Eine Tennis Borussia-Fahne weht im Wind (Foto: imago/Sebastian Wells)
Bild: imago/Sebastian Wells

Denkwürdige Mitgliederversammlung beim Oberligisten - Tennis Borussia Berlin zerlegt sich selbst

Turbulente Mitgliederversammlung beim ehemaligen Bundesligisten Tennis Borussia Berlin: Mit der fragwürdigen Hilfe vieler dubioser Neumitglieder hat sich der Vorstandsvorsitzende und Sponsor Jens Redlich im Machtkampf gegen die Fans durchgesetzt. Von Mathias Ehlers

Mit hochfliegenden Träumen kennt man sich bei Tennis Borussia Berlin aus. Mit harten Landungen aber auch. Immer wieder zeigte sich der Verein aus Charlottenburg in der Vergangenheit anfällig für verlockend klingende Angebote von Investoren und Mäzenen. Er träumte von Aufstiegen und Europapokalteilnahmen und erlebte stattdessen Abstiege und zwei Insolvenzen.

Jens Redlich, Vorstandsvorsitzender von Tennis Borussia Berlin, auf der Tribüne im Berliner Mommensenstadion © imago/Matthias Koch
Jens Redlich, Vorstandsvorsitzender von Tennis Borussia Berlin, auf der Tribüne im Berliner MommensenstadionBild: imago/Matthias Koch

Hang zu autokratischem Stil

Doch trotz dieser schlechten Erfahrungen haben sich die Mitglieder des traditionsreichen Vereins auf ihrer Versammlung am Mittwochabend mehrheitlich dafür entschieden, ihr Schicksal komplett in die Hände eines Geldgebers zu legen. Dieser Geldgeber heißt Jens Redlich, ist geschäftsführender Gesellschafter einer Kette von Fitnessstudios und seit 2016 bei Tennis Borussia engagiert. Zunächst als Sponsor, seit März 2017 auch als Vorstandsvorsitzender mit Hang zu autokratischem Stil. Oberflächlich betrachtet ist Redlich ein Glücksfall für den gebeutelten Verein. Schließlich steht TeBe sportlich und finanziell so gut da wie lange nicht und hat gute Chancen auf den Aufstieg in die Regionalliga. Laut eigener Angaben hat Redlich mittlerweile rund 2,5 Millionen Euro in den ehemaligen Bundesligisten gesteckt. Damit hat der 38-Jährige zwar eine mögliche Insolvenz verhindert und einen Rahmen für größere sportliche Ambitionen geschaffen, aber eben auch eine finanzielle Abhängigkeit erzeugt und daraus eine enorme Machtfülle abgeleitet. Sein wenig diplomatisches Auftreten sorgt zudem für Unmut.

"Viele Bulgaren, die meinten, dass ihr Boss sie geschickt habe"

Daran wird sich wohl auch in Zukunft nicht viel ändern, denn rund zwei Drittel der 570 anwesenden Mitglieder stimmten für die von Redlich vorgeschlagen Bewerber für den Aufsichtsrat und bauten die Machtbasis des Vorstands damit weiter aus. Damit befindet sich der Oberligist fest im Griff Redlichs. Denn es ist durchaus fraglich, ob der Aufsichtsrat in seiner neuen und Redlich genehmen Zusammenstellung den Vorstand tatsächlich ernsthaft beaufsichtigen wird. Die Umstände der Mitgliederversammlung waren denkwürdig und werden TeBe noch eine Weile beschäftigen. Zwar war die Versammlung auf Redlichs Wunsch nichtöffentlich, wurde aber auf Twitter unter dem Hashtag "#tebemv" ausgiebig dokumentiert. Dort berichteten langjährige Vereinsmitglieder von zahlreichen ihnen unbekannten Personen, die erst kurz vor dem MV-Termin dem Verein beitraten. Langzeitfan Denis Roters äußerte gegenüber dem "Tagesspiegel": "Mitglieder kamen zur Versammlung etwa doppelt so viele wie sonst. Viele unbekannte Gesichter, viele Bulgaren, die meinten, dass ihr Boss sie geschickt habe."  Auf Nachfrage habe Redlich entgegnet, eben "auf Akquise" gehen zu müssen, wenn der Verein vergrößert werden solle. Auch Prügeleien lagen laut Augenzeugenberichten in der Luft.

Redlich vs. Fans

Vor allem mit der Abteilung Aktive Fans liegt Redlich über Kreuz. Rund 160 Vereinsmitglieder gehören dieser Abteilung an, sie bilden die größte Opposition gegen Redlich. Nicht, dass sie etwas gegen sportlichen Erfolg hätten, aber demokratische Mitbestimmung und das Eintreten für gewisse gesellschaftliche Werte sind ihnen mindestens ebenso wichtig. So wurde Tennis Borussia zu einem Verein, der sich so nachhaltig wie nur wenige andere im Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Homophobie profilierte. De facto ist ihr Einfluss auf den Verein durch die Ergebnisse der Mitgliederversammlung nunmehr marginal.

Der Streit um die Regenbogenfahne

Wie wenig Redlich für die Sensibilitäten der Anhänger übrig hatte, zeigte sich erstmals im Frühjahr 2017. Da wurde im heimischen Mommsenstadion eine Regenbogenfahne mit TeBe-Wappen gehisst. Ganz so, wie es eine überwältigende Mehrheit auf der Mitgliederversammlung zuvor beschlossen hatte. Mit dem Verweis auf einen angeblichen Formfehler wollte Redlich diesen Beschluss allerdings wieder kassieren und das Aufhängen der Fahne verhindern. Zwar gab Redlich im Laufe dieser unrühmlichen Posse schließlich nach, das Verhältnis zur aktiven Fanszene wurde aber nachhaltig beschädigt. So sehr, dass sich Redlich auch nicht zu schade war, im Online-Fan-Forum gegen die Anhänger zu poltern: "Der Verein wird durch Euch in die Position des Scheiterns gebracht. Der Verein braucht Euch nicht." Nicht die einzige Entgleisung des Vereinschefs. Der Journalist und TeBe-Fan Sören Kohlhuber hat in seinem Blog eine Chronologie der Verwerfungen veröffentlicht, die Fans zuvor erstellt hatten.

Nach und nach verdrängte Redlich ihm unliebsame Menschen von den Schaltstellen im Verein. Kritische Aufsichtsratsmitglieder wurden unter Druck gesetzt und zum Rücktritt gedrängt. Umso mehr Hoffnung legten Redlichs Gegner in die Mitgliederversammlung am Mittwochabend. Ein reinigendes Gewitter sollte sie werden und Redlich die Grenzen seiner Macht aufzeigen. Stattdessen hat sich Tennis Borussia komplett in dessen Hände begeben.

 

Sendung: Inforadio, 03.02., 18.24 Uhr

Beitrag von Mathias Ehlers

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2 Kommentare

  1. 2.

    Als neutraler Leser fällt mir bei diesem Beitrag eines besonders auf. Hier werden auf tendenziöse Art vor allem Behauptungen und Unterstellungen aneinander gereiht, um eine Person an den Pranger zu stellen. Kritischer und neutraler Journalismus reiht nicht nur Aussagen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, aneinander. Ich würde gerne auch hier lesen, in welchem Zusammenhang Herr Redlich die Aussage im Forum getroffen hat. Wo bleiben hier Rede und Gegenrede?
    Ebenso tendenziös wäre, wenn hier stattdessen stünde, dass sich eine Gruppe von Fans eine Wohlfühloase eingerichtet haben, denen sportlicher Erfolg völlig egal ist. Hauptsache, sie können ihre Regenbogenfahne schwenken.
    Etwas weniger Meinungsmache wäre besser.
    Und das ist meine Meinung.

  2. 1.

    Schade. Lila passt zu Berlin...

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