Union-Trainer Urs Fischer: ""Ich glaube schon, man darf auch ein bisschen träumen." / imago/Nordphoto
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Der 1. FC Union Berlin im Teamcheck - Ein bisschen träumen ist erlaubt

17 Spiele ohne Niederlage sprechen für sich, der 1. FC Union hat in der Hinrunde mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und guter Defensivarbeit überzeugt. Der Aufstieg in die Bundesliga ist für die Eisernen drin, wenn sie nicht einbrechen. Von Stephanie Baczyk

So lief die Hinrunde

Nach der enttäuschenden Rückrunde der vergangenen Saison läuft's wieder deim 1. FC Union. Die Eisernen sind aktuell die beste Heimmannschaft der Liga vor dem SC Paderborn, dem 1. FC Köln und dem FC St. Pauli, sie stellen mit nur 15 Gegentoren die beste Abwehr - und blieben unter Trainer Urs Fischer 17 Spiele am Stück ungeschlagen, ehe sie die erste Partie der Rückrunde beim FC Erzgebirge Aue mit 0:3 verloren. Eine beeindruckende Hinrunde der Köpenicker, die so nicht zu erwarten war.

Wichtige Spieler wie Publikumsliebling Steven Skrzybski und Abwehrchef Toni Leistner verließen den Verein im Sommer. Union verpflichtete neun Profis, holte die ausgeliehenen Christopher Lenz und Eroll Zejnullahu zurück. Auf den glücklosen André Hofschneider folgte der Schweizer Urs Fischer als Chefcoach, Oliver Ruhnert als Geschäftsführer Profifußball auf Helmut Schulte. Ein krasser Umbruch, den die Eisernen allerdings gut wegsteckten. "Es gibt nicht viele Mannschaften, wo das von Beginn an so gut funktioniert hat wie bei uns", sagt Kapitän Christopher Trimmel rückblickend.

Das Team groovte sich schnell ein, agierte über die gesamte Hinrunde sicher in der Defensive, wurde - zunächst das Manko - nach und nach gefährlicher und kreativer im Spiel nach vorne. Stürmer Sebastian Polter traf bei seinem Comeback nach sieben Monaten Verletzungspause per Fallrückzieher gegen Holstein Kiel - der Treffer wurde zum Tor des Monats gewählt. In der Partie gegen Heidenheim köpfte Torhüter Rafal Gikiewicz spektakulär den 1:1-Ausgleich in der 94. Minute. Das Highlight für Fans und Verantwortliche aber war Unions Auftritt in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei Borussia Dortmund. Die Berliner boten dem BVB lange Paroli, mussten sich erst kurz vor Ende der Verlängerung mit 2:3 geschlagen geben. Alles in allem: Eine starke Hinserie.

Nicolai Rupp (Quelle: Imago/ Matthias Koch)
Innenverteidiger Nicolai Rapp ist der einzige Neuzugang bei den Eisernen in KöpenickBild: Imago/Matthias Koch

Wer kommt, wer geht?

Drei Profis haben den Verein in der Winterpause verlassen. Innenverteidiger Christoph Schösswendter, der seit seinem Wechsel nach Köpenick im Sommer 2017 bei Union kaum zum Einsatz kam, hat seinen Vertrag aufgelöst. Die Flügelspieler Kenny Prince Redondo (Greuther Fürth) und Simon Hedlund (Bröndy IF) waren mit ihrer Situation unzufrieden, konnten sich gegen die Konkurrenz auf den Außen zuletzt nicht mehr behaupten. 

Einziger Neuzugang der Eisernen ist bislang Nicolai Rapp. Der 22-jährige Innenverteidiger wurde bei der TSG 1899 Hoffenheim ausgebildet und war zuletzt Stammspieler bei Ligakonkurrent Aue. Er könnte die perfekte Ergänzung des Stammpersonals vor Keeper Rafal Gikiewicz sein - Florian Hüber und Marvin Friedrich sind dort in dieser Saison gesetzt.

Der Trainer

Zugegeben, der ein oder andere war schon ein wenig verwundert ob der Verpflichtung des Schweizers Urs Fischer - sie kam überraschend. Aber Fischer, der als Trainer mit dem FC Basel zwei Mal Schweizer Meister wurde, überzeugte schnell mit seiner gelassenen, und doch zielstrebigen Art. Der 52-Jährige ist neben dem Platz passionierter Angler - beim 1. FC Union hat er Spieler und Fans schnell geködert. Die Erfolgsserie kommt nicht von ungefähr - Fischer spricht viel mit den Jungs, auch unter vier Augen.

"Er sagt, was er will – im positiven Sinne. Er schreit nicht, ist aber auch nicht besonders leise – irgendwo dazwischen halt", sagt beispielsweise Stürmer Sebastian Andersson über seinen Coach. "Der Austausch mit ihm ist super." Spannend wird sein, wie sich die Mannschaft unter ihm in der Rückrunde entwickelt. Das Wintertrainingslager im spanischen Jerez de la Frontera hat Fischer unter anderem genutzt, um am Spiel seines Teams mit dem Ball zu feilen. 

Erwartungen an die Rückrunde

Am Thema Bundesliga wird der 1. FC Union zwangsläufig nicht vorbeikommen, sollte sich die Rückrunde ähnlich positiv wie die Hinserie entwickeln. Fakt ist aber: Mit dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln stehen zwei starke und qualitativ gut besetzte Mannschaften an der Tabellenspitze der Zweiten Liga. Union ist neben St. Pauli oder auch Holstein Kiel einer der Anwärter auf den Relegationsplatz dahinter. Bislang wird über einen möglichen Aufstieg wenig bis gar nicht geredet. Man will nicht denselben Fehler machen wie in der letzten Spielzeit, als das hochgesteckte Ziel klar verfehlt wurde.

"Man sollte mit beiden Füßen am Boden bleiben, denn gewonnen ist noch gar nichts. Im Fußball kann es sehr schnell gehen", warnt Trainer Urs Fischer vor überstürzter Euphorie in Köpenick, ist sich allerdings bewusst, dass in dieser Saison etwas drin ist für Union: "Ich glaube schon, man darf auch ein bisschen träumen." Und das tun die Fans der Eisernen durchaus - nur nicht ganz so offensiv.

Sendung: rbb Inforadio, 20.01.2019, 09:15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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