Die BR Volleys während eines Spiels. Quelle: imago/Andreas Gora
Audio: Inforadio | 27.12.18 | Jakob Rüger | Bild: imago/Andreas Gora

Rückblick 2018 | BR Volleys - Vom Volleyball-Thron ins graue Mittelfeld

Im Mai werden die BR Volleys deutscher Meister. Doch wegen der anschließenden Abgänge tut sich die Berliner Mannschaft in der aktuellen Saison recht schwer. Gute Einzelspieler ergeben noch lange kein Team. Zudem fehlt es an klaren Hierarchien.

Für die aktuelle Saison hatten sich die BR Volleys wohl etwas anderes erhofft. Nach dem Meistertitel in der letzten Spielzeit, bleibt die Mannschaft bislang hinter den Erwartungen zurück. Platz vier mit nur 20 Punkten nach zehn Spielen in der Volleyball-Bundesliga und das Ausscheiden im DVV-Pokal schmeckt ihnen nicht: "Krise ist immer ein großes Wort, aber klar, es ist eine schwere Zeit", so Zuspieler Sebastian Kühner zur momentanen sportlichen Misere seiner Mannschaft.

Anlaufschwierigkeiten nicht neu

Nicht erfüllte Erwartungen zu Beginn einer neuen Saison und zum Ende eines Kalenderjahres sind für die BR Volleys nichts Neues. Vor etwa einem Jahr hatten die Berliner ebenfalls mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Am Ende gab es den Meistertitel.

Hierzu wurde ein alter Bekannter aus der Trainer-Rente geholt. Volleyball-Urgestein Stelian Moculescu entfachte in der Mannschaft neue Spielstärke und führte sie gegen seinen ehemaligen Verein und BR-Dauerrivalen, den VfB Friedrichshafen, zum neunten Meistertitel.

Der Vorteil, kein Favorit zu sein

Eine herausragenden Leistung, für die Moculescu später als "Berlins Trainer des Jahres" ausgezeichnet wird. "Das zu gewinnen, mit der Vorgeschichte, mit Stelu, in Friedrichshafen. All das kombiniert, war natürlich ein ganz anderes Gefühl, als in den Jahren zuvor", zeigt sich Kühner immer noch beeindruckt von der Leistung seiner Mannschaft.

Nach der Auftaktniederlage in der Finalserie hatten nur noch wenige die Berliner als Meisterkandidat auf dem Zettel. Doch Moculescus Mannschaft kämpfte sich zurück und gewann beeindruckend den Titel. Es war die sechste Meisterschaft in sieben Jahren. Für Kühner war es dennoch eine besondere Ausgangslage: "Für uns war es das erste Mal, dass wir in das Finale gegangen sind und gesagt haben 'Wir sind nicht die Favoriten'. Das war für uns der Vorteil. Wir haben gelernt, das zu nutzen."

Ein nahezu komplett veränderter Kader

Nach der Meisterschaft verließen die Berliner Erfolgsgaranten Paul Carroll und Robert Kromm den Verein. Abgänge, die das Team des neuen Trainers Cedric Enard bislang nicht kompensieren konnte. Manager Kaweh Niroomand setzte das unter Druck: "Alle Leistungsträger waren über Jahre hinweg hier, doch auch die werden älter. Es war daher kein Umbruch, den wir initiiert haben." In die aktuelle Saison startete das Team mit sieben Neuzugängen.

Das Ausscheiden im Pokal und die derzeit schlechte Lage in der Liga kommen für Niroomand "fast einem Desaster" gleich. Für den Manager "hat Berlin den stärksten Kader" in der Volleyball-Bundesliga. Man habe es bislang nur nicht geschafft, aus guten Einzelspielern eine Mannschaft zu formen.

Aufholjagd 2.0?

Beim Ausscheiden aus dem Pokal wurde auch deutlich, dass der Mannschaft Hierarchiestrukturen fehlen. Es bleibt abzuwarten, ob diese im neuen Jahr noch rechtzeitig aufgebaut werden können, um die spektakuläre Aufholjagd des vergangenen Jahres zu wiederholen. Andernfalls müsste die Saison 2018/2019 als eine des Umbruchs abgehakt werden. Zumindest in die nächste könnten die BR Volleys dann mit einem eingespielten Team starten und gut vorbereitet neu angreifen.

Sendung: Inforadio, 28.12.18, 12:14 Uhr

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