Martin Hermannsson im Zweikampf mit Gießens Max Landis (Quelle: imago/Contrast)
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Video: Morgenmagazin | 28.12.2018 | Torsten Michels | Bild: imago/Contrast

Alba Berlin gewinnt 108:96 gegen Gießen - Mit Schmerztablette ging's ganz gut

Leicht gings nicht von der Hand, aber Alba hat am Ende auch sein letztes Heimspiel des Jahres gewonnen. Die Gießener brachten Berlin am Mittwoch auch ohne ihren besten Spieler an den Rand einer Niederlage - doch ein Zurückgekehrter rundete den Abend ab. Von Sebastian Schneider

Kommen die einen zurück auf Arbeit, melden sich die nächsten schon wieder krank: Alba Berlins Trainer Aito Garcia Reneses hat zuviel erlebt, als dass er sich über die unvorhergesehenen Wechsel in seiner Mannschaft groß beschweren würde. Aber dass die es dann schwer hat, in ihren sogenannten Rhythmus zu finden, sollte keinen wundern: Gegen Gießen hat es für Alba am Mittwoch zu einem etwas rumpeligen 108:96 gereicht, ein Sieg im letzten Heimspiel des Jahres. Damit stehen die Berliner auf den zweiten Tabellenplatz.

Hermannsson bei Comeback bester Werfer

Die im Vergleich schlechteste Nachricht hatte Gießens Coach Ingo Freyer schon vor dem Tip-Off zu verarbeiten: John Bryant, um den herum Freyer das Spiel seines Teams angelegt hat, konnte nicht mitmachen. In Sportklamotten und tadellos angeschwitzt stand Bryant in der Arena am Ostbahnhof, der bislang beste Scorer und Rebounder dieser Saison, mit gut 20 Punkten und elf Rebounds im Schnitt. Aber mehr als Abklatschen war nicht drin. Bryants Achillessehne schmerzte und Freyer wusste: Wenn er seinem Topspieler mal eine Pause gönnen konnte, dann doch eigentlich in Berlin. Dort haben die Gießener seit 22 Jahren nicht mehr gewonnen. Um es freundlich auszudrücken: Auch mit dem Center wäre es schwer geworden.

Zur Schadenfreude aber bestand bei den gut 11.200 Alba-Fans kein Anlass, auch sie hatten Unerfreuliches erfahren müssen: Den immer wieder verletzten Point Guard Peyton Siva hatte es schon wieder erwischt. Tags zuvor hatte sich Siva das Knie überdehnt, er wird nun mehrere Wochen keinen Sport treiben können. Damit fehlt er seinem Team auch in der anstehenden Zwischenrunde des Eurocups.

Hermannsson greift sofort an

Es war dann interessant zu sehen, wie die beiden Mannschaften ihre Verletzten ersetzten: Jonas Mattisseck, der für Alba in München fünf von sieben Dreier ins Netz geledert hatte, legte gleich die beiden nächsten nach. Gießens Kante Benjamin Lischka tankte sich unerschrocken gegen Albas Center Landry Nnoko durch. Die Gäste lieben es, so schnell es geht übers Feld zu jagen und aus großer Entfernung zu schießen. Aber ihr Problem war, dass auch Alba diese Jagd beherrscht, nur viel präziser. Schnell führten die Berliner mit 14:4.

Ihr Trainer Aito Garcia Reneses nahm das als Anlass, durchzuwechseln: Martin Hermannsson zum Beispiel bekam Gelegenheit, sich nach überstandenem Bänderriss wieder einzugrooven. Verlernt hat er nichts, Hermannsson attackierte immer wieder den Korb: Sein Tempo wird umso wichtiger, wenn Siva nun fehlt. Dreier Franz Wagner, auch so ein Zurückgekehrter, Korbleger von Peno – Gießens Coach musste eine Auszeit nehmen, in der Hoffnung, die Berliner zu bremsen.

"Schwer zu greifen, das Spiel"

Die ließen sich tatsächlich zu Schludrigkeiten hinreißen, im Gegenzug nahmen die Gießener von der Drei-Punkte-Linie alles aufs Korn. Nur dank der Händchen von Max Landis und David Bell blieben sie in Reichweite. Ingo Freyer verantwortet, wie schon in Hagen, ein vergleichsweise zierliches, flinkes Team, denn Zentimeter kosten im Profibasketball Geld. Und gerade unter den Körben fehlten den Gießenern Bryants grob überschlagene 130 Kilo enorm – Albas Lange Thiemann und Nnoko nutzten das aus.

Lischka allein konnte sie da hinten nicht stoppen, er hatte bald drei Fouls zusammen. Aber sein Gerackere hielt das Team am Leben: Lischkas "Buzzer Beater" zur Halbzeit brachte Gießen auf 49:54 heran. Alle anderen Statistiken sahen Alba viel weiter vorne. Aber die waren halt egal. "Schwer zu greifen, das Spiel", sagte Berlins Geschäftsführer Marco Baldi zur Pause bei "Telekom Sport".

Gießen gleicht zwischenzeitlich aus

In der zweiten Hälfte blieb die Angelegenheit genauso glibbrig: Die Gastgeber teilten den Ball zwar viel besser, aber die Gießener ballerten einfach weiter wie die Verrückten. Der altgediente Zocker David Bell (18 Punkte) zeigte, warum er sich in dieser Liga einen Namen gemacht hat: Er braucht nur einen Wimpernschlag, um seinen Wurf loszuwerden und er hat keine Angst davor, dass sein Verteidiger vielleicht doch noch seine Finger dazwischen kriegt. Der 37-Jährige verwandelte zwei äußerst dreiste Versuche von draußen, zwischenzeitlich glich Gießen auf 70:70 aus.

Aber die Gesetze der Wahrscheinlichkeit griffen schließlich auch an diesem Abend: Wer die ganze Zeit rennen muss, dem geht irgendwann die Puste aus – und dann kommt er zu spät. Die Gießener kämpften respektabel, aber ihre Foulbelastung wuchs immer weiter. Unauffällig wechseln war nicht drin, das gab ihre Ersatzbank nicht her. Benjamin Lischka musste bereits Anfang des letzten Viertels mit seinem fünften Foul runter.

"Es lief besser, als ich dachte"

Lischkas Sportskameraden aber kämpften so bemerkenswert, dass sie bis 48 Sekunden vor Schluss noch eine Chance auf den Sieg hatten, auch ohne ihren besten Mann Bryant. Alba genügte am Ende ein recht zerstreuter Auftritt. Besonders in der Defense gönnten sich die Berliner einen Zwischen-den-Jahren-Modus. Nach den zuletzt brillanten Leistungen wie gegen die Bayern aber ist so ein mühsam erbrachter Arbeitsnachweis verständlich.

Dem Chef Aito dürfte ohnehin am wichtigsten gewesen sein, seinen gerade zurückgekehrten Leuten wertvolle Minuten zu geben. Das zumindest klappte hervorragend: "Ich habe eine Schmerztablette vor dem Spiel genommen, ich war nervös. Es lief besser, als ich dachte“, sagte der auffälligste Mann, Martin Hermannsson, kurz nach der Sirene. Er war ansatzlos bester Schütze der Berliner geworden, mit 19 Punkten. Es wird vorerst nicht fluffiger werden für ihn und seine Kollegen: "Die nächsten Spiele werden verdammt hart. Es werden sehr viele in einer kurzen Zeit." Albas bemerkenswertes Jahr endet am Samstag in Bremerhaven.

Sendung: Inforadio, 27.12.2018, 20.15 Uhr

Beitrag von Sebastian Schneider

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