Christopher Trimmel und Sebastian Polter vom 1. FC Union jubeln mit den Teamkollegen nach dem Tor zum 1:0 gegen Greuther Fürth
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Rückblick 2018 | Union Berlin - Wieder auf Kurs

2018 war aus Sicht des 1. FC Union ein emotionales Jahr. Erst mussten die Eisernen unter Ex-Trainer André Hofschneider um den Klassenerhalt bangen, dann blieben sie unter Urs Fischer die Hinrunde über ungeschlagen. Jetzt winkt die Bundesliga. Von Stephanie Baczyk

Vier Monate sind eine lange Zeit. Urs Fischer nickt ob dieser Tatsache. "Wenn du 17 Mal nicht verlierst, dann ist ja vieles richtig", sagt der Coach des 1. FC Union mit seinem Schweizer Akzent - und seine Mundwinkel wandern ein Stückchen nach oben. Fischer steht im Foyer des Stadions An der Alten Försterei, wie so oft in seiner dunkelblau-roten Trainingsjacke mit dem Union-Emblem auf der Brust, und strahlt Gelassenheit aus. "Aber es ist ja noch nicht fertig, es ist Halbzeit."

Seit Sommer ist der 52-Jährige im Amt, mit ihm kam im vergangenen halben Jahr der Erfolg zurück. Erwartbar war diese Entwicklung nicht unbedingt. "Es war für alle nicht einfach, da spreche ich nicht nur für den Trainer", so Fischer. "Die Mannschaft bekam ein neues Gesicht, im Trainerstab gab es die eine oder andere Änderung und der Sportdirektor hat auch gewechselt." Und dann schiebt der Mann mit den kurzen grauen Haaren und den wachen Augen unter der Brille mit einem Lächeln auf dem Gesicht sein persönliches Fazit hinterher: "Ich glaube, wir haben die Aufgabe nicht schlecht gelöst."

Kein Trainerwechsel aus heiterem Himmel

Es ist noch gar nicht allzu lange her, da verschwammen in Köpenick Wunsch und Realität. Für die Saison 2017/18 hatte der Klub den Aufstieg in die Bundesliga als Ziel ausgegeben, im Dezember 2017 wurde der damalige Coach Jens Keller entlassen. Die Eisernen waren Tabellenvierter der Zweiten Liga, die Verantwortlichen sahen das sportliche Vorhaben dennoch gefährdet.

Michael Parensen, seit 2009 beim 1. FC Union unter Vertrag, sprach wenig später davon, dass "der Trainerwechsel natürlich nicht aus heiterem Himmel passiert" sei. Die Ergebnisse und die Spielweise hätten schon vorher nicht gestimmt. Als neuen Coach präsentierte der Verein einen alten Bekannten: den langjährigen Co- und zwischenzeitlichen Interimstrainer André Hofschneider. Einzig die Erfolgserlebnisse blieben aus, Union rutschte in den Abstiegskampf und rettete sich erst kurz vor Ende der Spielzeit. Hofschneider musste seinen Posten wieder räumen.

"Jetzt können wir mit Drucksituationen besser umgehen"

"Die Rückrunde in der letzten Saison war sehr wichtig für uns", sagt Christopher Trimmel heute. Der Österreicher mit den dunkelbraunen Haaren und den vielen Tattoos ist seit Sommer Kapitän der Köpenicker - und einer der Dienstältesten im Team. "Wir haben erlebt, wie es ist, wenn man mal hinten drinsteckt und Abstiegskampf hat. Das prägt natürlich auch einen ganzen Verein. Ich glaube, wir haben das Positive da rausgezogen. Jetzt können wir vielleicht mit Drucksituationen besser umgehen, vor allem die jungen Spieler."

Trimmel ist auf seiner rechten Abwehrseite gesetzt, wird geschätzt für seinen unermüdlichen Einsatz und seine klaren Worte. Um ihn herum hat sich die Mannschaft verändert. Wichtige Spieler wie Publikumsliebling Steven Skrzybski und Abwehrchef Toni Leistner haben Union verlassen - neun Profis hat der Verein neu verpflichtet, dazu die zuvor ausgeliehenen Christopher Lenz und Eroll Zejnullahu zurückgeholt.

Fischer setzt auf Gespräche

Der personelle Umbruch im Sommer war groß. Umso beeindruckender ist der Teamgeist beim 1. FC Union. "Es gibt, glaube ich, nicht viele Mannschaften, wo das von Beginn an so gut funktioniert hat wie bei uns", sagt Christopher Trimmel. Zu großen Teilen ist das der Verdienst von Trainer Urs Fischer. Der Schweizer, erzählen die Spieler, führe viele Einzelgespräche.

"Wir sind sehr offen. Ich spreche die Dinge, die nicht so gut laufen, sofort an. Das macht er genauso", beschreibt Trimmel das Verhältnis zum Schweizer, der in seiner Heimat mit dem FC Basel zwei Mal Meister wurde. "Natürlich muss man mit Spielern viel reden. Gerade mit denen, die nicht so viel spielen." Der Coach schafft die Balance. Im Sturm beispielweise hat er mit dem Schweden Sebastian Andersson und Sebastian Polter gleich zwei treffsichere Angreifer, lässt aber meistens nur mit einer Spitze spielen. Unzufrieden ist trotzdem keiner der beiden.

Unter Fischer blieben die Eisernen die komplette Hinrunde über ungeschlagen und irgendwie auch bis zur letzten Sekunde immer gefährlich. Im Heimspiel gegen Holstein Kiel trafen Grischa Prömel und Sebastian Polter erst in der Nachspielzeit, gegen den FC Heidenheim drückte dann Torhüter Rafal Gikiewicz auf den letzten Drücker den Ball per Kopf zum 1:1 über die Linie. Das Stadion An der Alten Försterei war in den letzten Monaten ein noch verrückteres Tollhaus als sonst. Wenn das überhaupt möglich ist.

"Ich glaube schon, man darf auch ein bisschen träumen"

Bei einem Thema halten sich der Trainer, die Spieler und die Verantwortlichen bislang allerdings dezent zurück: Dem möglichen Aufstieg in die Bundesliga. Fakt ist: Mit dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV marschieren aktuell zwei Teams in der Tabelle vorneweg, kaum einer rechnet damit, dass sie in der Rückrunde leistungstechnisch einbrechen. Aber dann wäre da noch der Relegationsrang drei, der zu Duellen mit dem Sechzehnten der Bundesliga berechtigt.

"Ich glaube schon, man darf auch ein bisschen träumen", sagt Urs Fischer, lächelt und erklärt: "Man sollte mit beiden Füßen am Boden bleiben, denn gewonnen ist noch gar nichts. Im Fußball kann es sehr schnell gehen." Das erste Spiel der Rückrunde beim FC Erzgebirge Aue haben die Köpenicker verloren. Jede Serie endet mal, das wissen sie beim 1. FC Union. Also reden sie wenig über das große Wort mit 'A' und arbeiten stattdessen konzentriert von Woche zu Woche. Wie es scheint, ist das ein Erfolgsrezept.

Sendung: 30.12.2018, Inforadio

Beitrag von Stephanie Baczyk

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