Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz gibt Kapitän Marc Stein Anweisungen (Quelle: imago/pmk)
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Video: rbb UM6 | 22.01.2019 | Interview mit Claus-Dieter Wollitz | Bild: imago/pmk

Interview | Energie-Coach Wollitz über Stein-Abgang - "Dass es Marc mit der Entscheidung gut geht, ist das Wichtigste"

Der Abgang von Kapitän Marc Stein war für Energie Cottbus ein Schock. Trainer Claus-Dieter Wollitz spricht im Interview über den herben Verlust seines Führungsspielers, die Reaktion der Mannschaft und die schwierige Suche nach einem Ersatz.

rbb|24: Ihr Kapitän Marc Stein hat sich überraschend vorerst aus dem Fußball verabschiedet und gesagt: 'Ich musste auf mein Herz hören.' Was sagt denn jetzt Ihr Herz?

Claus-Dieter Wollitz: Mein Herz sagt, dass wir einen großartigen Menschen verloren haben, der für sich eine Entscheidung treffen musste. Die Priorität ist die Familie, ich nenne sie das höchste Gut. Ich habe intensive Gespräche mit Marc geführt, als er aus dem Urlaub zurückgekommen ist. Er hatte schon Signale gesendet, dass er sich damit beschäftigt, kurzfristig seine Karriere zu beenden, aufzuhören. Ob das langfristig wird, das müssen wir dann abwarten und ich denke, das ist zu respektieren. Es ist sehr bedauerlich. Ich kann nur sagen, dass wir beide ein außergewöhnlich gutes Verhältnis hatten. Dass ich ihn als Mensch und in den Abläufen verliere, ist ein herber Verlust.

Auch sportlich ist Marc Stein eine Identifikationsfigur gewesen. Sie haben angekündigt, bis Ende der Woche Neuzugänge zu präsentieren. Können Sie diese Lücke schließen, die Marc Stein hinterlässt?

Die Mannschaft muss das gemeinsam auffangen. Ich habe schon vor seiner Entscheidung öfters den Finger gehoben und gesagt, dass wir sorgfältiger mit unserer Situation umgehen sollten. Das erschwert jetzt nochmal die Sache. Wir suchen nach Alternativen. Ich möchte nicht eins zu eins eine Person ersetzen. Jetzt kann sich eine neue Hierarchie ergeben, das ist eine große Chance. Deshalb habe ich zu ihm gesagt: Du musst hier jetzt eine Entscheidung treffen. Dann hat er mir letzte Woche Mittwoch gesagt, für ihn kann es nicht weitergehen, weil er vom Kopf her nicht in der Lage ist dem Profifußball gerecht zu werden. Das zeigt ja noch mehr seine Größe.

Wie war die Verabschiedung von der Mannschaft? Sind Sie dabei gewesen?

Am Freitagmorgen haben wir uns entschieden, es der Mannschaft mitzuteilen. Erstmal war eine absolute Stille, auch eine Hilflosigkeit, weil keiner wusste, was kam. Da war Schockstarre und Überraschung zugleich. Ich hatte die Bitte an die Mannschaft, dass wir das bis Montag von der Öffentlichkeit fernhalten. Das war eine Vereinbarung zwischen Marc und mir.

Es ist eine sehr schwierige Situation, die uns in den nächsten Wochen begleiten wird. Ich hoffe, dass es Marc mit der Entscheidung gut geht, der Familie gut geht. Das ist für ihn und für mich in der Begleitung das Wichtigste.

Marc Stein war der Kapitän, Tim Kruse sein Stellvertreter. Der ist aber auch noch verletzt. Wer übernimmt denn jetzt das Kapitänsamt?

Ich glaube, es ist jetzt nicht wichtig, wer die Kapitänsbinde trägt, sondern dass die Mannschaft mit der Situation professionell aber auch verantwortungsvoll umgeht. Es geht jetzt nur noch mit Kampf, Leidenschaft, Zusammenhalt und 120 Prozent. Auch das Umfeld muss wissen, dass die Mannschaft jetzt nochmal eine andere Unterstützung braucht. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Spieler zu verpflichten, die uns und der Region weiterhelfen. Es ist nicht einfach, aber ich hoffe am Ende lösbar.

In Anbetracht der langen Verletztenliste: Wie dramatisch ist denn jetzt die Situation?

Die Situation war ja schon von vornherein nicht einfach, auch schon im Sommer nicht. Da habe ich nie gejammert, das gehört zum Fußball. Genauso gehört es zum Fußball und zum Leben, dass solche Entscheidungen getroffen werden. Trotzdem geht es weiter. Ich muss nach vorne gucken. Ich habe die Verantwortung als Trainer. Ich bedauere das, aber es geht weiter. Wir müssen alles versuchen, um unsere sportlichen Ziele zu erreichen.

Wenn solche Spieler ausfallen, unabhängig von der Klasse und der Erfahrung, ist es für einen Kader dieser Qualität immer schwierig, ihn zu ersetzen. Dieser Kader hat sich ausgezeichnet als geschlossene Einheit. Das haben wir rein sportlich in der Hinrunde nicht immer auf den Platz bekommen. Ich wünsche mir, dass jeder verstanden hat, dass wir nur durch Zusammenarbeit die Chance haben, die Liga zu halten.

Können Sie uns zum jetzigen Zeitpunkt schon etwas zu den Neuzugängen sagen?

Ich kann sagen, dass uns seit geraumer Zeit viele Spieler angeboten werden. Sicherlich auch Spieler, die interessant sind, uns aber kurzfristig nicht helfen werden. Menschen müssen sich wohlfühlen, um Leistung zu bringen. Das sehen wir ja an Marc Stein.

Wir suchen Spieler, die von ihrer Vergangenheit her die Möglichkeiten erhöhen, unsere Ziele zu erreichen. Man sollte immer das Plus und Minus abwägen, das versuchen wir. Es geht darum, die richtigen Spieler zu finden, bei denen man die Überzeugung hat, dass das zu dem Verein und der Region passt. Nur dann hat man den Ertrag.

Das Interview mit Claus-Dieter Wollitz führte Stephanie Baczyk. Dieser Text ist eine redigierte und gekürzte Fassung. Das gesamte Interview können Sie sehen, wenn Sie im Titelbild auf den Videobutton klicken.

Sendung: rbb UM6, 22.01.2019, 18.00 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Kämpfen bis zum Ende, Energie!
    Jetzt erst recht! Mission Klassenhalt.
    Ich bin gegen Wiesbaden im Stadion.

    FC Energie Fan Thomas aus Görlitz

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