Die Wasserfreundinnen Spandau 04 vor dem großen Sprung(Quelle: rbb)
Video: rbb24 | 17.12.2018 | 18 Uhr | Sebastian Meyer | Bild: rbb

Wasserball | Spandau mit Damen-Team - Jetzt gehen auch Freundinnen ins Wasser

Über dreißig Jahre lang war Wasserball in Spandau eine Domäne der Männer. Damit ist Schluss. Vor einem Jahr wurde bei den Wasserfreunden ein Damen-Team gegründet, jetzt spielt es in der Bundesliga. Mit einem erstaunlichen Kader. Von Johannes Mohren

"Kniebeugen uuuuund Kreuzheben", ruft Marko Stamm. Es sind klare Ansagen im Kraftraum. Es wird geackert. Und geschwitzt. Zwölf Trainingseinheiten haben die Wasserball-Damen der Wasserfreunde Spandau. Pro Woche. Immer unter den Augen von Trainer Stamm. Schließlich geht es um was. Es ist ihre erste Saison in der Bundesliga. Und das gerade einmal ein Jahr, nachdem sie gegründet wurden. Als erste weibliche Mannschaft der Wasserfreunde im Spielbetrieb seit 30 Jahren. Da ist jede Trainingsminute wichtig - in Kraftraum und Becken.

Die Idee, eine Frauenmannschaft aufzubauen, entstand an einem Abendbrottisch. Dem der Familie Stamm. Marko, Hagen und Reni saßen da zusammen. Privat - und gleichzeitig (fast) automatisch doch im Dienst. Denn ohne Wasserball geht bei den Stamms nichts. Und ohne die Wasserfreunde sowieso nicht. Sohn Marko - deutscher Nationalspieler - ist Kapitän der Männermannschaft der Spandauer, Vater Hagen - deutscher Nationaltrainer - der Präsident des Vereins und Mutter Reni leitet als Chefin die Schwimmabteilung. 

36 Meistertitel in 40 Jahren

Was sie zur Gründung bewegte? Es seien mehrere Ereignisse gewesen, die zusammengespielt hätten, sagt Marko Stamm: Da waren Spandauer Leistungsschwimmerinnen, die zwar mit Schwimmen aufhörten, aber weiter Top-Sport machen wollten. Und Stamms Freundin Bélen Vosseberg - selbst Wasserball-Nationalspielerin -, die für ihren Sport bislang nach Hannover gependelt war und nun unter ihrem Freund in Berlin trainieren kann.

Und so bahnte sich das Ende der Männerdomäne an. Zuvor gab es nur Männer - und die sammelten Titel um Titel. Ein Beispiel: 36 der letzten 40 deutschen Meisterschaften gingen an die Spandauer. Auch Kapitän Stamm hat es also, das Spandauer Sieger-Gen, das er nun als Trainer mit zu den Frauen nehmen will.

Hohe Ziele, die gehören bei den Wasserfreunden zum Selbstverständnis. "Ich will Meister werden", sagt Marko Stamm. Dann grinst er. Gut, vielleicht klappe das noch nicht im ersten Jahr - aber: "Im zweiten werden wir dann schon schauen, dass sich alle umschauen müssen nach unseren Mädels." Seine Freundin Bélen klingt da ähnlich. "Man steckt die Ziele lieber zu hoch als zu niedrig", sagt sie. Eine Medaille gleich im ersten Jahr, das sei der Plan. 

"Vielleicht haben mich die Chlordämpfe benebelt"

Dafür geben die Spielerinnen alles und auch ihr Trainer. 25 Trainingseinheiten die Woche hat er unter dem Strich - zwölf als Damen-Trainer, 13 als Männer-Spieler. Warum er sich das Mammut-Pensum aufhalst? "Na gut, vielleicht haben mich die Chlordämpfe einfach zu doll benebelt", sagt er, grinst - um fährt fort: "Es macht mir beides so viel Spaß. Es ist der Mix. Dass ich was Neues am Beckenrand habe, führt dazu, dass ich auch im Wasser nochmal mehr Spaß habe." Mit fünf Spielerinnen begann das Projekt vor gut einem Jahr, nun sind es 21. 

Auf ein paar "echte" Wasserballerinnen kann er zurückgreifen. Die meisten im Team sind Ex-Schwimmerinnen. Und dann sind da noch die Exoten. Die Speerwerferin, die nun den Ball ins Tor statt den Speer in die Weite des Stadionrunds schleudert. Oder die Moderne Fünfkämpferin, die sich als Torwart-Talent bewiesen hat. "Sie hat sich im Tor sehr gut angestellt. Hatte keine Angst vor dem Ball. Also hat sie es gemacht", sagt Stamm. Pragmatische Analyse - so schnell kann es in die Bundesliga gehen.

Der Start? Vielversprechend!

Zum Start lief es gut. Vor rund drei Wochen war das erste - und bislang einzige - Spiel. Ein weiterer Mutmacher. Gegen den SC Chemnitz, den Tabellenvierten der Vorsaison, spielten die Spandauerinnen 15:15. Nun geht es am Sonntag um 12 Uhr in heimischer Halle weiter gegen Waspo Hannover. Den Tabellenführer, Ex-Klub von Bélen - und das Team, das den Männern in der Bundesliga das Leben so richtig schwer macht. Die Wasserfreundinnen werden bis dahin weiter ackern und schwitzen. Damit auch die Wasserfreundinnen aus Spandau irgendwann vielleicht für ihre Rekorde bekannt sind.

Sendung: Inforadio, 11.12.2018, 10:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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