig in die Saison gestartet, holten zuletzt aber zehn Siege in Folge. "Es wird richtig schwer. Ich glaube, ich habe die letzten zwölf Jahre nur einmal in Kiel gewonnen", sagt Hans Lindberg - einer der wenigen Leistungsträger, die aktuell spielen können - und müssen. Die Belastung ist immens. Die großen Kampfansagen bleiben da vor dem Kiel-Spiel aus: "Es ist schon schwer mit voller Besetzung, jetzt kommen wir mit vielen verletzten Spielern. Mal schauen, was möglich ist."

Gegen Aalborg geht es um Alles

Die Aufgabe, die nur drei Tage danach am Sonntag (15 Uhr) in der Max-Schmeling-Halle folgt, ist zudem fast wichtiger. Dann geht es gegen Aalborg um das Überleben im EHF-Pokal - es ist die dritte Runde. Das Hinspiel ging vor knapp einer Woche mit zwei Toren verloren. "Das ist lebenswichtig für uns - keine Frage", sagt Petkovic - und: "Wir müssen gewinnen. Mit Begeisterung und Leidenschaft. Wir müssen es schaffen, egal wer auf der Platte steht."

Es geht darum, sich Chancen zu erhalten. Nicht alles zu verspielen. "Wir müssen schauen, dass die Saison in der Rückrunde nicht gelaufen ist", sagt Lindberg. Dann wenn ein Großteil der Leistungsträger wieder zurück sein soll - und damit jede Menge Qualität auf dem Parkett. "Ich sage immer: Im Februar werden wir eine richtig gute Mannschaft haben. Eine Mannschaft, die diesen Pokal auch holen und gewinnen kann", sagt Petkovic.

Bis dahin heißt es: durchhalten. Und hoffen. So wie Petkovic jeden Tag, wenn er in die Trainingshalle kommt - und darauf setzt, den ein oder anderen Rückkehrer aus dem Lazarett zu erblicken. "Was glauben Sie, was das bei mir für Gefühle sind, wenn ich zwei, drei Spieler mehr sehe. Die uns gefehlt haben, aber richtig gefehlt", sagt er. So wie in dieser Woche Fabian Wiede. Und auch Christoph Reißky. Sie nähren die Zuversicht, dass es bald wieder bergauf geht. Und dann bei Pressekonferenzen die Laune noch besser ist. Denn mit Siegen im Rücken lacht es sich am befreitesten. Das weiß auch Velimir Petkovic, der Trainer-Fuchs.

Sendung:  rbb UM6, 22.11.2018, 18 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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