Steffen Fäth wird verletzt vom Spielfeld getragen
Audio: Inforadio | 06.12.2018 | Philipp Laberenz | Bild: imago/Matthias Koch

Verletzungsmisere bei den Füchsen Berlin - "Zwischen den Spielen sollten 72 Stunden liegen"

Verletzungen im Leistungssport kommen im Handball besonders häufig vor. Ein eng getakteter Wettkampf-Kalender zwinge die Spieler regelrecht zum Raubbau an ihren Körpern, glaubt mancher Spieler und Trainer. Gerade die Misere der Berliner Füchse gibt zu denken.

Hoffnung hat Konjunktur im deutschen Handball. Wenige Wochen vor der Heim-WM soll sich bitte niemand mehr verletzten. Bundestrainer Cristiian Prokop muss bereits auf Stammkräfte wie zum Beispiel den Berliner Simon Ernst verzichten.

Immerhin genesen langsam dessen Vereinskollegen: Fabian Wiede steht im Aufgebot für das Testspiel gegen Polen (12. Dezember, 19 Uhr, Rostock), Paul Drux gibt am Donnerstag (19 Uhr) sein Comeback in Gummersbach. Doch was die Füchse seit Saisonbeginn erleben, zeitweilig neun Ausfälle, das ist selbst im Vollkontaktsport Handball sehr ungewöhnlich.

Verletzungen in den letzten Jahren gestiegen

Rückkehrer Drux glaubt dabei sogar an Verwünschung: "Wir hatten eine Menge Pech und bei mir zum Beispiel kann man gar nichts dagegen machen, schließlich bin ich auf dem Fuß gelandet." Da helfe auch das beste Training nicht, berichtet der Nationalspieler. "Wenn man das global betrachtet, sind die Zahlen der Verletzungen in den letzten Jahren gestiegen." Der Berliner Rückraumspieler glaubt, dass das mit der Häufung der Spiele zusammenhänge.

Sein Trainer Velimir Petkovic konkretisiert das Thema. "Dieses Problem ist nicht human", behauptet der 62-Jährige. Die dreifach Belastung auf nationalem und internationalem Parkett, plus die Spiele der Nationalmannschaft, da bleibe keine Zeit zu regenerieren. "Für uns Trainer und Spieler ist das eine Katastrophe. Wir haben keine Chance, mal zwei, drei Tage eine Pause zur Erholung zu machen."

Gesundheit bleibt auf der Strecke

Das Risiko spielt mit. Handball hinterlässt Narben. Die gesetzliche Unfallversicherung VGB zählt in ihrem Sportreport 2018 den Profi-Handball zum gefährlichsten unter den Mannschaftssportarten. Im Vergleich mit Fußball, Eishockey und Basketball ist die Verletzungsquote in der Bundesliga am höchsten. Jürgen Bentzin, Mannschaftsarzt der Füchse, fordert ein Umdenken. „Verletzungen bleiben nicht aus, aber wir müssen darauf achten, dass zwischen diesen Hochleistungsspielen genügend Regenerationszeit bleibt." Zwei, drei Tage müssten dazwischen liegen, sonst könne niemand seine volle Leistung über eine Saison lang abrufen.

Wenn der Wechsel aus Be- und Entlastung ausbleibt, Leistungssportler in kürzester Zeit abliefern müssen, dann bleibt die Gesundheit auf der Strecke. "72 Stunden sollten zwischen den Spielen liegen", fordert Bentzin. Das ließe der Spielplan oft nicht zu und somit werde einfach keine Erholung erzielt. Das Pensum sei einfach zu hoch. Bei bis zu 80 Spielen pro Saison mutieren Top-Spieler zu einer Art Zombies: ausgebrannte Körper, erschöpfter Geist. Das ruft zwangsläufig Verletzungen hervor. Alles hoffen hilft da nichts.

Sendung: Inforadio, 06.12.2018, 13:15 Uhr

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