Cottbus-Rückblick 2018 (Quelle: imago)
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Rückblick 2018 | Energie wieder in der 3. Liga - Ernüchterung nach Cottbus' furiosem Aufstiegssturm

"0:0 gegen Weiche Flensburg" lautete die schlichte Ergebniswiedergabe der entscheidenen Party im Frühjahr: Cottbus schafft damit in der Relegation nach zwei Jahren die Rückkehr in den Profifußball. Seitdem zeigt sich: Die 3. Liga ist hart. Von Andreas Friebel

"Nie mehr, nie mehr, nie mehr vierte Liga", sangen im Frühjahr mehr als 20.000 Fans im Stadion der Freundschaft. Nach den beiden Aufstiegsspielen gegen Flensburg (3:2 und 0:0) gelang Energie Cottbus am 27. Mai 2018 die Rückkehr in die dritte Liga. "Als wir vor zwei Jahren hier hergekommen sind, wußte keiner, wie das ausgeht. Wir hatten alle Hoffnungen, aber dass das so klappt – Wahnsinn", sagte Tim Kruse nach dem Schlusspfiff und rang mit seinen Gefühlen. Die Mannschaft von Claus-Dieter Wollitz hatte da eine Fabel-Saison in der Regionalliga Nordost hingelegt und das Ganze dann – nach zwei nervenaufreibenden Relegationspartien – mit dem Aufstieg gekrönt.

Keine Mannschaft hat jemals 89 Punkte in der Regionalliga geholt und keine Mannschaft hat dort je so viele Tore in einer Saison geschossen wie Cottbus: 74. Keine Mannschaft hat dort je so wenig Gegentore (14) kassiert, so viele Siege (28) gefeiert und einen so deutlichen Vorsprung auf Platz zwei gehabt. 31 Punkte waren es auf den Zweiten Nordhausen. "Eindrucksvoller kann man nicht beweisen, dass Energie Cottbus nicht in die dritte Liga gehört, sondern irgendwann mal wieder in die zweite Liga", so Wollitz, nachdem der Aufstieg perfekt gemacht werden konnte.

Pyros im Fanblock und Ku-Klux-Klan-Parallelen

Doch schon rund um die Aufstiegsspiele zeigte sich auch wieder die dunkle Seite der Cottbuser Fanszene. In beiden Partien brannten Pyros im Fanblock. Während der Aufstiegsfeiern in der Innenstadt tauchten mutmaßliche Fans des FC Energie Cottbus im Stil des Ku-Klux-Klans auf, waren maskiert mit weißen Kapuzen und hielten ein Transparent mit der Aufschrift "Aufstieg des Bösen" hoch.

Insgesamt überwog aber die Euphorie vor dem Start in die neue Saison. Trainer Wollitz vertraute fast vollständig seiner Aufstiegsmannschaft. Nur zwei Neuzugänge vermeldete Cottbus. Abdulkadir Beyazit kam aus Babelsberg, Daniel Stanese vom VfR Aalen. "Die Jungs, die den Aufstieg geschafft haben, haben es auch verdient, jetzt in der dritten Liga zu spielen", begründet Wollitz seine Entscheidung, das Team kaum zu verändern. Trotzdem wusste der Coach auch, dass "die Zeit der Siege" vorbei ist.

Erst lange vorn und dann ganz schnell hinten

Nach sieben Punkten zum Start in die neue Saison und dem Sprung auf Platz eins kam die harte Landung. Es folgten sechs sieglose Partien. Dass Cottbus in dieser Zeit den Bundesligisten Freiburg im DFB-Pokal an den Rand einer Niederlage brachte und erst nach Elfmeterschießen rausflog, ist dabei nur eine Randnotiz.

Immer deutlicher wurde von Woche zu Woche, dass Energie noch Anpassungsprobleme mit der dritten Liga hat. Zum einen, weil erfahrene Spieler fehlten, zum anderen weil Trainer Claus-Dieter Wollitz das Spielsystem komplett umgestellt hatte. Statt, wie zwei Jahre erfolgreich praktiziert, den Gegner permanent unter Druck zu setzen, versuchte es Energie mit einer deutlich defensiveren Variante. "Tempo und Intensität sind in der dritten Liga deutlich höher. Da müssen wir anders spielen", begründete Wollitz den Wandel.

Kaderverstärkung sorgt für Zwischenhoch

Weil sich aber dann trotz taktischer Umstellungen noch nicht die gewünschten Erfolge einstellten, investierten die Lausitzer im September und Oktober dann aber doch noch in neue Spieler. Mit Lars Bender, Fabian Holthaus und Dimitar Rangelov sollte der "Druck auf die etablierten Kräfte erhöht und die Qualität des Kaders verbessert" werden. Die drei sorgten dann auch für ein Zwischenhoch. Nach dem überraschenden 2:0-Auswärtssieg in Kaiserslautern hatte Cottbus am 14. Spieltag vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze.

Doch dann kam es personell knüppeldick: Beim 2:2 gegen Lotte verletzten sich mit Tim Kruse (Achillessehenanriss) und Marcello de Freitas (Innenbandanriss) zwei wichtige Mittelfeldspieler schwer. Ihren Ausfall konnten die Lausitzer nicht kompensieren, auch wenn Trainer Wollitz viel versuchte: "Natürlich ist ihr Ausfall bitter, aber das können wir nicht ändern, und es darf auch nicht als Ausrede herhalten."  In den fünf Partien nach Lotte holte Cottbus aber nur noch vier Punkte. Damit ist die Abstiegsgefahr wieder allgegenwärtig. Immerhin überwintert Energie aber auf einem Nichtabstiegsplatz.

Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz gestikuliert (Quelle: imago/pmk)

Alter Sponsor mit neuem Präsidenten

Vielleicht gelingt es Trainer Claus-Dieter Wollitz in der kurzen Winterpause noch ein oder zwei erfahrene Neuzugänge zu Energie zu locken. "Fakt ist, dass wir mit diesem Kader in der Lage sind, die Klasse zu halten, mehr ist aber nicht drin." Die Klubkasse gibt für Wintertransfers eigentlich nichts her. Selbst ein Trainingslager kann sich Cottbus nicht leisten.

Die Finanzen sind auch ein Grund, weshalb sich Präsident Michael Wahlich zum Ende des Jahres von seinem Amt zurückzieht. Er hatte sich mit dem wichtigsten Sponsor des FCE, der Sparkasse Spree-Neiße, überworfen. Als der Machtkampf entschieden war und mit Werner Fahle der neue Präsident feststand, verlängerte die Sparkasse ihren Sponsorenvertrag bis Mitte 2020.

Deutlich mehr eine Million Euro zahlt das Kreditinstitut pro Saison dem FC Energie und erhält dafür auch die Namensrechte am Stadion der Freundschaft. Auf die aber verzichtet die Sparkasse Spree-Neißen: "Identifikation und Verbundenheit mit der Region sind uns auch sehr wichtig. Deshalb wollen wir unbedingt diesen Stadionnamen für die Region bewahren und ihn den treuen Fans schenken“, sagt Spree-Neiße-Sparkassen-Chef Ulrich Lepsch.

Finanziell steht Energie Cottbus damit vor einer gesicherten Zukunft, auch wenn große Sprünge nicht drin sind. Vielleicht hilft die Vereinbarung mit der Sparkasse aber, um doch noch ein Schnäppchen auf dem Transfermarkt zu finden. Damit könnten die Lausitzer im neuen Jahr dann dauerhaft die sportliche Kurve bekommen, denn trotz des Auswärtserfolgs in Rostock (2:0), im letzten Spiel des Jahres, ist die Abstiegsgefahr weiter groß und die vierte Liga nicht so weit weg.

Sendung: Inforadio, 26.12.2018, 14.20 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Was hat denn der Autor erwartet, gleich Durchmarsch Richtung 2. Liga? Wollitz hat mit dem Kader grosses geleistet und die Punktausbeute ist im Rahmen der Möglichkeiten. LEAG Chef Kretinsky sollte mal etwas Geld locker machen, aber der hat ja mit Sparte Prag so seine sportlichen Probleme. Ansonsten wünsche ich Energie für die Rückrunde beide Daumen für Mission Klassenerhalt und werde wieder im Stadion sein!
    Frohes Fest und Grüsse aus Görlitz
    FCE Fan Thomas Wünsche

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