Die Füchse jubeln über ihren Sieg gegen die Rhein-Neckar-Löwen, bei den Eisbären hängen die Köpfe (Quelle: imago/ Beautiful Sports/Bernd König)
Audio: Inforadio | 19.12.2018 | Jens-Christian Gussmann | Bild: imago/ Beautiful Sports/Bernd König

Kommentar - Von hungrigen Füchsen und satten Eisbären

Die Füchse und die Eisbären sind beide erfolgreiche Berliner Vereine, die eine Saisonhälfte mit Problemen hinter sich haben. Aber während die Handballer ihre Titelchancen wahren, verschwinden die Eisbären aktuell in der Bedeutungslosigkeit. Kein Zufall, meint Jens-Christian Gussmann.

Bob Hanning war euphorisch: "Das sind die Momente, für die du diesen Job machst", sagte der stolze Füchse-Manager, nachdem sein Team im Pokal den Favoriten Rhein-Neckar Löwen niedergerungen hatte. Der 37:35 Sieg in der Verlängerung war ein "Füchse-Moment": Denn die Berliner Handballer haben sich hart erarbeitet, dass sie den teilweise absurd wirkenden Verletzungsproblemen zum Trotz immer noch Titelchancen in zwei Wettbewerben haben und auch in der Bundesliga noch das Minimalziel möglich ist.

Mit Zusammenhalt zum Erfolg

Mit einer guten Jugendarbeit zum Beispiel, aus der immer wieder Spieler wie Fabian Wiede, Paul Drux, oder jüngst Frederik Simak hervorkommen: Simak ist einer derer, die in dieser Hinrunde über sich hinaus wuchsen - weil sie mussten und weil das Team es ihnen ermöglichte. Führungsspieler wie Hans Lindberg und Silvio Heinevetter hielten den (Kinder-)Laden in den Wochen zusammen, als zwischenzeitlich acht hochkarätige Stammspieler verletzt fehlten.

Unruhig wurde es bei den Füchsen nie. Selbst als sie im Oktober und November sechs von sieben Spielen verloren, durfte Trainer Petkovic in Ruhe arbeiten. Seitdem hat sein Team fünf Siege in Serie eingefahren und dabei erst den Einzug in die Gruppenphase des EHF Pokals und nun im dramatischen Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen das Final Four im DHB Pokal erreicht. Diesen Erfolg konnten die Füchse deshalb erreichen, weil hier alle zusammenhalten, die Trainer, die Betreuer, all die vielen Helfer und die 6.500 Zuschauer. Wie groß der Zusammenhalt bei den Füchsen ist, zeigten die im Kreis tanzenden Spieler nach dem jüngsten Sieg: Alle waren dabei, ob verschwitzt im Trikot oder verletzt im edlen Anzug. Ein echtes Team eben.

Einzelgänger statt Teamgeist

Anders sieht das derzeit bei den Männern auf Kufen aus. Die Eisbären sind satt. Behäbig und unmotiviert wie ein vollgefressener Artgenosse ihres namensgebenden Tiers, verliert der Vizemeister der Vorsaison ein Spiel nach dem anderen gegen Teams, die die Play-Offs sonst nur aus dem Fernsehen kennen.

Dabei haben die Berliner keinen schlechten Kader. Der Großteil derjenigen Spieler, die in der letzten Finalserie gegen München aufopferungsvoll gekämpft hatten, tragen noch immer das Trikot der Eisbären. Doch aus der verschworenen Truppe ist ein unorganisierter Haufen voller Einzelgänger geworden. Jeder spielt für sich allein. Statt den Mitspieler anzufeuern, ist man genervt von den Unzulänglichkeiten der Nebenleute.

Eisbären ziehen Konsequenzen

Erst kürzlich baten Manager Stephane Richer und Geschäftsführer Peter John Lee die Spieler zum Gespräch und wollten Erklärungen hören. Am Tag darauf in Köln rissen sich die Berliner zusammen, gewannen mit 5:2.

Doch davon war gegen Nürnberg am Dienstagabend nichts mehr zu sehen. Die paar Extra-Meter mehr gehen, einen Schritt schneller sein als der Gegner: Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen zwischen Sieg und Niederlage. Doch dazu können (oder wollen) sich die Berliner gerade nicht aufraffen.

Die fetten Jahre sind bei vielen der einstigen Meister-Eisbären längst vorbei. Doch viele haben einen laufenden Vertrag, das Geld für einen Umbruch fehlt. Und so hat es nun den getroffen, der vielleicht am wenigstens dafür kann: Am Mittwochabend zog der Club die Reißleine und trennte sich von Cheftrainer Clement Jodoin.

Sendung: Inforadio, 19.12.2018, 15.15 Uhr

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