Spieler von Viktoria Berlin bejubeln ein Tor. Quelle: imago/Björn Draws
Bild: imago/Björn Draws

Nach Absprung des chinesischen Investors - Viktoria 1889 Berlin reicht Insolvenzantrag ein

Geld aus China sollte bei Viktoria Berlin für einen Aufschwung sorgen - eigentlich. Doch die Zahlungen des Investors sind ausgeblieben. Nun hat der Club aus der Regionalliga Nordost Insolvenz angemeldet. Beim Fußball-Verband ist indes noch nichts eingegangen.

Der Fußballverein Viktoria 89 Berlin hat beim Amtsgericht Charlottenburg einen Insolvenzantrag eingereicht. Das teilte der Verein am Donnerstagabend auf seiner Webseite mit. Der Grund seien "ausbleibende Zahlungen des chinesischen Investors, der Advantage Sports Union Ltd. (ASU)". Dadurch sehe sich der Verein "nicht mehr in der Lage, die auflaufenden Verbindlichkeiten zu decken".

Bereits am Donnerstagmorgen hatte es Gerüchte gegeben, dass die im Mai bekanntgegebene Zusammenarbeit mit dem Investor ASU vor dem Aus stehe; "B.Z." und "Kicker" berichteten. In der Mitteilung des Vereins heißt es nun, man bedauere sehr, dass "die ASU seine Verpflichtungen ohne Nennung von triftigen Gründen nicht einhält, vereinbarte Zahlungen nicht geleistet hat und auch zukünftige Zahlungen ablehnt."

Zukunft des Regionalliga-Teams unklar

Der Spielbetrieb der 70 Mannschaften des Breitensports soll demnach wie bisher weitergeführt werden. Noch offen ist, ob die erste Mannschaft in der Regionalliga Nordost weiterspielen kann. "Mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter werden alle weiteren Maßnahmen in Bezug auf Arbeitsverträge von Mitarbeitern und Spielern erarbeitet", teilt Viktoria mit - und: "Inwieweit der Spielbetrieb dann in der Regionalliga Nordost fortgeführt wird, kann heute natürlich noch nicht beantwortet werden."

Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) wartet währenddessen auf die offizielle Insolvenzmeldung des Berliner Regionalligisten FC Viktoria 1889,. "Wir haben noch gar keinen Kontakt mit dem Verein gehabt", sagte Holger Fuchs, Geschäftsführer des NOFV, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. "Der Insolvenzantrag muss innerhalb von zehn Tagen nach Beantragung beim Verband öffentlich gemacht werden", sagte Riemer. "Vorher können wir nicht tätig werden."

In der Regionalliga steht der Verein nach 19 Spieltagen auf Platz sechs. Auch deshalb sei der Ausstieg überraschend, hieß es vom Verein. Der sportliche Erfolg sei da gwesen. Und auch "alle notwendigen Schritte und Maßnahmen zur Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft abgeschlossen" seien abgeschlossen gewesen.

"Versucht, Schritt zu vermeiden"

Die Situation erscheint nun mehr als schwierig: Viktoria hatte in großem Stil aufgerüstet. Gerade die Gehälter für ehemalige Erst- und Zweitligaprofis wie Jürgen Gjasula (Greuther Fürth), Christoph Menz (Union Berlin) oder Petar Sliskovic (Mainz) dürften ohne Investor kaum zu stemmen sein. Viktoria hatte bereits am Donnerstagmorgen, als der Ausstieg noch nicht offiziell war, dem rbb gegenüber eingeräumt, dass es bereits in dieser Woche aufgrund von fehlenden Zahlungen des Investors zu Engpässen bei den Spielergehältern kommen könnte.

In den letzten Tagen habe man versucht, den Schritt zu vermeiden, heißt es in dem Schreiben. Erfolglos: "Eine Fortführung des Invests der ASU wurde von deren Seite trotz aller Bemühungen abgelehnt, der Einstieg möglicher neuer Investoren war so kurzfristig nicht möglich." Damit sei es "die unvermeidliche Pflicht des Vorstands" gewesen, den Antrag einzureichen. Zum Schutz des Vereins. Nun gelte es zusammenzurücken "und unseren Traditionsverein für die Zukunft neu aufzustellen".

Investment verursachte bundesweites Aufsehen

Die Ankündigung von Viktoria, mit einem chinesischen Investor zusammenzuarbeiten, hatte im Mai für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt. Der Club hatte sich durch die finanzielle Unterstützung des Investors größeren sportlichen Erfolg bis hin zur Etablierung als dritter Profi-Verein in der Hauptstadt erhofft. Bei der Bekanntgabe hieß es auf der Webseite des Vereins: "Zweck der Vereinbarung soll eine langfristige Kooperation sein, die die Wettbewerbsfähigkeit des Vereins, insbesondere der ersten Herrenmannschaft, sicherstellt und dabei auch die Verfolgung höherer sportlicher Ziele ermöglicht."

Am kommenden Sonntag (14 Uhr) trifft Viktoria im Berliner Pokal eigentlich auf Polar Pinguin aus der neunten Liga. Gegenüber dem "kicker" sagte der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, Bernd Schultz: "Das Pokalspiel soll stattfinden." Und er äußerte auch Hoffnung: "Viktoria ist der Verein mit der größten Anzahl von Mannschaften in Berlin. Wir können nur hoffen, dass er den Betrieb fortführen kann."

Sendung: rbbUM6, 13.12.2018, 18.00 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Das wäre für den Verein und die Regionalliga sehr schade.

  2. 3.

    schade um den Verein.

  3. 2.

    schade um den Verein.

  4. 1.

    Gruselig, Sportverei e als Kapitalunternehmen, aber was ist in diesem Staat nicht gruselig, vom Sportverein bis zum Bundestag?

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